Ermittlungen abgeschlossen

Prozess um Tötungsdelikt in Neuenrade beginnt bald

Die Kräfte der Spurensicherung waren am Tattag in der Wohnung im Einsatz, um zu dokumentieren, was dort passiert ist. Mittlerweile sind die Ermittlungen abgeschlossen und die Anklageschrift steht.
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Die Kräfte der Spurensicherung waren am Tattag in der Wohnung im Einsatz, um zu dokumentieren, was dort passiert ist. Mittlerweile sind die Ermittlungen abgeschlossen und die Anklageschrift steht.

Vier Monate nach dem Tötungsdelikt in Neuenrade sind die Ermittlungen abgeschlossen, die Staatsanwaltschaft hat nun Anklage erhoben. Der Prozess soll schon bald beginnen.

Neuenrade – Die beiden Kinder, ein Junge und ein Mädchen, sind noch zu jung, um zu verstehen, was an diesem Tag im März passiert ist. Sie leben nun in einer Pflegefamilie. Irgendwann werden sie aber Fragen stellen. Denn sie müssen ohne ihre Mutter auskommen und sicher auch ohne Vater.

Die 24-jährige Mutter starb am 19. März – durch ihren 23-jährigen Ex-Mann. Der sitzt seitdem in Untersuchungshaft, ist nun wegen Totschlags angeklagt und muss sich im September vor dem Hagener Schwurgericht verantworten. Die Anklageschrift steht, das Verfahren wird am 6. September eröffnet, zunächst sind acht Verhandlungstage vorgesehen, die sich auf gut drei Wochen verteilen.

Durch die Anklage werden nun viele Details bekannt, die bislang aus ermittlungstaktischen Gründen und um Täterwissen nicht zu verbreiten, unter der Decke gehalten wurden. Demnach lebte das aus Nigeria stammende Paar schon lange getrennt, kümmerte sich aber gemeinsam um die beiden Kinder. Am Tattag hatte der Angeklagte wohl die Kinder mittags in der Kita abgeholt und in die Wohnung seiner Ex-Frau gebracht. Dort, in den Räumen an der Bahnhofstraße, kam es dann zu einem Streit. Dabei ging es wohl um die Erziehung der Kinder.

Im Verlauf des Streits soll es zu einem Gerangel mit einem Messer gekommen sein, das der Mann in der Wohnung gegriffen hatte. Laut Anklageschrift stach er auf die 24-Jährige ein und verletzte die junge Mutter im Gesicht. Tödlich soll dieser Stich allerdings nicht gewesen sein. Das war die „komprimierende Einwirkung gegen den Hals“, wie Marcus Teich, Pressesprecher und zugleich Vorsitzender Richter am Landgericht Hagen, auf Anfrage der Redaktion mitteilte. „Daraufhin ist die Frau verstorben.“ Die Anklage geht davon aus, dass die Frau erstickt ist. Der mutmaßliche Täter wurde bei dem Handgemenge selbst verletzt und musste medizinisch versorgt werden. Zuvor hatte er um 15.55 Uhr selbst den Notruf gewählt und damit einen Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften in Neuenrade ausgelöst.

Während des Streits und der Tötung der Frau sollen die Kinder geschlafen haben, sodass sie von dem Familiendrama, das sich nur wenige Meter von ihnen entfernt abspielte, nichts mitbekommen hätten. Die Rettungskräfte fanden das Mädchen, damals zwei Jahre alt, und den ein Jahr älteren Jungen friedlich schlafend in ihren Betten.

Ein Geständnis liegt offenbar nicht vor. Die Anklage fuße auch auf dem, was der mutmaßliche Täter gegenüber den Einsatzkräften und beim Notruf von sich gegeben habe, berichtete Marcus Teich. Dabei habe er wohl seine Verantwortung für den Tod der Frau eingeräumt, so formulierte es der Pressesprecher. „Die Anklage der Staatsanwaltschaft beschränkt sich auf Totschlag, weil nach Ansicht der Ermittler kein Mordmerkmal erfüllt worden ist“, sagte Teich. Zu den Mordmerkmalen zählen zum Beispiel Heimtücke oder niedrige Beweggründe.

Pro Jahr kommen im Beritt des Landgerichtsbezirks Hagen, der sich von Hagen über Plettenberg Lüdenscheid, Meinerzhagen, Werdohl, Neuenrade, Iserlohn und Schwerte bis Schwelm erstreckt, „grob geschätzt“ zwischen drei und fünf vollendete Tötungsdelikte vor. Zähle man versuchte Tötungsdelikte hinzu, so komme man wohl auf 15 Schwurgerichtsprozesse pro Jahr, die sich mit dieser Art Verbrechen befassen.

Sowohl Opfer als auch Täter sind nigerianische Staatsbürger. Welchen Status nun die beiden Halbwaisen haben ist nicht klar. Das Jugendamt hat die Vormundschaft über die Kinder übernommen. Bis zum Abschluss des gesamten Verfahrens passiere nichts. Ob es Verwandtschaft gebe, wisse man nicht, hieß es vom Märkischen Kreis.

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