„Pfarrer Craton de Marpe ist einer der Altar-Stifter“

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Dr. Rolf-Dieter Kohl. ▪

NEUENRADE ▪ Kein Zweifel der Mann sieht aus wie ein urwüchsiger Sauerländer. Rötliche Haare, rote Backen, insgesamt eine kräftige Erscheinung. Der Mann ist auf dem Affelner Altar abgebildet. Und er ist nach Dr. Kohl, Historiker, Kreisarchivar a. D., Heimatvereinsvorsitzender und Neuenrader, einer der Stifter des berühmten Altars.

Bei ihm handelt es sich nach der Überzeugung Dr. Kohls um keinen geringeren als Pfarrer Crato de Marpe. Er stammte aus einer reichen Landadelsfamilie bei Eslohe und war in Affeln Pfarrer und Dechant von 1520 bis 1558. Somit ist auch die Frage beantwortet, die sich jüngst Friedhelm Grote (SV-Bericht vom 8. August) stellte, der der Bedeutung des Wortes „Cratoni“ nachgehen wollte, das auf dem aufgemalten Spruchband auf der Außenseite des Altars zu lesen ist. Er hätte nur Dr. Kohl fragen müssen, der sich seit den1990-er Jahren intensiv mit der Geschichte Affelns und des Affelner Altars auseinandersetzt.

Der hatte sich den Spruch neben der Figur angeschaut und übersetzt. „O SANCTE LAMBERTE ORA PRO ME CRATONI SERVI TUI“. Dr. Kohl: „Das heißt nichts anderes als Oh heiliger Lambert, bete für mich, Crato, Deinen Diener“. Es war 1992 als Dr Kohl allein in der Affelner Kirche weilte, andächtig vor dem Altar verharrte, sich die Außentafeln ansah. „Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen,“ erinnert sich der Historiker noch ganz genau. Für ihn war klar, dass Crato de Marpe (auf mittelniederdeutsch Kracht von Marpe) gemeint war.

Für Dr. Kohl ist Herkunft und die Bestimmung des Altars nach eingehenden Studien klar. Der Altar stammt aus Antwerpen und war auch für Affeln bestimmt. Ein Stifterkonsortium (darunter eben auch jener Crato de Marpe) aus der Freiheit Affeln war es, das den Altar finanziert und in Antwerpen geordert hatte. Der Altar sollte ein Symbol sein. Zum einen ein Zeichen der Frömmigkeit, aber er sollte eben auch die Bedeutung Affelns herausstreichen, erläutert Dr. Kohl.

In der Tat scheint Affeln in der damaligen Zeit für die Region bedeutend gewesen zu sein. Affeln war eine Freiheit, hatte einen gewählten Stadtrat (Freiheitsrat), zwei Bürgermeister, einen Stadtsekretär, ein Rathaus, die Straße säumten Bürgerhäuser, es gab die Kirche. Affeln hatte eine eigene Gerichtsbarkeit. Dr. Kohl kann zudem vielfältige Verbindungen zu den Hansestädten und vor allem zu Soest nachweisen. Es gibt Dokumente, die belegen, dass sich der mutmaßlich Reichtum einiger Affelner der damaligen Zeit eben auf Handel gründete. Grundlage war Eisenerzbergbau und Bleigewinnung. Kohl nennt einen gewissen Bernt Wygger aus Affeln, der in Soest mit großen Mengen Blei handelte, das er unter anderem aus der Endorfer Hütte (Nähe Sundern) holte. Es gab Bruderschaften, vielfältige Beziehungen zu den Niederlanden.

Europa und insbesondere große Teile des Landes, das wir heute Deutschland nennen, erfuhr zu dieser Zeit wohl einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Mittelniederdeutsche war damals „Weltsprache“, wurde sowohl in London als auch in Hamburg oder Soest gesprochen. Es gab umfassende Handelsbeziehungen. Kaufleute erlebten eine Blütezeit. Jakob Fugger lebte noch.

Wie es zur damaligen Zeit in Affeln aussah, dazu könnte die Karte auf dem Bild unten ein Anhaltspunkt sein. Schwarz sind die Häuser vor dem Brand von Anfang 1800 eingezeichnet. Rot ist Affeln nach dem Wiederaufbau. In jedem Fall war Affeln kein Kuhdorf. In diesem Kontext ist die Beschaffung des Altars in Antwerpen wohl zu sehen. Reiche Affelner reisten nach Antwerpen, bestellten den Altar in einer Manufaktur (Fabrik). Der Altar wurde dann wohl nicht in einem stillen Kämmerlein geschnitzt, sondern es waren wohl - so Dr. Kohl – einzelne Module, die bestellt und zu einem Klappaltar gefertigt wurden. Natürlich habe der Altar dann noch jene individuelle Note bekommen, die wir heute kennen.

Dr. Kohl kündigt für die nächste Zeit die Veröffentlichung weiterer Forschungsergebnissen aufwarten. ▪ Peter von der Beck

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