Quilling: Sabine Gappel macht Kunst aus Papierschnipseln

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Quilling ist filigrane Handarbeit.

Neuenrade - Ihr meist geliebtes Hilfsmittel: Zahnstocher. Denn Sabine Gappel macht aus Papierschnipseln Kunst. Indem sie Schnipsel rollt, knickt und verklebt, erschafft sie Figuren aller Art, Sterne und Mobiles – Grenzen gibt es dabei keine für sie.

Die Kunst mit Papierschnipseln hat einen Namen: Quilling. Es sieht kompliziert aus, hört sich auch so an, aber alles was benötigt wird seien Ruhe und Konzentration. Wer sie nicht hat, bekommt sie beim Quillen. 

Sabine Gappel ist Mitglied im Kreativkreis Neuenrade und Teil der Kreativwerkstatt. Jeden Mittwoch ist sie in der Werkstatt, führt Quilling vor und bietet mittlerweile Kurse für das Papierhandwerk an. 

Leidenschaft begann in einer aufgewühlten Zeit

Aber jeder, der ein Handwerk beherrscht, fing mal klein an und hat vor allem eine Geschichte. Und wie so oft, begann die kreative Leidenschaft auch bei Gappel inmitten einer aufgewühlten Zeit. 

Seit fünf Jahren betreibt Sabine Gappel Quilling und bastelt aus Papierschnipseln kleine Kunstwerke.

Betrogen und Verlassen vom Ehemann und Vater ihrer drei Kinder, nahm sie 30 Kilogramm ab und wusste nicht mehr wohin mit ihren Gedanken und Gefühlen. „Nach solchen Erlebnissen verliert man das Vertrauen in jeden Menschen“, erzählte sie. Als ihre Tochter aus einem Urlaub zurückkam, erklärte sie ihrer Mutter, wie man Fröbelsterne bastelt. Als Gappel merkte, wie sie beim Basteln der Sterne ruhiger wurde, hörte sie nicht mehr auf damit. 

Sterne in der Größe eines Centstücks 

Stattdessen ging sie in jedes Extrem. „Ich faltete dann Fröbelsterne, die so klein wie ein Centstück waren, aber auch einen riesigen aus einer ganzen Rolle Geschenkpapier“, erzählte die Neuenraderin. „Meine Kinder hielten mich für verrückt“, sagte sie lachend. 

Gappel hat dabei gelernt, dass sie am besten ist, wenn sie am aufgewühltesten ist. „Das Quilling ist meine persönliche Therapie“, erklärte Gappel. 

Beim Quilling kommt alles zusammen. Viele verschiedene Variationen, die nicht nur gefaltet, sondern auch gerollt werden müssen. Einzelne Streifen, die von 1,5 Millimeter bis zu fünf Zentimeter breit und 50 Zentimeter lang sind, werden durch rollen geformt und dann auf Schablonen mit Nadeln befestigt und verklebt. Dabei ist Gappel perfektionistisch: „Nirgendwo dürfen Klebereste oder Knicke sein. Da bin ich ganz pingelig“, sagte sie. 

"Nichts ist sofort perfekt"

Selbst Schnäbel von Vögeln oder kleine Streublumen für Tischdekorationen formt sie mittlerweile ohne Schwierigkeiten. Denn Gappel macht Quilling jetzt seit fünf Jahren. „Natürlich erfordert es Übung. Das sage ich auch immer meinen Kursteilnehmern. Nichts ist sofort perfekt“, erklärte sie. 

Neben dem Basteln als Hobby ist Gappel gelernte Bekleidungstechnikerin. Das Nähen sei ihre weitere große Leidenschaft. Besonders ehrte es sie, dass sie die Hochzeitskleider ihrer Nichten nähen durfte. „Sie dann in diesen Kleidern zu sehen, hat mich richtig glücklich gemacht“, erinnerte sich Gappel. 

Und so ist die Neuenraderin mittlerweile längst sicher, ihre Bestimmung gefunden zu haben – in der Näh- und Papiertechnik gleichermaßen.

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