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Letzter Akt von Polizei und Bürger

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Michael Kohlhage und Arno Heimann - Polizei und Bürger - spenden 650 Euro an die Stadt Neuenrade.

Das Kuratorium Polizei und Bürger gibt es nicht mehr. Ursprünglich gegründet, um eben das Verhältnis zwischen Bürgern und Polizei zu verbessern, wird die Vereinigung nun ad acta gelegt. Bei der Liquidation des Kuratoriums kam am Ende die Summe von 650 Euro heraus, die der Verein Bürgermeister Antonius Wiesemann zur Verfügung stellte.

Die Stadtverwaltung will damit nach Absprache vor allem Jugendliche unterstützen. Am Donnerstag übergaben das Gründungsmitglied Arno Heimann und der letzte Vorsitzende Michael Kohlhage die Summe im kleinen Sitzungssaal an den Bürgermeister. Wiesemann freute sich: „Das kommt den Kindern und der Jugend zugute. Die sind unsere Zukunft.“

Legendäre Großveranstaltungen

1995 war der Verein mit dem ehemaligen Bürgermeister Hans Schmerbeck gegründet worden, um die Nähe zwischen Bürgern und der Polizei zu stärken. „Ziel war es. Die Polizei und den Bürger auf einer anderen Ebene zusammenzuführen.“ 60 Großveranstaltungen mit damaligen Prominenten wie Wolle Petry oder Bernd Clüver wurden organisiert. Sponsoren wurden ins Boot geholt. Polizisten und Bürger feierten gemeinsam und häufig konnte auch noch an Einrichtungen gespendet werden. Arno Heimann schwelgte in Erinnerungen und konnte von manchem Prominenten und dessen Eigenheiten aus dem Nähkästchen plaudern. Gerade in heutiger Zeit, wo die Polizei verstärkt in der Kritik steht und möglicherweise ein derartiger Verein nötig erscheine, haben sich bei der Polizei keine Nachfolger gefunden, die das fortführen wollen: „Es fehlen die jungen Schultern. Die jungen Kollegen machen das nicht mehr,“ hieß es von den beiden.

Polizei, Politik, Rassismusstudie

Arno Heimann, Kriminalhauptkommissar außer Dienst und nach eigenen Angaben ehemaliger Personalreferent und lange gewerkschaftlich aktiv, sieht die aktuellen Entwicklungen bei der Polizei kritisch. Die Polizei sei in ihrer Führung „zu politisch“. Die drei Gewalten seien „gar nicht mehr richtig geteilt“. „Die Politik mischt sich da viel zu sehr ein.“ Man möge nur nach Bayern schauen, wie dort hineinregiert werde. Arno Heimann hält auf Nachfrage auch eine Studie zum Rassismus in der Polizei für richtig. „Rechtes Gedankengut“ gehöre nicht in die Polizei. Und: „Ich weiß, dass viele rechts stehen“. Eine „gesunde Mitte“ gehöre in die Polizei. Der 72-jährige Heimann, der später auch bei der ersten Flüchtlingswelle ehrenamtlich aktiv war, lässt aber auch durchblicken, dass möglicherweise auch eine falsche Registrierungs-Politik der Polizei viel Verdruss bereitet habe. Seien zunächst Familien gekommen, habe man unter Hannelore Kraft später „zügellos“ jeden hineingelassen, „nicht richtig registriert, keine Fingerabdrücke genommen“. Da habe er als Polizist schon den Finger gehoben und Vorsicht angemahnt. Doch jedem Polizisten müsse doch auch klar sein, dass man nicht jeden Fremden über einen Kamm scheren könne. Es sei auch generell nicht einfacher für Polizisten geworden. „Der Respekt ist verloren gegangen.“ Das schiebt Heimann auf mangelhafte Erziehung.

„Beste Polizei der Welt“

Insgesamt ist der pensionierte Polizist von der Exekutive überzeugt: „Ich bin stolz auf unsere Polizei. Das ist die beste Polizei der Welt.“

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