Philip Oprong Spenner liest in der Gemeinschaftsschule

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Philip Oprong Spenner

NEUENRADE - Als er mit seiner Geschichte begann und intensiv beschrieb, wie er versuchte sich das Leben zu nehmen, war es sehr still in der Aula. Die Schüler tauchten ab in die Seelenwelt eines afrikanischen Straßenkindes, das die Hoffnung und den Lebensmut verloren hatte und auf ein Zeichen wartete, auf etwas, das ihn abhält, in den Viktoria-See zu springen.

Daraus entsprang dann die – wahre – Geschichte des Philip Oprong Spenner. Der berichtete am Freitag in der Aula der Gemeinschaftsschule von Schlägen und Demütigungen, von Nairobi, vom bohrenden Hunger eines Zehnjährigen, der sein Leben für ein Stück Brot riskiert, von Schuhen aus Autoreifen, vom Stehlen, Betteln und Schmuggeln, von Schläue und Herzensgröße, aber auch vom Durst nach Bildung, von Hoffnung und vom unbändigen Überlebenswillen eines Kindes, aber auch vom Tod im Großstadtstaub.

Es war nicht eine jener abstrakten Geschichten über Afrika, die man so ohne weiteres nicht nachvollziehen kann. Hier hatten die Schulkinder einen Menschen zu Gast, der all das nicht nur selbst erlebt hat, sondern auch vermitteln kann. Selten erlebt man Kinder, die sich eineinhalb Stunden am Stück von einer Schulstunde fesseln lassen.

Hier aber lauschten sie respektvoll Philip, der es vom todgeweihten Straßenkind zum respektierten, verheirateten Lehrer für Englisch, Philosophie, Religion und Sport in Hamburg gebracht hat.

Doch zurück zu jenem Felsen über dem Viktoria-See. Philip springt nicht. Eine Touristengruppe nähert sich, rettet durch ihre Anwesenheit und Großzügigkeit sein Leben. Es ist erschütternd, wenn er von seiner Kindheit erzählt, vom Buch der Hoffnung, von seiner harten Tante, die ihn mit durchfüttert, sich selbst verkauft, ihn aber von der Schule nimmt, weil sie das Schulgeld nicht mehr aufbringen kann und ihn schließlich nach Nairobi bringt, wo sie ihn an einem Kiosk stehen lässt und er sie nie wieder sieht.

So strandet er eben – wie Millionen anderer Straßenkinder – in einer afrikanischen Großstadt. Er überlebt dort auch, weil Freund Paul zu seiner Familie wird. Als Paul unter Drogen überfahren wird, ist das für Philipp ein Wendepunkt in seinem Leben, denn er rührt niemals Drogen an. So eröffnet ihm Paul mit seinem Tod eine Chance, die er auch ergreift.

Zwei, drei mal unterbricht Spenner seine Lesung, singt aus dem Stegreif Volkslieder auf Luganda. Die Schüler stellen ihm Fragen, wollen wissen, welche Religion er hat, haken wegen Paul nach und spenden ihm immer wieder Applaus. Am Ende war deutlich zu spüren. Philip Oprong Spenners Geschichte „Move on up – Ich kam aus dem Elend und lernte zu leben“ hat bei den Schülern sicher Spuren hinterlassen.

Im Unterricht wird Spenner noch einmal Thema sein. Organisiert wurde die Lesung von der Stadtbücherei in Kooperation mit der Gemeinschaftsschule und der Landeszentrale für politische Bildung.

www.kanduyi-children.org.

Von Peter von der Beck

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