Priestermangel, Politik und der Papst

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Pastor Dr. Peter Fabritz stand bei der ersten Talkrunde auf dem Rosa Sofa Rede und Antwort. Die Moderation im Kulturschuppen übernahm Ludger Heitmann (rechts). ▪

NEUENRADE ▪ Der erste Talk-abend auf dem Rosa Sofa fand am Mittwochabend mit Pastor Dr. Peter Fabritz im Kulturschuppen statt.

Bei vollem Haus, einer urigen Atmosphäre und viel Charme sowie Wortwitz, wurde über geistliche- und weltliche Themen gesprochen. Ludger Heitmann von der Abteilung Literatur und Kleinkunst, fungierte als Moderator. Sowohl Zuschauerfragen wie auch vorbereitete Fragen, wurden an Fabritz gerichtet.

„Der Applaus war gerade sehr herzlich, wollen Sie da wirklich noch Neuenrade verlassen?“, war gleich die erste Frage von Heitmann. Doch der Pastor sagte, dass er sich sicher sei, obwohl er viele Menschen vermissen werde.

In Oberhausen nimmt Fabritz eine neue Position als Pfarrer an. Bereits bei den ersten Besuchen in der neuen Gemeinde sei ihm aufgefallen, dass man selbst als Geistlicher in einer großen Stadt anonym ist.

„In Neuenrade treffe ich, nachdem ich die Haustür verlassen habe, nach mindestens 30 Metern auf jemanden der mich grüßt oder mit mir reden will“, erklärte Fabritz schmunzelnd.

Seine größten Momente die er in Neuenrade erleben durfte, waren für ihn die Feier der Sakramente, die Pfarrfeste oder wenn jemand nach zehn Jahren wieder zur Beichte kam.

Seinen schwersten Moment erlebte er erst in der vergangenen Woche bei der Beerdigung eines jungen Menschen. Auf die Zuschauerfrage, ob er es bereue Pastor geworden zu sein, erklärte Fabritz: „Ich würde es trotz schwerer Momente immer wieder tun.“

Auch die besondere Beziehung die Neuenrade als Mitglied des Bistums Essen zu seinen Dörfern, die zu Paderborn gehören hat, gefiel dem Pastor während seiner Amtszeit sehr. Man würde merken, dass das Bistum Paderborn von uralten Traditionen geprägt sei. Dies wäre auch bei den Dorfbewohnern der Fall.

Frauen nicht ins Priesteramt

Zur Frage, ob er Frauen in der katholischen Kirche als Priesterinnen gutheißen würde, besann sich Fabritz auf die offiziellen katholischen Gesetze. Der Priester stelle in der heiligen Messe Jesus dar, weshalb eine Frau diese Position nicht übernehmen könne. Selbst der Papst wäre nicht dazu im Stande dieses uralte Kirchengesetz zu verändern, erklärte Fabritz.

Doch auch zum aktuellen politischen Geschehen wurde Fabritz von Heitmann befragt. Auf die Frage zum ganzen Trubel um Thilo Sarrazin betonte er: „Ich finde es schrecklich, was sich der Mann da zusammengeschrieben hat“.

Die Reaktion auf das Projekt Stuttgart 21 findet Fabritz jedoch positiv. Er ist der Meinung, dass seit 1949 das Volk den Politikern zu viel überlassen habe. Auch die Neuenrader würde so wie die Menschen in Stuttgart reagieren, wenn es sie direkt betreffen würde, erklärte der Geistliche.

Auch der Priestermangel in Deutschland war ein Thema des Abends. Aufgrund eines Einbruchs des Glaubenslebens in der Familie, würde dieser Mangel mit zu Stande kommen. Doch auch die 68er Bewegung würde dabei mit einer Rolle spielen. Geistliche kämen heute nicht mehr aus erzkatholischen Familien, sondern hätten oft ganz außergewöhnliche Lebensläufe. Wo hingegen in Afrika, Südamerika oder schon in unserem Nachbarland Polen, der Priestermangel gar nicht zu Debatte stände.

Im Übrigen lobte er schon seinen Nachfolger für Neuenrade. Pater Matthias, der auch aus Polen stammt. Er hofft, dass die Neuenrader ihrem neuen Geistlichen aus dem Franziskanerorden freundlich gegenübertreten werden. „Man muss einen Menschen schließlich erst kennenlernen, bevor man über ihn urteilt“, ist seine Devise.

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