Prügelattacke: Eine dicke Narbe bleibt

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Justitia befasste sich mit gefährlicher Körperverletzung

Neuenrade - Eine Prügelattacke zur Gertrüdchenzeit hatte jetzt ein juristisches Nachspiel.

Äußern wollte sich ein 33-jähriger Neuenrader im Amtsgericht Altena nicht zu den Vorwürfen. Doch er gab eine sehr gefährliche Körperverletzung indirekt zu, als er sich nach einigen Überredungsbemühungen schließlich dazu bereit erklärte, 5000 Euro Schmerzensgeld an den von ihm schwer verletzten 30-Jährigen zu zahlen.

Es war Gertrüdchenzeit, und es herrschte noch tiefe Nacht in der fünften Stunde des 14. März 2015. Ein 30-jähriger Elektroinstallateur machte sich einen schönen Abend mit ein paar Bierchen und wechselte von der Ahornklause in die Kneipe „Zur Altstadt“, um sich von dort aus ein Taxi zu bestellen. Vor dem Lokal begegnete er dem offenbar stark alkoholisierten Angeklagten, an dessen Worte er sich noch sehr deutlich erinnerte: „Was willst du? Ich hau dir was auf’s Maul. Ich habe richtig Lust, mich zu prügeln.“

Der Zeuge bestellte sich sein Taxi und lief durch die Altstadt. An der Zweiten Straße stellte ihn der Angeklagte erneut. Der Zeuge verspürte kurz darauf einen „Knall wie eine Explosion“ an seiner linken Schläfe. Blut spritzte heraus. Um nicht noch weiter verprügelt zu werden, versteckte er sich hinter einer Mülltonne. Die Begleitmusik zu dieser verzweifelten Situation lieferte die Nachbarschaft: „Vor der ‘Altstadt’ haben sich mehrere Leute geprügelt.“

Erst als der Zeuge gegen die Tür eines Bekannten schlug, machte der schläfrige Mann auf. Er versuchte entsetzt, die Blutung der großen Schnittwunde zu stillen, bis der Rettungswagen kam. Aber selbst die Profis konnten die Blutung kaum stillen. Es folgten „zwei/drei Tage“ Behandlung im Krankenhaus und eine zweiwöchige Krankschreibung. Dass es bei dem Schlag gegen seine Schläfe einen lauten Knall gegeben hatte, brachte der Zeuge zusammen mit den Splittern eines Longdrinkglases, die er später am Tatort aufsammelte. „Niemand interessierte sich dafür.“ Die Folgen des tiefen Schnittes bis auf den Knochen waren eine Narbe, deren Ausmaß der 30-Jährige geringfügig übertrieb: „Ich sehe aus wie Frankenstein.“

Die äußerst klare und in sich stimmige Aussage des Zeugen, der den Täter persönlich gut kannte, hätte sicherlich ausgereicht für eine förmliche Verurteilung. Richter Dirk Reckschmidt wählte jedoch einen Weg, der eine magere Wiedergutmachung für das Opfer beinhaltete: Das Strafverfahren wird nach Zahlung der Hälfte des Schmerzensgeldes endgültig eingestellt. Sollte der Angeklagte die gesamten 5000 Euro innerhalb weiterer sechs Monate zahlen, werden ihm tausend Euro von der ansonsten fälligen Summe von 6000 Euro erlassen.

Damit sind allerdings nur die Ansprüche des Opfers abgegolten. Nicht entschieden wurde über die Ansprüche, die auf Sozialversicherungsträger, also vor allem die Krankenversicherung, und weitere „Dritte“ übergegangen sind.

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