Abschied von Neuenrades kleinem Prinzen

Eine Truppe von Jugendlichen hatte ein Theaterstück vorbereitet – zurecht geschnitten auf Klaus Peter Sasse. Dieser zeigte sich gerührt. - Fotos: von der Beck

Neuenrade - Sie wollten ihren Chef nicht in so hochoffiziellem Rahmen verabschieden. Und so organisierten die Personalräte und Mitarbeiter eine inoffizielle Abschiedsfeier für den Bürgermeister.

Von Peter von der Beck

Die Feier fand im Reich von Gabi Bildstein-Ulianowsky statt – im Jugendzentrum. Nicht ohne Grund. Hier ist zum einen genug Platz für die recht große Belegschaft der Verwaltung und es gibt eine Bühne, auf der Klaus Peter Sasse ein Theaterstück gewidmet wurde, frei nach Saint-Exupérys berühmtem Stück „Der kleine Prinz“.

„Der kleine Prinz geht in Pension“ hatte Gabi Bildstein-Ulianowsky ihre mit Augenzwinkern geschriebene Variante genannt. Zuvor allerdings gab es von den Mitarbeitern für Klaus Peter Sasse ein veritables Männergeschenk: einen großen Grill einer bekannten Marke – „den gleichen, den Bernd Uerpmann hat“. Der Personalratsvorsitzende Hubert Großheim hatte im Vorfeld fleißig nach potenziellen Geschenken auch im engsten Familienkreis des Noch-Bürgermeisters geforscht und den Tipp mit dem Grill bekommen. Einen Gasgrill – auf dass die Fleischzubereitung auch schneller geht für den in diesen Dingen eher ungeduldigen Bürgermeister. Nur eine Gasflasche muss Sasse noch kaufen, denn dafür hatte das Geld nicht mehr gereicht, verriet Großheim. Klare Sache, dass der Bürgermeister noch den Grill einsetzen muss, wenn er denn seinen Ausstand im Rathaus gibt. Auf die Belegschaft kommt also noch eine gehörige Party zu.

"Abschied vom kleinen Prinzen"

Dann kam das auf Sasse adaptierte Theaterstück: Eine Truppe von Jugendlichen und Kindern brachte das Stück auf die Bühne. Damit das gelang, mussten gar die Schulen, Burggymnasium Altena und Albert-Einstein-Gesamtschule Werdohl, mitspielen und einige Darsteller dafür sogar früher vom Unterricht befreien. Logistisch halfen die ehrenamtlichen Mitarbeiter Sawas Apostolidis und Jan Peters mit. Und so führten Marie Leiendecker (Prinz), Amy Causemann (Blume), Lena Rolle (Pilot), Svenja Ax (Fuchs) und Anton Bauer (Gesang), die auf den Bürgermeister umgeschriebenen Szenen auf, die sich mit dem „nörgeligen kleinen Prinzen“ befassten, der nun in Pension gehen muss.

Klar, dass gewisse Eigenheiten, wie die Vorliebe zu karierten, an Trockentücher erinnernde Freizeithemden oder seinen Affinität zu Schals herausgearbeitet wurde. Alles Dinge, denen sich sich der kleine Prinz, alias Klaus Peter Sasse, nun verstärkt widmen könne. Auch müsse er nicht mehr ständig aufs Handy gucken und könne sich verstärkt um seine Liebste kümmern. Termine werde er auch haben, doch statt den städtischen soll er nun den eigenen Haushalt im Fokus haben. Auch werde er bestimmt noch kurz die Welt retten wollen. Das war das Stichwort: die jungen Schauspieler und andere Kinder intonierten und tanzten noch den Tim-Bendzko-Song.

Doch mit „kurz die Welt retten“ ist es jetzt vorbei. Der kleine Prinz geht in Pension. Dazu gab es dann noch das Abschlusslied von Matthias Stingl „Lust auf tausend kleine Dinge“. Der Noch-Bürgermeister war gerührt, hielt eine Rede, freute sich über dieses besondere Theater-Geschenk, das man nicht kaufen kann, dankte allen und philosophierte noch über den Kleinen Prinzen und dessen Weisheiten. „Man ist verantwortlich für das, was man sich vertraut gemacht hat“ – unter anderem dieser Lehre St. Exupérys habe er sich als Bürgermeister verpflichtet gefühlt.

Dann war die Show vorüber, die Belegschaft kümmerte sich um Getränke und das Essen, man amüsierte sich und der Bürgermeister mischte sich unter seine Noch-Mitarbeiter. Die blicken durchaus wohlwollend auf ihren Chef. Dass er „nicht gut zurückstecken könne“ gehörte da schon zu den kritischeren Charakterisierungen für den Kollegen-Chef-Bürgermeister. Einer hatte ein schönes Kompliment für Sasse: „Er war da, wenn man ihn brauchte.“

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