Prozess um Überfall auf Neuenrader Getränkemarkt

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Symbolbild

Neuenrade - Wegen des Überfalls auf einen Getränkemarkt im vergangenen Jahr in Neuenrade mussten sich am Montag drei Männer vor dem Landgericht in Hagen verantworten.

Mit umfassenden Geständnissen begann Montag im Landgericht Hagen das Strafverfahren gegen drei Angeklagte, die am 7. März 2015, kurz vor der Schließung, einen Getränkemarkt an der Werdohler Straße in Neuenrade überfielen und knapp 400 Euro erbeuteten. Aus Hagen und Hemer stammen die beiden 22-jährigen und ein 20-jähriger Täter, von denen zwei in den Getränkemarkt eindrangen und den Kassierer bedrohten.

Nein, die Luftdruckpistole sei nicht geladen gewesen, versicherten sie und widersprachen damit der Anklage, die zunächst vom schlimmstmöglichen Fall ausgegangen war. Für den betroffenen Mitarbeiter des Marktes muss die Situation schlimm gewesen sein: Nachdem er den Tätern zunächst nur die Kassenschublade mit dem Hartgeld übergeben hatte, soll ihn der Mann mit der Pistole massiv unter Druck gesetzt haben, auch die Scheine zu übergeben: „Ich zähle jetzt bis zehn – dann sagst du mir, wo das Geld ist!“ Ein Schlag mit der Pistole, der allerdings das Opfer nicht traf, soll die Forderung unterstrichen haben. „Ich habe das nicht gemacht, weil ich ihn verletzen wollte“, beteuerte der Mann mit der Pistole. Ja, er habe das Opfer mit diesem Schlag ins Leere antreiben wollen. Die Anklage wirft ihm neben dem Raub auch eine versuchte gefährliche Körperverletzung vor.

Mit der Beute rannten die beiden Räuber anschließend zu ihrem Fluchtfahrzeug, in dem ihr Komplize wartete. Auch er legte vor Gericht ein Geständnis ab und gab zu, dass er der Ideengeber zu dem Überfall gewesen war. Aufhorchen ließ der Hinweis, dass er den Tipp zu dem Überfall von seinem Onkel bekommen habe. Dieser arbeite im „Security-Bereich“ und habe von guten Umsätzen des Getränkemarktes berichtet. Mit der Beute von 400 Euro blieb der Ertrag allerdings weit hinter den Erwartungen zurück. Meistens ist die Sucht der Vater des Gedankens an derart idiotische Raubüberfälle. Nicht so bei diesen drei Angeklagten: Keiner von ihnen berichtete von einem Drogenproblem.

Er konsumiere nur gelegentlich Marihuana, sagte jener Angeklagte, bei dem die Polizei eine kleine Menge des Rauschgifts sichergestellt hatte. Wie kommen drei junge Leute, die sich in einem Wettbüro in Hagen kennengelernt haben, auf die Idee, ausgerechnet einen Getränkemarkt in Neuenrade zu überfallen? „Wir haben überlegt, wie wir zu Geld kommen können“, sagte der 20-Jährige. „Geldprobleme, Schulden – es war eine dumme Idee“, ging einer der 22-Jährigen einen Schritt weiter.

„Warum haben Sie mitgemacht?“, wollte der Vorsitzende Richter Marcus Teich vom dritten Angeklagten wissen, und der deutete ein großes Staunen über sich selber an: „Ich weiß auch nicht warum. Ich habe keine großen persönlichen Probleme. Ich kann mir das nicht erklären – es war einfach nur Dummheit.“ Der Prozess wird am 16. März ab neun Uhr im Landgericht Hagen fortgesetzt.

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