1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Neuenrade

Preise verliehen: Das tun Neuenrader Firmen für den Klimaschutz

Erstellt:

Von: Peter von der Beck

Kommentare

Vertreter der Firmen Julius Klinke, Bültmann, Böhm Plast-Technology, Lukra-Pumpen und des Drahtwerks Elisental nahmen die Preise entgegen.
Vertreter der Firmen Julius Klinke, Bültmann, Böhm Plast-Technology, Lukra-Pumpen und des Drahtwerks Elisental nahmen die Preise entgegen. © von der Beck, Peter

Neuenrader Firmen setzen auf Klimaschutz. Fünf von ihnen konnten jetzt ausgezeichnet werden. Das sind ihre Maßnahmen.

Neuenrade – Es waren gleich fünf Firmen, die Bürgermeister Antonius Wiesemann, Klimaschutzmanager Simon Mai und Stadtmarketinggeschäftsführerin Sandra Horny am Dienstagmittag würdigten. Die Preisträger, die Julius Klinke GmbH & Co. KG, das Drahtwerk Elisental, die Bültmann GmbH, die Böhm Plast-Technology GmbH und Lukra-Pumpen e. K. gelten nun als Top-Vorbilder. Sie bringen mit ihren klimaschutztechnischen Maßnahmen nicht nur die eigenen Betriebe nach vorne, sondern tun auch jede Menge für den Umweltschutz.

„Das ist ein wichtiges Thema auch für uns,“ sagte der Bürgermeister und verwies auf die Klima- und Umweltwoche der Stadt Neuenrade, an der sich Bildungseinrichtungen und Vereine beteiligten und bei der es öffentliche Vorträge zum Beispiel zur Plastikvermeidung gab. Insbesondere das Müllsammeln habe in der Kernstadt, aber auch in den Dorfgemeinschaften wie Küntrop oder Affeln eine hohe Akzeptanz. Wiesemann sieht gerade Neuenrade als ein zukunftsorientiertes Gemeinwesen, das durchaus vorangehe. Er verwies auf den Kohlberg-Windpark und die Tatsache, dass gerade der unsägliche Ukraine-Krieg hier die Bedeutung alternativer Energie-Produktion aufzeige. Er freue sich, dass die Firmen mitmachen würden, um Kosten zu sparen aber sicher auch aus dem Gedanken heraus, dass wir „für die Kinder etwas Vernünftiges hinterlassen“. Klimaschutzmanager Mai verwies auf aktuelle Zahlen zur Klimaerwärmung und erste Anzeichen wie Hitzewellen und Starkregen. „Es ist entschlossenes Handeln notwendig.“ Und hier komme den Unternehmen eine wichtige Rolle zu. Die fünf Unternehmen hätten hier ihre Best-Practice-Beispiele. Mai verwies auch auf Ökoprofit, bei dem sich sicher eine Teilnahme lohnen würde. Die Neuenrader Stadtwerke würden zudem daran teilnehmen.

Dass sie schon längst klimafreundlich und nachhaltig unterwegs sind, beweisen die Maßnahmen des Drahtwerk Elisental W. Erdmann GmbH & Co. Die präsentierte Lisa Hanke-Klute vom Marketing des Unternehmens im Beisein von Geschäftsführer Daniel Wingen. Und es ist eine lange Liste, die bei der Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes durch ein Ingenieurbüro beginnt und über die energiesparende Lichttechnik, Öfen mit Lastgangmanagementsystem, Kühlturmsystem, Recycling beim Warenverkehr, großer geplanter Fotovoltaik-Anlagen bis hin zur Sensibilisierung der Mitarbeiter reicht. So sei auch der Mai als Umweltmonat deklariert worden, sagte Hanke-Klute. Mitarbeiter können passende Vorschläge machen, die gegebenenfalls auch prämiert würden.

Auch Firma Julius Klinke ist, was Nachhaltigkeit und Umwelt anbelangt, schon lange damit unterwegs. Da hatte Udo Nattermüller, Betriebsleitung bei Klinke, jede Menge zu berichten. Dabei ging es um betriebswirtschaftliche Aspekte, aber eben auch um eine umweltfreundliche Grundhaltung im Unternehmen, wie er am Rande der Veranstaltung berichtete. Nattermüller verwies zunächst auf den Grünen Daumen des Unternehmens: Das Fabrik-Dach ist schon länger begrünt, jüngst kam eben noch die begrünte Fassade hinzu. Da stecke „überall Leben drin“ und es diene der Wärmedämmung. Auch das Regenwasser werde dadurch in besonderer Weise behandelt.

