Bericht zur Lage der Nation: Wolfgang Bosbach spricht im Kaisergarten

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Wolfgang Bosbach hielt einen launigen Vortrag.

Neuenrade - Einen Bericht zur Lage Deutschlands in einer sich stark verändernden Welt lieferte Wolfgang Bosbach am Mittwochabend im ausgebuchten Kaisergarten.

Volksbank-Vorstand Karl-Michael Dommes begrüßte den prominenten CDU-Politiker, der auf Einladung der Volksbank im Märkischen Kreis den Vortrag mit dem aktuellen Arbeitstitel „Mehr Sicherheit in unsicheren Zeiten – worauf es jetzt für ein weltoffenes Deutschland ankommt“ hielt. 

Über die Zuwanderung von Flüchtlingen und deren Folgen für die innere Sicherheit ist viel geredet worden, und die nächste Talkshow kommt bestimmt. Deshalb war es eine positive Programmänderung, dass das Publikum die Chance bekam, die Weltsicht und die politischen Ansichten des lebensbejahenden Rheinländers kennenzulernen. 

Bosbachs Polit-Potpourri war zuweilen etwas schwindelerregend in der Gedankenführung, im Gegenzug durch zahlreiche Anekdoten aber auch unterhaltsam bis amüsant. „Wählen Sie nie Leute, die nicht lachen können“, war einer jener Spitzensätze. Und dann erzählte er die Anekdote von der Dienstreise eines Abgeordneten in die Mailänder Scala, deren Einstufung als Vergnügungsreise dieser wortgewandt zurückwies: „Dass es kein Vergnügen war, können Sie schon daran sehen, dass meine Frau dabei war.“ 

Lebensart und die Freude am Leben 

Und es gab an diesem Abend noch mehr zu lernen über Lebensart und die Freude am Leben: Wer das Sozialexperiment des Stargeigers Joshua Bell noch nicht kannte, konnte ins Grübeln kommen über die Dinge, die wir viel zu wenig wertschätzen: Bell stellte sich als Straßenmusiker an eine U-Bahn-Station und spielte exakt das gleiche Programm, das er kurz zuvor für einen Eintrittspreis von 100 Dollar pro Karte in einem Konzertsaal gespielt hatte. Nach 44 Minuten war sein Hut mit 34 Dollar gefüllt – 1100 Menschen waren vorbeigegangen. Kein so schlechter Stundenlohn, scherzte Bell nach dem Experiment der Washington Post. 

Voll besetzt war der Saal im Kaisergarten am Mittwoch bei der Rede von Wolfgang Bosbach.

„Fällt es uns auf, wenn in unserem Alltag etwas Besonderes geschieht?“, formulierte Wolfgang Bosbach die Moral von der Geschichte. Die Frage „Sehen wir noch das Gute?“ war letztlich auch eine politische. Denn der Aufstieg aus den Ruinen des 2. Weltkriegs hin zu einer politisch erstaunlich stabilen Demokratie in einem geeinten Deutschland sei eine großartige Leistung gewesen: „Es ist toll, was wir in den vergangenen 27 Jahren geschafft haben“, freute sich Bosbach über die schwierige, aber letztlich doch erfolgreiche Etappe deutscher Geschichte seit der Wiedervereinigung. 

Vertiefung des Themas "Flüchtlinge"

Eine Nachfrage aus dem Publikum veranlasste den Politiker zu einer Vertiefung seiner zunächst eher kurzen Ausführungen zum Thema „Flüchtlinge“. Warum ein Inder, der ein Kind gegriffen und sich mit ihm vor eine einfahrende Bahn geworfen habe, nicht längst abgeschoben worden sei, wollte der Besucher wissen. Bosbach zählte die Hinderungsgründe auf, die es oft „sehr schwer“ machten, das Recht durchzusetzen. 

Ein Argument hatte besonderes Gewicht: Es könne doch nicht sein, dass Menschen ohne gültige Personalpapiere in die Bundesrepublik einreisten und deshalb nicht mehr nach Hause geschickt werden könnten. „Wir müssen wissen, wer in unser Land kommt“, sagte der ehemalige Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses.

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