Raubprozess: Anstoß zur Tat scheint aus Neuenrade zu kommen

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Im Schwurgerichtssaal des Landgerichtes

Neuenrade - Es war verständlich, dass dieser Zeuge erschöpft war: „Erst mal auf die Couch“, murmelte der Polizeibeamte, der die Ermittlungen zum Raub in einer Neuenrader Villa geleitet hatte, nach rund fünf Stunden Vernehmung im Landgericht.

Die Stimmung wurde dabei immer vergifteter: Trotz der Teilgeständnisse von zwei Angeklagten herrschte schließlich ein Umgangston wie bei einer aggressiven Konfliktverteidigung. Würde man den Herren und der einen Dame nicht besondere Verhaltensweisen für Verteidiger zubilligen, müsste man ihren Ton im Umgang mit einem Zeugen als grob unhöflich bezeichnen.

 Und auch bei Verteidigern kann man es nur als das Auskosten eines billigen Triumphes bezeichnen, wenn höhnische Kommentare die sprachliche Verwechslung eines Rathausplatzes mit einer Rathausstraße begleiten.

Der Zeuge, der sich vielleicht manchmal zu sicher gab, schlug sich unter solchem Dauerbeschuss recht wacker. Und wenig überraschend hatte er natürlich auch Spekulationen und Vermutungen aus dem Fortgang der Ermittlungen geschildert. Kein Kriminalbeamter kommt ohne solche Vermutungen aus, solange er einen Fall noch nicht abschließend geklärt hat. Seine Frage lautet: Was könnte passiert sein? Was dann letztlich vor Gericht Bestand hat, muss mit einer verlässlichen und überzeugenden Sicherheit festgestellt werden: Was ist passiert?

Aber es war schon befremdlich, wie inquisitorisch die Anwälte immer wieder nach reinen Fakten verlangten: „Er soll Tatsachen berichten, keine Schlussfolgerungen!“ Aber es gab auch faktische Ermittlungsergebnisse zuhauf. Deutlich wurde dabei, dass der Anstoß zu dem Raubüberfall auf die Villa mit einiger Wahrscheinlichkeit aus Neuenrade gekommen sein könnte. Im Fokus der Ermittler ist dabei ein mehrfach vorbestrafter junger Mann, der vor einigen Jahren in zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte und Wohnhäuser Neuenrades eingebrochen war. Seine Adresse war nachweislich im Navigationsgerät der Angeklagten eingespeichert.

Er stand schon einmal unter Verdacht, als 2013 ein Einbruch in die Villa gescheitert war. In der Tatnacht vom 18. auf den 19. Juni telefonierte sein Handy „zig-mal“ mit dem Handy des Angeklagten W. Weitere Daten hatte er auf dessen Anweisung wohl kurzfristig gelöscht, bevor sein Handy der Polizei in die Hände fiel. „Sie werden im Landeskriminalamt derzeit ausgelesen“, berichtete der Zeuge. Den Angeklagten R. hatte der Neuenrader angeblich während gemeinsamer Zeit in der Justizvollzugsanstalt kennengelernt. Auch W. kannte er schon vor dem 18. Juni: Mit ihm zusammen schaffte er es auf das Blatt einer Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung.

 Ja, der Angeklagte W. sei an jenem 18. Juni, dem Tag des Überfalls, bei ihm gewesen und gegen 18 / 19 Uhr wieder gegangen, erzählte der Neuenrader in der polizeilichen Vernehmung. Man sei mit dem Hund spazierengegangen.

Der Prozess wird am 14. März ab 9 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

DER FALL: Vier auswärtige Angeklagte müssen sich im Landgericht Hagen wegen gemeinschaftlichen Menschenraubes und räuberischer Erpressung verantworten. Sie sollen in verschiedenen Rollen am Überfall auf eine 95-jährige Bewohnerin und deren 57-jährige Betreuerin in einer Villa in Neuenrade am 18. Juni 2016 beteiligt gewesen sein.

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