Angeklagter bestreitet sexuelle Belästigung eines Kindes

Symbolfoto

Neuenrade -  Einen Neustart gab es am Donnerstag im Strafverfahren gegen einen 56-jährigen Neuenrader, dem die Staatsanwaltschaft sexuelle Belästigung eines Kindes vorwirft. Der Mann bestritt die Taten, die sich zwischen Oktober 2011 und Februar 2012 in Neuenrade zugetragen haben sollen, erneut.

Zwar würde er der mittlerweile Elfjährigen gerne „ersparen, hier irgendwelchen Klamauk zu erzählen“, versicherte der Angeklagte. Er sei aber nicht bereit, etwas zu gestehen, „was ich nicht gemacht habe. Die Vorwürfe sind falsch“. „Woher sollen die Vorwürfe dann kommen?“, wollte Richter Dirk Reckschmidt wissen – zumal das Mädchen dann „ein komplettes Lügengeflecht über Wochen und Monate“ hätte durchhalten müssen. „Von der Mutter“, versicherte der Angeklagte.

Die so einer massiven Manipulation Bezichtigte erzählte noch einmal die Geschichte ihrer Bekanntschaft mit dem Angeklagten. Schon beim Umzug nach Neuenrade habe er ihr geholfen, und bald sei es in der Wohnung zu dem gekommen, was der Richter ein „Bratkartoffelverhältnis“ nannte. Weil die Kindsmutter berufstätig war, kam es ihr sehr entgegen, dass der Mitbewohner regelmäßig auf ihre Tochter aufpasste. Zunächst hätten die Beiden sich sehr gut verstanden, erinnerte sich die Mutter. „Er ging morgens zur Arbeit, und wenn er abends nach Hause kam, hat meine Tochter ihn immer herzlich begrüßt.“ Erst als das Zweckbündnis auseinanderbrach, habe das Kind sich ihr anvertraut und sie mit einem Satz überrascht: „Mama, ich bin froh, dass der weg ist.“ Unsittlich berührt habe er sie, erzählte das Mädchen. Und einmal habe er ihr ein Messer in der Küche gezeigt und gedroht: „Wenn du irgendetwas sagst, dann mache ich deine Mama tot.“ Die Mutter war bestürzt und aufgebracht: „Ich weiß nur, dass ich total wütend war – so wütend, dass ich ihn am liebsten umgebracht hätte.“

Entlastung für den Angeklagten kam von einer Cousine der Kindsmutter. Sie distanzierte sich von einer früheren Aussage bei der Polizei, in der sie die sexuelle Belästigung für möglich gehalten hatte und kritisierte die Erziehungsmethoden der alleinerziehenden Mutter. Die Zeugin wunderte sich zudem, dass die Mutter ihre Tochter nach dem Geständnis wiederholt aufforderte, anderen gegenüber von dem Geschehen zu berichten oder sogar darzustellen, wie sich der Angeklagte verhalten haben sollte. „Ich glaube, dass sie ihr sagt, was sie sagen soll“, bestätigte die Zeugin die Behauptungen des Angeklagten über die „angebliche Missbrauchsgeschichte“.

Letzte Station vor der Vernehmung der Elfjährigen war die Befragung zweier Psychologen, die das Kind behandelt hatten. Sie hielten die wenigen Andeutungen, die ihre kleine Patientin gemacht hatte, für glaubwürdig. Die Elfjährige machte ihre Aussage schließlich nur vor einem engeren Kreis der Prozessbeteiligten. Auch der Angeklagte wohnte ihrer Vernehmung nicht bei, um das Kind nicht zusätzlich zu belasten. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.. - Von Thomas Krumm

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