Zudem setze das Unternehmen schon lange auf Geothermie. Etliche 100 Meter tiefe Löcher gebe es, durch die für Kühlung im Produktionsraum mit dem Maschinenpark gesorgt wird. Der Betriebsleiter verwies zudem auf den 50 Bäume zählenden Laubwald, den Firmenchef Alexander Klinke an der Bahnhofstraße pflanzen ließ, er erwähnte die öffentliche Elektroladesäule und die aus Fotovoltaik gespeiste E-Bike-Station.

Von den Kompressoren in der Firma wird die Abwärme genutzt, damit werden die Sozialräume der 220 Mitarbeiter geheizt und Warmwasser produziert, sogar Teile der Verwaltung werden beheizt. „Wir verzichten komplett auf Gas,“ sagte Nattermüller. Weitere Stichworte in der Firma Klinke: Effektive Wärmerückgewinnung und als Bonmot zum Schluss: „Der Kaffeeautomat wurde nun mit Pappbechern bestückt.“

Bei der Bültmann GmbH erläuterte Firmenchefin Petra Bültmann-Steffin die nachhaltigen Umweltmaßnahmen des Unternehmens: Schon lange ist das Unternehmen dabei in Sachen Fotovoltaik unterwegs, auch das Thema Ökoprofit ist dort nichts Neues. Im Gebäude gibt es überall sensorgesteuerte LED-Beleuchtung, Fassadendämmung, es wird Recyclingpapier genutzt und 300 Quadratmeter Wildblumenwiese für die noch ein Imker gesucht wird, sind auch vorhanden. Die Fotovoltaik-Technik will Bültmann-Steffin ausbauen, sie hat das Thema Solarzäune im Visier, bei dem die Platten senkrecht angebracht werden können und beidseitig Licht in Strom umwandeln können.

Nicht ohne Stolz verwies sie auf besondere nachhaltige Produkte wie den preisgekrönten magnetischen Blockerwärmer (Metallblöcke werden auf Press-Temperatur gebracht) und die Zusammenarbeit mit den Forschungszentren Jülich und Karlsruhe sowie den Einsatz von Supraleitern. Auch engagiert sie sich privat im Verein Hönnetal im Wandel. Sie verwies auf den Zukunftsworkshop „wie wollen wir leben?“

Bei der Böhm Plast Technology GmbH präsentierte Geschäftsführer Dennis Böhm das Vorhaben. Das Unternehmen mit hohem Stromverbrauch profitiert auf besondere Weise von der Fotovoltaik. Böhm arbeitet dabei mit einem Investor zusammen. Durch die besondere Vertragsgestaltung wird ihm nicht nur das Dach saniert und zur Nutzung an den Investor verpachtet: Auch einen günstigen Stromtarif für die Nutzung des Solarstroms der 2600 Quadratmeter großen Dachfläche sicherte sich Böhm. Eine Lösung mit Charme und Nachhaltigkeit, bei der wohl alle Beteiligten profitieren.

Dass auch kleinere Unternehmen vorbildhaft und nachahmenswert handeln, beweist der Inhaber von Lukra Pumpen, Dirk Bröske. LED-Technik wird ohnehin genutzt und der produzierte Solarstrom entspricht etwa dem, was bei Lukra ohnehin an Strom verbraucht wird. Auch das Wärmepumpensystem nutzt er unter anderem, eine weitere Idee hat er in Sachen Oberflächenwasser.

Unterm Strich zeigt das, wie fortschrittlich Neuenrader Unternehmer sind, es wird aber auch dokumentiert, dass es handfeste wirtschaftliche Gründe gibt, erneuerbaren Energien den Vorzug zu geben und Kosten zu senken und am Ende etwas für den Klimaschutz zu tun. Zumindest Fotovoltaik gehört derzeit – trotz des Mangels an Fotovoltaikelementen – zu den Must-Haves in Industriebetrieben. Das ließ Klimaschutzmanager Simon Mai durchblicken: „Es ist sinnvoll, auf dem eigenen Dach Strom zu produzieren.“

Auch interessant

Kommentare