Raumnot an der Waldorfschule: So wird Platz geschaffen

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Die erste Klasse muss ihr Zimmer für die Ganztagsbetreuung bald räumen.

Neuenrade - Die Waldorfschule hat Platzprobleme: Aula und Ganztagsbetreuung sind zu klein, die Anmeldezahlen steigen rasant. Darum stehen Veränderungen an. Doch der große Wurf – ein Bauprojekt in Millionenhöhe – muss noch warten.

Das Interesse ist riesig, immer mehr Eltern möchten ihre Kinder an der Waldorfschule Neuenrade unterrichten lassen. Über 60 Anmeldungen gibt es bereits fürs neue Schuljahr ab September, allein 19 aus Neuenrade. In den vergangenen Jahren waren es nur sechs bis acht Anmeldungen aus der Stadt. 

Giljohann: "Wir sind  nicht mehr die Ökos vom Berg“

100 weitere Kinder aus dem Einzugsgebiet von Attendorn bis Sundern stehen auf der Warteliste, die von staatlichen Schulen wechseln möchten. „Wir sind nicht mehr die Ökos vom Berg“, sagt der kaufmännische Leiter Klaus Giljohann zu den Gründen. „Waldorfpädagogik ist aus der grünen, spinnerten Ecke raus.“ Zudem kann die Neuenrader Schule mit einem voll besetzten Lehrerkollegium, kleinen Klassen und vielen Angeboten vom Werkunterricht über Musik bis zum Schafe versorgen - einiges bieten. Dazu natürlich eine Ganztagsbetreuung. 

Ganztagsbetreuung sehr beengt

Doch vor allem dort wird der Platz knapp. „Die Ganztagsbetreuung ist in den aktuellen Räumen auf Dauer nicht machbar“, sagt Giljohann. 60 Mädchen und Jungen werden nachmittags betreut, Raum gibt es für 40. Und die Nachfrage wächst. Darum muss die erste Klasse ihr Zimmer ab Herbst für die Ganztagsbetreuung räumen und umziehen. 

Auch über eine neue Lösung für die Verpflegung machen sich die Verantwortlichen am Remmelshagen Gedanken. Es gibt mehrere Kosten- und Raumpläne, wie sich Mensa und möglicherweise auch eine eigene Küche, in der Biokost gekocht wird, sowie weitere Fachräume umsetzen lassen. Über das pädagogische Konzept berät das Lehrerkollegium derzeit, im Frühjahr werden die Eltern eingebunden. Eine Entscheidung soll bis zum neuen Schuljahr fallen. Denn klar ist: „Das Raumkonzept muss dringend angepackt werden“, sagt Giljohann. 

Vorerst keine neue Aula

Wenn alle Wünsche erfüllt werden sollten, würden seiner Schätzung nach rund drei Millionen Euro Investitionen nötig. Doch die große Lösung kommt nicht. Noch nicht. Im aktuell geplanten Konzept wird eine neue Aula fehlen. Ursprünglich gab es Überlegungen, eine neue Aula für 350 Schüler einzurichten. Derzeit finden nur 120 Kinder darin Platz, 278 besuchen die Waldorfschule aktuell. 

Für Eurythmie-Unterricht ist in der Aula Platz, für alle 278 Schüler nicht.

Gedankenspiele zur Zweizügigkeit

Das Projekt ist jedoch nur vertagt. Zunächst will die Schulleitung abwarten, wie sich die Schülerzahlen und Anfragen entwickeln. Bleibt die Nachfrage so hoch, könnte die Waldorfschule perspektivisch zweizügig werden. Derzeit gibt es nur jeweils eine Klasse mit 25 Schülern von der ersten bis zur 13. Jahrgangsstufe. Mit je zwei Zügen müsste es dann aber nicht Platz für 350, sondern für deutlich mehr Besucher in der Aula geben. 

Haupthaus mit "Restlaufzeit"

Eine Rolle spielt bei diesen langfristigen Plänen auch die Zukunft des Haupthauses aus den 1950er Jahren, das laut Giljohann eine „Restwertzeit bis etwa 2024/25 hat“. Dann werden erhebliche Sanierungsarbeiten nötig, die wirtschaftlich nicht rentabel wären. Es gibt daher Gedankenspiele für einen Abriss und Neubau. Das ist Zukunftsmusik. 

Handwerkliches Geschick beweisen die Achtklässler beim Werkunterricht.

Doch auch aktuell tut sich nicht nur was beim Thema Raumkonzept. Das Gebäude, in dem die Schulleitung sitzt, erhält einen neuen Fassadenanstrich, die Rohre fürs Glasfasernetz werden verlegt, sobald der Boden frostfrei ist. Ein wichtiges Projekt. Denn „wenn die Schüler im EDV-raum alle PCs nutzen, kann ich nicht im Internet surfen“, verdeutlicht der kaufmännische Schulleiter Giljohann. Auf schnelleres Internet können Lehrer und Schüler ab Jahresende hoffen.

Vorträge für Interessierte 

Die Waldorfschule lädt Interessierte ein, sich über die Schule und ihr Konzept der Waldorfpädagogik zu informieren: Dienstag, 12. Februar, 18 Uhr (Themen: Unterricht, Klassenfahrten und Praktika); Mittwoch, 20. Februar, 18 Uhr (Menschenkunde, Theater, praktisches Arbeiten, Naturwissenschaften); Samstag, 23. Februar, 10 Uhr (Eurythmie, Fremdsprachen und Abschlüsse) jeweils in der Aula.

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