Rühaak und Sartorius begeistern Publikum

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Rühaak und Sartorius haben eine enorme Bühnenpräsenz. ▪

NEUENRADE ▪ Liebes T räume – das ist tatsächlich eine Darstellung von gefühlvollem Raum und Traum. Die Schauspieler Siemen Rühaak und Margrit Sartorius-Rühaak begeistern am Samstagabend das Neuenrader Publikum mit einer Mischung aus Theater, Musik und Literatur: das heißt Tanzen, Singen und Rezitieren in Reinform. Auch das Publikum animieren sie zum Mitmachen; zögerlich lassen sich die Neuenrader auf dieses Experiment ein.

„Ihr seid sehr zart“, kommentiert Rühaak trocken. Als „musikalisch-szenische Forschungsreise durch viele Räume der Liebe“ bezeichnen sie selbst ihre Aufführung, und im Kaisergarten gelingt es ihnen abermals, das Publikum auf eben diese Reise mitzunehmen.

Etwas seltsam scheint es den Sauerländern schon anzumuten: während der Aufführung sind alle Darsteller barfuß, leben das, was sie da auf der Bühne tun exzessiv und ohne Hemmungen; vom 100-Sockensong zum wissenschaftlichen Exkurs über das Herz. „Das Herz ... ist ein Muskel, der wie eine Pumpe arbeitet. Ziemlich hässlich“, lässt Margrit Sartorius-Rühaak während der Show verlauten. Alle Programmpunkte gehen fließend ineinander über, und auch wenn das teilweise zusammenhanglos wirkt, ist der rote Faden eindeutig die Liebe.

„Sie werden mit dem Publikum geteilt – Freude, Schmerz, Lachen Weinen“, begrüßt Josef Brockhagen, Vorsitzender des Neuenrader Kulturausschusses, den nahezu vollbesetzten Saal. Er hoffe, dass sich die Aufführung ins Herz brenne.

Gemeinsam mit Percussionist Maximilian Thomae und Musiker Robert Stöckle, der den Abend mit Klängen von Klavier und Gitarre zu bereichern weiß, starten Rühaak und Sartorius ihren Auftritt mit einem Gedicht. Von „Woher sind wir geboren? Aus Lieb. Wie wären wir verloren? Ohn Lieb“ bis hin zu „Was lässt nicht lange weinen? Die Lieb. Was soll uns stets vereinen? Die Lieb“ beleuchtet Johann Wolfgang von Goethe in diesen Zeilen alle Stationen der Liebe.

Aber auch eigene Texte, Kompositionen und Lieder bringt das Paar mit. Alle Sinne der Zuschauer sollen angesprochen werden, und die Reaktionen fallen völlig unterschiedlich aus: Da ist die jungen Frau in der ersten Reihe, die einfach mit geschlossenen Augen dasitzt und lauscht. Da sind aber auch einige recht skeptisch schauenden Ehegatten, Zuschauer kichern aber auch in sich hinein.

Siemen Rühaak formuliert ein klares Ziel für seine Besucher: „Wir wollen Mut machen, die Liebe zu wagen!“ Die beiden zeigen dabei auch, dass Liebe nicht nur Romantik ist: vom ersten Treffen beim Müll wegwerfen bis hin zur Sinnlichkeit, Lust und Erotik einer Partnerschaft beleuchtet das Paar ebenso den Schmerz von Emotionen. Auch das Liebesleben von Schnecken, Pinguinen und Blaufußtölpeln dient als Schablone, wird ausgeleuchtet und vorgeführt. „Wahnsinn“, beurteilt ein Gast kurz das Geschehen vor ihm: Obsessiv nutzt das Paar die Bühne des „Neuenrader Wohnzimmers“; rund zwei Stunden dauert die Aufführung. Nur einfachste Bühnendekoration wird benötigt: Rosenblätter, ein Stuhl, ein Klavier und ein Schlagzeug genügen, um in das Geschehen einzutauchen. Rühaak und Sartorius verabschieden sich mit mehreren „Ich liebe dich“ – in verschiedenen Sprachen.

Den Zuschauern ist anzusehen, dass das Gesehene nachwirkt: „Wie aus jeder neuen Blüte, wie ein Traum, die Frucht entsteht, damit Lachen, Leben, Lieben lustvoll immer weiter geht…“ sagt das Ehepaar während der Aufführung und fasst damit die meisten Aspekte der Liebe zusammen. Dass hier immer zwei Seiten einer Medaille beleuchtet werden, zeigt der zynische Teil ihres Programms: „Wenn du dich ändern würdest, wäre alles gut!“ ▪ Annette Kemper

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