Praxistauglich? Bauhof testet ein Elektroauto

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Altes und neues Fahrzeug nebeneinander: Der Bauhof muss bald ein neues Fahrzeug anschaffen. Die Stadt möchte als Vorbild vorangehen und ein energieeffizientes Auto anschaffen. Der „Streetscooter“ (weiß), ein Elektro-Transporter den auch die Deutsche Post benutzt, wurde von den Mitarbeitern genau unter die Lupe genommen.

Neuenrade - Eines der Bauhofautos hat es bald hinter sich. Für den „Neuen“ ist Bauhofleiter Bernd Uerpmann wichtig, dass er energieeffizient ist. Viel gebe der Markt nicht her, aber der Streetscooter, den die Deutsche Post bereits nutzt, hat es für eine Testfahrt zum Bauhof geschafft.

Fällt die Entscheidung für oder gegen den Elektrotransporter? Unsere Redaktion war bei der Probefahrt dabei. 

Gut ein Jahr wird der alte Transporter noch genutzt werden können – so lange hat das Fahrzeug noch Tüv. „Danach lohnt es sich nicht, noch einmal in dieses alte Fahrzeug zu investieren“, sagte Uerpmann. Also muss bis dahin Ersatz gefunden sein. 

Eine ernüchternde Erkenntnis

Also schauten sich die Verantwortlichen auf dem Automarkt um – und machten eine ernüchternde Erkenntnis. Es gebe so gut wie keine Hersteller, die ein Modell in E-Ausführung anbieten, die den Vorstellungen des Neuenrader Bauhofs entspricht. Erste Priorität hat die Energieeffizienz. „Als Stadt nehmen wir unsere Vorbildfunktion ernst“, sagte Bernd Uerpmann. 

Bei der Suche nach einem Fahrzeug, das alle Bedingungen erfüllt, stieß er schließlich einzig auf die Marke Streetscooter. Der Hersteller von Elektrofahrzeugen ist eine Tochtergesellschaft der Deutsche Post. Diese vorrangig für die Zwecke der Post und damit Pakettransport und -zustellung entwickelten Fahrzeuge, kommen mittlerweile auch bei immer mehr anderen Unternehmen und Institutionen zum Einsatz. Um den Streetscooter auf seine Tauglichkeit für die Hönnestadt zu testen, holte Uerpmann das Modell Work Pickup für einen Tag aus Wipperfürth. 

Eine Besonderheit, die für den Bauhof unverzichtbar ist, ist die Pritsche. Der Work des Herstellers sei das einzige elektrisch betriebene Fahrzeug dieser Art. „Aber der Markt entwickelt sich schnell“, hofft Uerpmann schon in Kürze auf brauchbare Alternativen. 

Elektroauto erfüllt nicht alle Bedingungen 

Aber der Streetscooter erfüllt bereits viele wesentliche Punkte, die bei der täglichen Bauhof-Arbeit wichtig sind. Jedoch auch nicht alle. Die Reichweite von rund 200 Kilometern reiche vollkommen für einen Arbeitstag. Nach Feierabend muss der Transporter für 13 Stunden laden, damit er am nächsten Morgen wieder die volle Nutzungsdauer erreicht. „Das ist unter der Woche machbar“, sagte Uerpmann, „allerdings würde sich das Auto nicht für Bereitschafts- und Wochenenddienste eignen. Dafür bräuchten wir ein anderes Fahrzeug.“ Für den Testtag wurde der Transporter einfach an das normale Stromnetz angeschlossen, sollte sich der Bauhof für ein Elektroauto entscheiden, würde eine Ladestation direkt vor Ort eingerichtet werden. 

Lediglich zwei Sitzplätze 

Ein weiterer Minuspunkt: Bietet das bisherige Fahrzeuge Platz für bis zu fünf Personen, verfügt der Streetscooter lediglich über zwei Sitzplätze. Aber für viele Arbeitsbereiche genüge die Sitzeanzahl, so Uerpmann. Zum Beispiel für die Leerung der Mülleimer im Umkreis und an Waldwegen eigne sich der Transporter hervorragend. Mit 700 Kilogramm kann die Pritsche beladen werden und bietet damit ausreichend Kapazität. 

Hohe Ausgaben für das Wohl der Umwelt 

Bei der Entscheidung für oder gegen dieses Modell sollen auch die Mitarbeiter einbezogen werden: „Denn sie fahren ja am Ende damit“, sagte Uerpmann. Der Wagen habe zum Beispiel keine Klimaanlage, dafür aber eine Frontscheibenheizung, was im Winter wieder praktisch wäre. „Mit dem Einbau der Heizung orientiert sich der Hersteller wieder an den Bedürfnissen der Postboten. Wenn sie bei Regen nass wieder ins Auto einsteigen, beschlagen die Scheiben. Mit der Heizung ist das Problem schnell behoben“, erklärte der Bauhofleiter. 

Bei der Testfahrt wird klar: Damit lässt sich fahren. Aber für den Bauhof müssen viele Forderungen erfüllt werden.

Bei einer Testfahrt wird klar: „Der geht richtig ab.“ Sehr direkt beschleunigt der Wagen – und das lautlos. Kein Motorlärm, sondern nur das Rollen der Räder und der Wind, der bei 70 km/h auch mit geöffneten Fenstern für genügend Abkühlung sorgt. 

Streetscooter ist kein Schnäppchen

Ein Schnäppchen ist der Streetscooter allerdings nicht, und rein wirtschaftlich sei die Anschaffung nur durch Förderungen in Erwägung zu ziehen. Ein Fahrzeug in vergleichbarer Ausführung wie das Testmodell würde rund 52 000 Euro kosten. Für den Bauhof müssten noch zusätzlich Leuchten angebracht werden. 

Künftig sollen Elektroautos steuerfrei werden, aber ob sie im Unterhalt rentabler sind als ein Benziner oder Diesel ist umstritten. „Aber wir wollen ja auch etwas Gutes tun“, erklärte Uerpmann. 

Uerpmann hofft auf das Jahr 2019 

Unterm Strich ist nach dem Testtag klar: Der Streetscooter Work wird im Bauhof nicht genutzt werden. „Er ist zu sehr auf die Post ausgerichtet“, bedauerte Uerpmann. Aber schon 2019 sollen neue Modelle auf den Markt kommen, was den Mitarbeitern des Bauhofs gelegen kommt. Denn dann seien sie noch weiter entwickelt. „Schließlich wollen wir mögliche Kinderkrankheiten nicht mitkaufen“, sagte der Bauhofleiter. Uerpmann ist optimistisch, dass nächstes Jahr ein energieeffizientes Modell in Betrieb genommen werden kann, das die Anforderungen erfüllt und vor allem die Umwelt schont.

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