Von der Geburt des Weltalls

So sieht das Innere eines Meteoriten unter dem Mikroskop aus. Anhand der Farben und Strukturen können die Planetologen erkennen, aus welchem Material der Stein besteht.

KÜNTROP/MÜNSTER ▪ Addi Bischoff interessiert sich für die ganz großen Fragen: „Ich möchte etwas über die allerersten Prozesse im Weltall erfahren.“ Der gebürtige Küntroper ist Professor für Planetologie an der Uni Münster und erforscht an Meteoriten, wie sich die ersten Gesteine gebildet haben – vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren. Von Constanze Raidt

Meteorite sind für die Wissenschaftler die wichtigste Quelle, um die Ursprünge des Alls zu erforschen. „Das ist Materie, die extrem alt ist – das Älteste, was wir kennen“, erklärt Addi (Adolf) Bischoff. Bis zur Decke reichen die Regale im Büro des 57-Jährigen und stehen voller Bücher und Aktenordner. In einem Regal liegen die Aufsätze, die Bischoff im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere veröffentlicht hat.

Schon seit mehr als 20 Jahren arbeitet der Küntroper mit Meteoriten. Mit großem Erfolg: Als Anerkennung für seine Leistungen benannte die Internationale Astronomische Gesellschaft im Jahr 2006 einen Asteroiden nach ihm. Als Asteroid 6757 „Addibischoff“ kreist der Weltraumfels im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter um die Sonne. Einen Durchmesser zwischen zehn und fünfzehn Kilometern hat er, schätzen die Astronomen. „Das ist fantastisch“, findet Bischoff: „Ich bin da oben und umkreise die Sonne.“

Im April 1955 kam Addi Bischoff im Werdohler Krankenhaus zur Welt. Der Sohn eines Landwirts wuchs in Küntrop auf und lebte dort, bis er zum Studium nach Münster zog. „Ich erinnere mich gerne an die Zeit in Küntrop“, sagt der Vater zweier erwachsener Söhne. Das Leben sei damals aber nicht immer leicht gewesen, denn der Hof seiner Eltern lag außerhalb von Küntrop. Drei Kilometer bis zum Bahnhof musste er als kleiner Junge auf dem Weg zur Schule zurücklegen. Als er 15 Jahre alt war, begann er im TuS Neuenrade Fußball zu spielen. Früher ging das nicht, denn der Weg zum Trainingsplatz führte durch einen Wald oder an einer großen Straße entlang. Auch im SSV Küntrop trainierte er vor seinem Umzug nach Münster.

„Meine Eltern wollten immer, dass wir studieren“, erzählt Bischoff. „Das muss man ihnen hoch anrechnen.“ Auch sein Bruder lebt heute in Münster, er arbeitet dort als Richter am Landgericht. Addi Bischoff kam über einen Umweg zur Planetologie: „Ich wollte eigentlich Geografie studieren, bekam aber aufgrund meines Abi-Schnittes nicht sofort einen Studienplatz“, sagt er. Im Nachrückverfahren erhielt er einen Studienplatz im Fach Wirtschaftswissenschaften in Münster. Schnell lernte er einen Mineralogie-Studenten kennen. Das Fach faszinierte ihn so, dass er sich noch im ersten Semester für Mineralogie umschreiben ließ. „Heute untersuche ich die Mineralogie ferner Himmelskörper – ein faszinierender Teilaspekt des Faches“, findet Bischoff.

Meteoritensuche

in der Wüste

Wenn der Professor einen Meteoriten analysiert, schneidet er hauchdünne Scheiben von dem Stein ab. Diese untersucht der Planetologe unter dem Polarisationsmikroskop. In dunkler Jeans und einem schwarzen Pullover sitzt Bischoff an seinem Schreibtisch. Während er erzählt, zieht er immer wieder Papiere aus seinen Regalen und zeigt Bilder.

Knallbunte Kügelchen zeigen die Aufnahmen, die das Mikroskop von den Meteoriten gemacht hat. Anhand der Farben und der Struktur der Kügelchen können die Wissenschaftler erkennen, um welches Material es sich handelt.

An einen Meteoriten zu kommen, ist für die Forscher nicht leicht. Bischoff nahm 1993 und 1995 selbst an Expeditionen teil, um in der Wüste Gobi und in der Puna, einer Hochebene in den südamerikanischen Anden, nach außerirdischen Steinen zu suchen. „Man sucht immer auf hellem Untergrund, weil Meteorite schwarz sind“, erklärt Bischoff. „Beim Eintritt in die Erdatmosphäre schmilzt die Oberfläche und es bildet sich eine schwarze Kruste.“ Auf hellem Wüstensand sei diese leicht zu erkennen. „In der Wüste Gobi hatten wir aber ein Problem: Man läuft bei der Suche immer auf dunkle Stellen zu. Leider war das in der Wüste oft Kamelmist.“ In der Puna hatte sein Team aber Glück und stieß tatsächlich auf einen Meteoriten.

Bis Bischoff sich nach seinem Umzug als Münsteraner fühlte, habe es ein paar Jahre gedauert, erinnert er sich. Anfangs kam er noch jedes Wochenende nach Küntrop. „Ein anderer Neuenrader fuhr jeden Freitag nach Hause und jeden Sonntagabend wieder zurück nach Münster“, erzählt Bischoff.

Auch heute besucht er etwa alle zwei Wochen seine Mutter in Küntrop. Und auch die Liebe zum Fußball verbindet ihn immer noch mit seiner Heimatstadt: „Ich gucke jeden Sonntagabend im Internet nach, wie der TuS Neuenrade und der SSV Küntrop gespielt haben.“

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