Zoophilie

Täter verurteilt: 62-Jähriger bindet Kalb an und vergewaltigt es

Kuh und Kalb auf der Wiese in Brandenburg
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Gleich zwei Mal brach der Angeklagte in einen Stall ein und vergewaltigte dort ein Kalb. (Symbolbild)

Eine extrem seltene und seltsame sexuelle Verirrung hat das Amtsgericht Altena beschäftigt. Wider Erwarten erschien der 62-jährige Angeklagte sogar persönlich, er hätte auch einen Strafbefehl akzeptieren können.

Neuenrade/Lüdenscheid - Die Anklage warf dem 62-jährigen Mann Tierquälerei und Hausfriedensbruch vor. Viel wollte der Lüdenscheider nicht dazu sagen. Er gab zu, dass die Anklage zutreffend sei.

StadtNeuenrade
Einwohner11.772 (2020)
Größe54,12 km²

Täter verurteilt: 62-Jähriger bindet Kalb an und vergewaltigt es

Demnach drang er im Dezember 2020 zwei Mal in einen Kuhstall in Neuenrade ein und vergewaltigte ein Kalb, das er zuvor mit einem Strick an einer „Stahlkonstruktion“ befestigt hatte. An einem Tier waren Verletzungen nachgewiesen worden. Mindestens ein Kälbchen wurde zweifellos durch die Ohrmarkennummer identifiziert.

Die Anklage bot starke Worte auf, die das Treiben des Angeklagten geißelten: Dieser habe aus einer „gefühllosen, das fremde Leiden missachtenden Gesinnung“ gehandelt. „Die Tiere konnten ihren Willen nicht äußern und sich nicht wehren.“

Täter verurteilt: Beweise gegen 62-jährigen Angeklagten

Richter Dirk Reckschmidt zeigte die Grenzen des Strafverfahrens auf: „Das Kalb kann ich nicht laden.“ Es gab aber reiches Beweismaterial, da Zeugen auf dem Hof Verdacht geschöpft und eine Videokamera installiert hatten. Fotos aus dem Video lagen dem Gericht vor und belasteten den Mann eindeutig. Einen Dildo und eine Gleitcremetube, die man bei dem Angeklagten fand, wurden eingezogen.

Schwieriger war die Beantwortung der Frage, wie es zu einem derart abnormen Verhalten kommen konnte. Über ein ratloses „Wie kann ich das erklären?“ kam er nicht hinaus. Vorstrafen hatte er nicht. Allerdings war er auf anderen Gebieten – vom unerlaubten Besitz einer halbautomatischen Waffe bis zum schweren Diebstahl – tätig gewesen. Letztlich akzeptierte er eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Bei der Strafzumessung gab es kein „übliches“ Maß. „So etwas ist mir hier zum ersten Mal untergekommen“, erklärte der Richter. Auch er war ratlos bezüglich dieses derart merkwürdigen Treibens: „Da fällt mir nicht viel zu ein.“

Tierschutzgesetz stellt erst seit 2013 Sex mit Tieren unter Strafe

Zoophilie, umgangssprachlich unter dem Begriff „Sodomie“ bekannt, bezeichnet den sexuellen Umgang mit Tieren. Dazu gehören alle Arten von sexuellen Handlungen, ob mit oder ohne Penetration oder Orgasmus. Offiziell wird Zoophilie den Paraphilien zugeordnet – also den sexuellen Neigungen, die von der Norm abweichen, wie beispielsweise Pädophilie. Sex mit Tieren stellt einen Missbrauch der Geschöpfe dar und ist eine Form der Tierquälerei.

In Deutschland herrschte über 40 Jahre lang ein gesetzgeberisches Vakuum. 1969 wurde der § 175b aus dem Strafgesetzbuch gelöscht, wodurch Sodomie straflos gestellt, also quasi erlaubt wurde. Erst wenn die Grenze der Erheblichkeit, welche in § 17 des Tierschutzgesetzes festgehalten wird, überschritten wurde, wurden sexuelle Handlungen mit Tieren bestraft.

Als das deutsche Tierschutzgesetz 2013 geändert wurde, war die Bundesregierung zunächst nicht bereit, einen Verbotsanspruch aufzunehmen. Erst durch massiven Druck der Tierrechts- und Tierschutzorganisationen und letztlich über den Bundesrat wurde Zoophilie als Ordnungswidrigkeit in das Tierschutzgesetz aufgenommen.

§ 3 Nr. 13 des deutschen Tierschutzgesetzes lautet: „Es ist verboten, ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwingen. Über § 18 Nr. 4 des Tierschutzgesetzes ist ein Verstoß mit einer Geldbuße bis zu 25 000 Euro sanktioniert.“

Auch in anderen Städten sind solche Taten bereits aufgefallen: Unbekannte Täter hatten in der Nacht auf der Anlage eines Reitvereins zwei Stuten vergewaltigt. Es konnten eindeutige Spuren festgestellt werden.

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