Neuenrader Pfadfinder

Erste Hilfe in der Wildnis

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Die Expertin zeigte den eifrigen Teilnehmern, wie man in der Wildnis mit Hilfe von Sweatshirts und Ästen eine provisorischen Trage bauen kann.

Neuenrade - Die Pfadfinder haben am Samstag Erste Hilfe gelernt. Das Besondere: Der Kurs fand weit draußen in unbewohntem Gebiet statt. Dabei war viel Blut im Spiel.

Alarm am Waldstadion: Jenny hat eine offene Wunde am linken Unterschenkel. Zu allem Überfluss hat sich die Jugendliche auch noch das Kinn aufgeschlagen – und das so weit weg von der nächsten Wohnbebauung. Da ist guter Rat teuer.

Oder auch nicht, denn Sandra Vörde weiß, was in solch einem Fall zu tun ist. Dennoch sind an diesem Samstagnachmittag alle glücklich, dass nicht wirklich etwas passiert und alles nur gespielt ist. Lediglich die kleine Anouk tröstet Jenny.

Expertin von den Johannitern aus Dortmund

Die Zweijährige verspricht dem blutenden Mädchen, dass „das Aua heile“ gemacht wird. Da kann Jenny dann auch wieder lachen und reckt den ausgestreckten Daumen nach oben.

Sandra Vörde ist Expertin für Outdoor-Erste-Hilfe-Kurse von den Johannitern aus Dortmund. Heute unterrichtet sie neun Teilnehmer der Pfadfinder Neuenrade, einen von der Radsportabteilung des TuS Neuenrade, einen Gast von den Pfadfindern aus Hagen und eben die zweijährige Anouk.

Vörde erklärt: „Draußen gibt es längere Rettungswege. Für einen Verletzten basteln wir eine Trage aus Ästen und Sweatshirts. Und wenn ein Schwerverletzer da ist, errichten wir ein Notfalllager.“ Die Teilnehmer haben also ein strammes Programm vor sich.

Der Unterschenkel muss amputiert werden

Doch mit all dem noch nicht genug: Für den Schwerverletzten wird noch eine Feuerstelle entzündet. Auf der Flamme wird Bachwasser erhitzt und somit trinkbar gemacht. Zunächst einmal muss jedoch Jenny versorgt werden: Der Unterschenkel ist nicht mehr zu retten. Er muss amputiert werden. Tim wendet sich – wenig begeistert – ab.

Jenny stellte eine Verletzte mit einer stark blutenden Wunde dar.

Da gefällt es ihm schon besser, als er das Versuchskaninchen mimt für die selbst gebaute Trage: Bei drei Sweatshirts der Johanniter wurden die Ärmel ins Innere des Kleidungsstückes gezogen. Sie diene als Führung für zwei lange Äste.

Das provisorische Gerät wird auf den Boden gelegt, Tim legt sich hinein. Vier Helfer nehmen jeweils ein Astende in die Hand, einer zählt laut an – und schon erhebt sich Tim vom Waldboden, auf drei Kleidungsstücken gebettet.

Die improvisierte Trage kommt gut an

Das will Anouk dann auch ausprobieren. Kurzerhand wird der Kursus einen Augenblick unterbrochen und die Zweijährige kommt zu ihrem Recht. Begeistert lässt sie sich ein wenig schaukeln, dann rufen aber doch wieder Papas Arme.

Weitere Inhalte der lehrreichen Veranstaltung sind Schockzustände, Hitzschläge, Diabetes-Ernstfälle, Infarkt-Situationen, Vergiftungen, Verbrennungen, Insektenstiche und vieles mehr.

Von 9 bis 17 dauerte der Kursus am Samstag. Die Neuenrader Pfadfinder fahren in der kommenden Woche in ihr Sommerlager. In Südtirol werden sie nun gut gerüstet sein für alle Eventualfälle.

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