„Über die Kirchtürme hinaus denken“

Generalvikar Klaus Pfeffer im Kreuzgang des Essener Doms.

NEUENRADE/ESSEN ▪ Als „Alter Ego“, also das „andere Ich“ des Bischofs bezeichnet sich Klaus Pfeffer selbst. „Der Bischof kann das Bistum ja nicht allein leiten“, erklärt er. Seit November ist der gebürtige Neuenrader der Generalvikar des Bistums Essen und damit der Stellvertreter von Bischof Franz-Josef Overbeck. Von Constanze Raidt

Der Weg zu dieser Stelle war für Klaus Pfeffer nicht unbedingt vorgezeichnet. Nach seinem Abitur absolvierte er erst einmal ein Volontariat beim Süderländer Volksfreund. „Ich habe in Neuenrade den Pfadfinderstamm mit aufgebaut“, sagt der 49-Jährige. Um die Arbeit der Pfadfinder bekannt zu machen, schrieb er Pressemitteilungen. „Eines Tages rief dann die Redaktion an, die suchten freie Mitarbeiter“, erzählt er. Nach seinem Schulabschluss bot ihm der damalige Verleger Klaus Pflug ein Volontariat an.

„Richtig hart arbeiten“ habe er beim SV gelernt. Als einmal die Drucker in den Streik traten, waren die Volontäre gefragt. „Da mussten wir dann abends in Lüdenscheid noch bis elf, zwölf Uhr die Seiten zusammenkleben“, erzählt der Geistliche. Trotz der harten Arbeit hat er die Ausbildungs beim SV in guter Erinnerung. „Das war eine schöne Zeit“, sagt er. Die Volontäre seien ein tolles Team gewesen.

Als sein Volontariat zuende war, merkte Pfeffer aber, dass ihm die kirchliche Arbeit wichtiger war. Er entschied sich, Theologie zu studieren. Bis für ihn klar war, dass er Priester werden wollte, dauerte es aber noch eine Weile. Auf die Idee brachte ihn der Pfarrer seiner Heimatgemeinde St. Mariä Heimsuchung. Die Kirche brauche bodenständige Menschen wie ihn, habe er zu Pfeffer gesagt. „Dieser Satz hat gesessen“, sagt der 49-Jährige.

Seine Kirchenlaufbahn begann in der Gemeinde St. Josef in Essen-Frintrop. Schnell zog es ihn in die Jugendarbeit, der er bis vor zweieinhalb Jahren treu blieb. „Ich habe die Kirche immer anders erlebt als viele andere, weil ich mit vielen jungen Leuten zu tun hatte“, sagt er. Jugendliche seien sehr an spirituellen Fragen interessiert. Die Antworten auf diese Fragen fänden sie aber nicht immer in ihrer Heimatgemeinde. Immer mehr Menschen entfernten sich deshalb von der Kirche. „Das ist ein radikaler Veränderungsprozess“, sagt der 49-Jährige.

Vom Jugendarbeiterzum Strategen

Pfeffer soll nun für die Kirche eine Strategie entwickeln, um mit diesen Veränderungen umzugehen. Trotz der Schwierigkeiten, die er schildert, freut er sich offenbar über die neue Herausforderung. Entschlossenheit strahlt er aus, wenn er an dem großen Holztisch in seinem Büro sitzt und von seinen Plänen erzählt.

„Vieles an unserer Sprache verstehen die Menschen nicht“, glaubt er. Und das möchte er ändern. Neben seinen Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen komme ihm dabei sicher auch zugute, dass er immer viel mit Sprache gearbeitet habe, so Pfeffer.

„Das Journalistische habe ich nie abgelegt“, sagt der Generalvikar. „Und ich predige ja auch.“ Eine „Kirche der überzeugten Christen“ möchte Pfeffer erreichen. Die Gläubigen sollen wieder mehr mitmachen und die Kirche soll „Entscheidungen treffen, die die Leute auch mittragen“, findet der Generalvikar.

Damit das funktioniere, möchte er zum Beispiel die Gemeindemitglieder vor Ort stärker einbinden. „Wir wollen mehr in die Ausbildung von Ehrenamtlichen investieren“, sagt Pfeffer. Aus finanziellen Gründen seien die Gemeinden auf die Ehrenämtler angewiesen. Es fehlten aber auch gute junge Leute. Pfeffer setzt sich zum Beispiel dafür ein, dass ehrenamtliche Mitarbeiter in Zukunft Beerdigungen durchführen dürfen. Bisher sei das nur Nicht-Priestern erlaubt, die hauptberuflich im Kirchendienst sind, erklärt er.

Damit die Kirche auf Dauer überleben könne, sei es nach Pfeffers Ansicht notwendig, Gemeinden zusammenzulegen. 2005 gab es eine solche Strukturreform. Nicht alle Gläubigen seien damit einverstanden gewesen. „Das ist vor allem im ländlichen Raum schwierig“, sagt Pfeffer. „Ich weiß zum Beispiel, dass es nicht so leicht war, aus den Gemeinden Werdohl und Neuenrade eine Pfarrei zu machen.“ Dem Generalvikar ist bewusst, dass viele Menschen sehr an ihrer Ortsgemeinde hängen. „Man muss aber über die Kirchentürme hinaus denken“, findet er. Die Zeit bei den Pfadfindern habe ihn in dieser Hinsicht sehr geprägt. „Das ist ja ein weltweiter Verband, der viel über die Gemeindegrenzen hinaus aktiv ist“, sagt Pfeffer.

Zeit für Freunde

ist wichtig

Zahlreiche Gespräche führe er für seine Strategiearbeit. Auch in den Abendstunden und am Wochenende habe er viele Termine. Zeit für sein Privatleben nehme sich Klaus Pfeffer trotzdem. „Mir ist es wichtig, meinen Freundeskreis zu pflegen“, sagt er. „Ich brauche ein paar Orte, wo der Beruf nicht so im Vordergrund steht.“ Wenn er Zeit dazu habe, gehe Pfeffer gerne joggen, um Stress abzubauen. Auch ins Fußballstadion geht er hin und wieder – der Geistliche ist schon lange Fan des FC Schalke 04.

Im Ruhrgebiet fühlt sich Klaus Pfeffer schon lange zuhause. Um seine alte Heimat zu besuchen, fehle oft die Zeit. Das Weihnachtsfest verbringe er aber mit seinem Vater in Neuenrade. „Am zweiten Weihnachtstag werde ich in der Mariengemeinde auch den Gottesdienst feiern“, kündigt Pfeffer an.

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