Prozess: 41-Jährige rastet im Jobcenter Neuenrade aus

NEUENRADE ▪ Verloren im Behördendschungel fühlte sich scheinbar eine 41-jährige Arbeitslose. Nachdem sie sich von mehreren Sachbearbeitern missverstanden und schlecht behandelt fühlte, platzte ihr der Kragen und sie stieß bei einem Gesprächstermin wüste Drohungen aus. Wegen dieses Vorwurfs saß sie Dienstagmorgen auf der Anklagebank des Amtsgerichts Altena.

Die 41-Jährige war gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Sohn im März des vergangenen Jahres in das Jobcenter in Neuenrade gekommen, um für ihren arbeitslosen Sohn eine Ausbildungsstelle zu suchen. Kurz zuvor war die 41-Jährige von Werdohl nach Neuenrade gezogen, war nach eigener Schilderung schon bei der Ummeldung in die Mühlen der Verwaltung geraten und entsprechend geladen. Beim Gespräch mit einer Sachbearbeiterin im Jobcenter fühlte sie sich unverstanden: „Ich wollte nur Hilfe bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Die Angestellte wollte mir aber einen Antrag auf Hartz IV geben. Sie hat mich ständig unterbrochen – das hat mich so aufgeregt, da bin ich laut geworden“, versuchte die ansonsten sehr ruhig wirkende 41-Jährige sich gestern zu rechtfertigen. Sie war im Jobcenter so laut geworden, dass besorgte Kollegen der Sachbearbeiterin nach dem Rechten sahen. „Sie war schon aufgebracht, als sie mein Büro betreten hat, da sie wohl mit einem Sachbearbeiter in Werdohl Ärger hatte. Ich habe versucht, sie zu beruhigen. Aber das Gespräch eskalierte immer mehr“, berichtete die Sachbearbeiterin im Zeugenstand.

Richtig wütend sei die Frau geworden, als sie erfuhr, dass sie mit neuen Unterlagen noch einmal nach Werdohl müsse. „Warum gibt es in Neuenrade so eine Stelle, wenn ich dann doch wieder nach Werdohl fahren muss?“ beschwerte sie sich auch vor Gericht. Sie soll dann gedroht haben, falls sie wieder nach Werdohl fahren müsse, würde sie das nur mit einem Messer tun, um den dortigen Sachbearbeiter „abzustechen“. „Die Drohung war nicht gegen mich gerichtet. Aber als bedrohlich habe ich das schon empfunden“, erklärte die Zeugin die damalige Situation weiter. Allerdings richtete sich die Bedrohung nicht unmittelbar gegen sie und aus diesem Grund fehlte der Anklage die Rechtsgrundlage. Die Werdohlerin wurde freigesprochen, gab aber zu, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung gewesen sei und entschuldigte sich bei der Zeugin.

„Strafbar haben Sie sich in diesem Fall nicht gemacht. Ich kann ihnen aber nur dringend anraten, Hände, Füße und Zunge still zu halten. Wenn sie die Zeugin direkt bedroht hätten, hätte es durchaus eng werden können“, gab Richter Dirk Reckschmidt der erleichterten Werdohlerin bezüglich ihres aufbrausenden Temperaments zu bedenken. ▪ gran

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