Weniger Kursteilnehmer

Radfahren boomt, die Bikeschule Sauerland noch nicht wieder

Radfahren liegt in Deutschland derzeit voll im Trend. Die Bikeschule Sauerland kann nach dem Lockdown davon aber noch nicht wieder profitieren.
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Radfahren liegt in Deutschland derzeit voll im Trend. Die Bikeschule Sauerland kann nach dem Lockdown davon aber noch nicht wieder profitieren.

„Das Fahrrad boomt in der Corona-Zeit. Doch die Leute kommen bei uns nicht an“, sagt Maik Wiesegart.

Der Geschäftsführer der Bikeschule Sauerland erklärt: „Wir liegen momentan bei einer Kundenanzahl in Höhe von 40 Prozent im Vergleich zur Vor-Pandemie-Zeit.“

Gleichwohl kann Wiesegart dem Trend etwas Positives abgewinnen: „Es ist natürlich trotzdem gut, dass mehr Menschen Radfahren – zum einen für uns alle und für das Klima, zum anderen für die Gesundheit des Einzelnen.“ Bezogen auf sein Unternehmen stellt er allerdings nüchtern fest: „Wir müssen halt nach wie vor Durchhalten.“ Der Neuenrader zuckt mit den Schultern und sagt: „2020 war schlimm. Doch dieses Jahr ist nun wirklich eine Katastrophe.“

Gäste von außerhalb fehlen

Warum scheinbar paradoxerweise seine Kundschaft ausbleibt, erklärt sich der Sänger der bekannten heimischen Coverband Entspannungsminister so: „Wir haben sonst viele Gäste von außerhalb. Und die konnten ja zwischendurch nirgends übernachten, da die Hotels keine Privatgäste berherbergen durften.“

Maik Wiesegart, Geschäftsführer der Neuenrader Bikeschule Sauerland.

Einen zweiten möglichen Grund benennt er ebenfalls: „Bei den längeren Kursen brauchen die Teilnehmer nicht nur eine Unterkunft, ich verpflege sie ja zudem.“ Wiesegart holt tief Luft. „Doch wie sollte ich das denn machen? Das war fast unmöglich zu planen – bei den ständig wechselnden Hygieneauflagen. Unwirtschaftlich wird es aufgrund der Zusatzkosten dann auch schnell.“

Noch viele Gutscheine in Umlauf

Wiesegart erläutert: „Für die Kurse im Sommer, mache ich ja ab Herbst des Vorjahres Werbung. Doch alles Geld, was ich ins Marketing im Winter 2019/20 gesteckt habe, ist weg.“ Diejenigen, die seinerzeit bereits etwas bei ihm und seiner Geschäftspartnerin und Ehefrau Anja Dransfeld gebucht hatten, erhielten Gutscheine. „Jetzt sind noch 130 davon in Umlauf, die irgendwann wohl eingelöst werden.“ Doch Einnahmen sind damit keine mehr verbunden.

Angesichts des Einbruchs bei seinen Kursteilnehmer-Zahlen wird Wiesegart sarkastisch: „Die Schule ist für mich derzeit ohnehin kaum noch Beruf und mehr ein Hobby.“ Und da er nicht absehen könne, wie sich die Pandemie-Lage entwickelt, „plane und bewerbe ich augenblicklich nichts“. Er winkt ab.

Elf Millionen Deutsche haben ein Mountainbike

„Dennoch: Es fahren so viele Räder herum, wie nie zuvor. Allein elf Millionen Deutsche haben ein Mountainbike. Davon gibt es also mehr als aktive Fußballspieler in Deutschland“, stellt Wiesegart einen beeindruckenden Vergleich auf im Land, welches nach wie vor als fußballverrückt gilt.

Auch für Kinder und Jugendliche bietet die Bikeschule Sauerland Kurse an.

Der Bikeschule-Betreiber sieht, wie eine Branche ins Stocken gerät: „Die Fahrradhersteller sind völlig am Limit. Manche Leute warten derzeit vergebens auf ein Rad.“ Damit jedoch noch nicht genug: „Dazu kommt ein arges Problem mit den Ersatzteillieferungen. Die simpelsten Sachen sind momentan einfach nicht da.“

Zwei-Drittel kommen mit dem E-Bike

Freizeitradler oder traditionelle Hollandrad-Nutzer seien nicht seine Klientel, benennt Wiesegart seinen Kundenstamm: „Bei uns geht es eindeutig hinein ins Sportliche und klar abseits von der Straße.“ Als die Bikeschule Sauerland eröffnet wurde, hieß das: Alle Kursteilnehmer nutzen ein Mountainbike. „Heute sind es nur noch zu einem Drittel Mountainbiker. Zwei Drittel kommen mit dem E-Bike.“

Wiesegart weiß um die Vorurteile gegenüber E-Bikes. Doch auch mit Motorunterstützung könne eine Berg- und Talfahrt sehr anstrengend sein. Gleichwohl habe diese Entwicklung dazu geführt, dass immer mehr Frauen aufs Rad steigen. Bei den klassischen Mountainbikern seien es immer noch überwiegend Männer. „Beim E-Bike halten sich beide Geschlechter allerdings fast die Waage. Etwa 40 Prozent sind dort heute schon weiblich.“ Wiesegart schmunzelt breit, überlegt kurz – und spricht seinen Gedanken dann doch noch laut aus: „Das führt bei manchem meiner Kunden zu einer handfesten Ehekrise.“

Kunden sind „Menschen mittleren Alters“

Kurz grübelt er, dann skizziert er seine Mountainbike-Kunden als „Menschen mittleren Alters“. Der Frontmann der Entspannungsminister weiß: „Die Jungen glauben ja, sie könnten ohnehin alles auch so – und oft stimmt das ja auch.“ Der Geschäftsführer der Bikeschule ergänzt: „Der E-Biker ist im Vergleich zum Mountainbiker einen Tacken älter und kommt mehr aus höheren Einkommensklassen.“ Er nickt sich selbst zu und erklärt: „Ein vernünftiges E-Bike kostet ja auch schnell 4 000 bis 5 000 Euro.“

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