Im Seniorenzentrum bleibt der Mensch im Blick

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Simone Simon ist Pflegedienstleiterin im Evangelischen Seniorenzentrum.

Neuenrade - Advent und Weihnachten in einer Senioreneinrichtung ist eine emotional sehr aufgeladene Zeit. Besuche von Verwandten, Freunden und Nachbarn stehen verstärkt an. Auch die Mitarbeiter, ohnehin meist Menschen, die eine besondere soziale Ader haben, sind in dieser Zeit mehr gefordert als üblich.

Simone Simon, Sozialdienstleitung im Evangelischen Seniorenzentrum (ESZ), gehört dazu. Sie erzählt, dass für die Bewohner diese besondere Zeit auch mit wichtigen traditionellen Ritualen ausgefüllt wird: „Die Bewohner freuen sich auf die Adventzeit mit Erdnüssen, Apfelstrudel und Vanillesauce, das Sitzen im Dach-Café mit Blick auf die weihnachtlich beleuchtete Stadt.“

All das mündet in den Heiligen Abend im Seniorenzentrum. Das ist dann ein großes Fest, ein gemeinsames Mittagessen aller Bewohner und auch die Angehörigen sind dabei. Das Essen wird akribisch vorbereitet. Es gibt Namenskärtchen, denn vorher wird geschaut, wer mit wem kann und wer mit wem nicht. Und natürlich gibt es einen Gottesdienst. Manche Bewohner werden mit zur Verwandtschaft genommen, viele bleiben indes da. Den Dienst an den Feiertagen teilt sich Simone Simon mit Kollegin Jasmin Sikora-Soto.

In der emotionalen Weihnachtszeit gibt es erhöhten Gesprächsbedarf, erläutert Simon. So komme es vor, dass Bewohner etwas rauslassen möchten. Da rühre womöglich ein Weihnachtslied in alten Wunden. Einzelgespräche sind dann möglich. Ohnehin versuche man Bewohner ein bisschen mehr zu betreuen als üblich. „Tiefe Gespräche gibt es immer mal“, zur Weihnachtszeit allerdings vermehrt. Der Krieg ist dann häufig ein Thema, aber auch persönliche Schicksalsschläge wie der Tod von nahestehenden Menschen oder Krankheiten. „Dann nehme ich mir die Zeit“, sagt Simon. Und da ist auch noch die Seelsorgerin im Haus: Karin Goseberg, eine Betreuungsassistentin mit entsprechender Weiterbildung.

Mit einem Praktikum in der Kita gestartet

Simone Simons Weg in die Seniorenbetreuung beginnt eigentlich mit dem Schulpraktikum als 14-Jährige in einer Kita. Dort stellte sie fest, dass der Erzieherinnenberuf nun einmal gar nichts für sie ist. Schließlich macht sie eine Ausbildung als Ergotherapeutin und kommt eben mit alten Menschen in einer Betreuungseinrichtung in Kontakt. Mit Abschluss der Ergotherapeutenausbildung verlegt sie ihren beruflichen Schwerpunkt in die Altenhilfe. „Das war mein Ding“, sagt sie.

Die seelische Komponente dieses Berufs erlernt sie im Rahmen der praktischen Arbeit mit den Menschen. Vielfach weitergebildet hat sie sich. Sie ist gerontologische Fachkraft. Es ein stetiger Prozess und im Umgang mit den Bewohnern lernt sie immer dazu. Dabei tauscht sie sich durchaus auch mit Kollegen aus. „So erfährt man noch neue und andere Aspekte eines Bewohners und bekommt so ein anderes Gefühl für einen Menschen“, sagt Simon.

Advents- und Weihnachtszeit bedeutet aber auch, sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen. Denn: „In dieser Zeit sterben gefühlt mehr Menschen.“ Auch beim Sterben begleitet Simone Simon, „wenn es denn gewünscht wird“. Da könne es sein, dass man einen Bewohner nach draußen begleitet, weil jemand eine Zigarette rauchen oder einfach frische Luft schnappen wolle. „Manche Bewohner möchten aber auch liebe allein sein, oder so viele Angehörige und Freunde sind dabei, dass wir nicht auch noch anwesend sein müssen“, sagt Simon.

Rituale, um mit dem Tod fertig zu werden

Rituale, um mit dem Tod der Menschen fertig zu werden, um die man sich gekümmert hat, gibt es auch für Susanne Simon und die weiteren Mitarbeiter des Hauses: Aussegnung im Kreise der Mitarbeiter und da ist der jährliche Erinnerungsgottesdienst.

Natürlich: An viele Menschen erinnert sich Simone Simon noch. Manchmal ist es nur eine Geste, ein Spruch – dann ist die Erinnerung wieder da. Eine Frau sang vor dem Aufzug immer „Hab den Wagen vollgeladen“. Oder da war die Vierertruppe, die immer für Stimmung sorgte. „Wegen dieser Gruppe habe ich mich auch für diesen beruflichen Weg entschieden“, sagt Simone Simon.

Keine Frage: Es ist ein anspruchsvoller Job, der zudem tolle Momente hat: „Da ist die Frau, die nicht mehr mit uns spricht, sie lächelt immer freundlich, aber sagt nichts. Neulich aber trat der Kosakenchor auf – und sie hat mitgesungen“.

Von Peter von der Beck

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