Rätsel um Ehrenbrosche der Stadt gelöst

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Dr. Kohl (rechts) und das Ehepaar Göbel fanden weitere historische Dokumente. ▪

NEUENRADE ▪ Das Geheimnis um eine Ehrenmedaille klärte sich letzten Mittwoch bei einer Geburtstagsfeier auf: Unter den Gästen waren neben dem „ermittelnden“ Historiker auch der Neffe der Besitzerin.

Friedrich-Wilhelm Kohlhage hatte Verwandte und Freunde geladen. Unter ihnen waren auch der Historiker Dr. Rolf Dieter Kohl und das Ehepaar Lotte und Friedrich Wilhelm Göbel.

Kurz zuvor hatte der ehemalige Kreisarchivar Informationen Artikel veröffentlicht, bei denen es um eine ihm völlig unbekannte silberne Ehrenbrosche der Stadt Neuenrade für verdiente Hausangestellte ging. Verliehen wurde dieses besondere Stück am 7. Dezember 1925 an Erna Göbel. „Meine Tante“, klärte Friedrich Wilhelm Göbel den verblüfften Historiker kurzerhand auf. Er sei als Folge der Veröffentlichungen in den Medien sogar auf der Straße angesprochen worden.

„Tante“ Erna (Göbel) hatte die Brosche für Verdienste im Hause der Familie Schniewindt zu Berentrop erhalten. Als hochherrschaftlich habe Erna damals den Haushalt der Schniewindts bezeichnet, erinnert sich Friedrich Wilhelm Göbel noch an früher. „Ich habe sie manchmal dort abgeholt. Ich weiß noch, dass der Eingang relativ dunkel war. An Martha Schniewindt kann ich mich auch noch erinnern“, sagt der Neffe der langjährigen Bediensteten im Hause Schniewindt. Auch Ernas Mutter hatte schon dort gearbeitet.

Weitere Fundstücke

Nachdem klar war, wem die Brosche verliehen worden war, machten sich Lotte und Friedrich Wilhelm Göbel auf die Suche nach weiteren historischen Dokumenten. Sie fanden alte Bilder, ein handschriftlich veredeltes Bild zur Konfirmation und einen Ausweis - und wissen die Fundstücke nun bei Dr. Kohl in guten Händen.

„Leider haben wir nicht mehr“, bedauern die Eheleute Göbel, dass viele Erinnerungsstücke im Laufe der Jahre verloren gegangen sind. Am 18. Juli 1896 wurde Erna Göbel in Neuenrade geboren, im Herbst 1962 verstarb sie. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

„Wir wussten von dieser Brosche nichts“, erzählten die Göbels Dr. Kohl am Dienstag in der Villa am Wall. Kohl hatte die Brosche von ehemaligen Stadtdirektor Josef Albert Wegener erhalten und vermutet, dass nur sehr wenige dieser Broschen verliehen worden sind.

Woher die Idee zu diesen Medaillen stammt, kann er nur mutmaßen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass einflussreiche Fabrikanten die Einführung der Ehrenbrosche in der Stadt Neuenrade angeregt hätten.

Einzigartig in Deutschland

Dr. Kohl sind derzeit nur zwei solcher Auszeichnungen bekannt. In ganz Deutschland gebe es nichts Vergleichbares, sagte er.

Im Gespräch wies er noch auf den Weinberg hin, den es früher im Bereich Berentrop gegeben haben soll. Im Spruch auf dem Konfirmationsbild sieht Dr. Kohl eine mögliche Verbindung zu diesem Weinberg, weil von Reben die Rede ist.

Auch Friedrich Wilhelm Göbel macht sich weiter Gedanken über längst vergangene Zeiten. „Ich weiß noch, dass die Allee damals von Kastanien gesäumt war, wo heute Birken stehen“, erinnerte er sich. „Die sollen für militärische Zwecke abgeholzt worden sein.“ ▪ Markus Jentzsch

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