Bislang noch kein Nachfolger

Paukenschlag: Kaisergarten-Pächter macht nach 15 Jahren Schluss

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Sie sorgen im Kaisergarten für gutes Essen, bieten besten Service: Cornelia Groke, Engelbert Groke, Koch Alexander Bucher, Azubi Melina Gaentzsch und Servicekraft Magdalena Lux. Für das Ehepaar Groke wird nun ein Nachfolger gesucht.

Neuenrade - Der Kaisergarten hat einen guten Ruf: Als Veranstaltungsort mit Bühne inklusive moderner Technik, als Hort der Kultur und auch als Ort des guten, bürgerlichen Essens. 18 Hotelzimmer sind ein zusätzliches Plus. Unterm Strich ein Objekt, das in der Region so kaum zu finden ist.

Pächter Engelbert Groke hat ganz sicher sein Scherflein zu diesem guten Ruf beigetragen. Nun ist für den bekannten Gastronom zum 30. April zumindest offiziell Schluss, der Pachtvertrag läuft nach 15 Jahren schlicht ab. Groke will nicht verlängern, stellt sich aber für die Übergangszeit – bis ein Nachfolger gefunden ist – zur Verfügung. Und durchaus auch länger, um eine Einarbeitung des Nachfolgers zu gewährleisten. Der Kaisergarten werde nicht bei Vertragsablauf schließen, wird seitens der städtischen Kaisergarten GmbH gesagt. Und von Familie Groke kommt die Versicherung, niemanden hängen zu lassen. Gutscheine behielten Gültigkeit, Veranstaltungen würden durchgeführt. 

Die Kaisergarten GmbH verhandelt derzeit mit zwei Interessenten. Und es wird durchaus die Bereitschaft signalisiert, dass in Abstimmung mit einem neuen Gastronomen Investitionen je nach Konzept sicher möglich seien, wie Marcus Henninger, einer der Geschäftsführer, bestätigte. Das werde dann bei der Gesellschafterversammlung abgesegnet. Gesucht werde eben jemand, der die Sache mit Herzblut und erfolgversprechendem Konzept betreibe. Da sei man offen und gesprächsbereit. „Wichtig ist: Die Leute sollen wissen, dass hier nicht abrupt einfach Schluss ist“, sagte Henninger. Er, aber auch Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) bedauern außerordentlich, dass Groke geht. 

"Zu alt für diesen Ablauf"

Die Gastronomie ist ein hartes Geschäftsfeld und erfordert viel Herzblut, gute körperliche Konstitution, unternehmerisches Geschick, solide Kalkulation und ein Händchen für Trends. Für den 61-jährigen Groke ist der körperliche Aspekt der Grund dafür, dass er dem Ende des Vertrages nicht traurig entgegensieht. Groke, der nicht nur Pächter, sondern auch Koch ist, sagt es ehrlich und gerade heraus: „Saal, Restaurant und Hotel – das ist viel Arbeit. Ich bin einfach zu alt für diesen Ablauf.“ Es gebe zwar Gastronomen die würden länger machen, diese arbeiteten allerdings auch in anderen Bereichen. Ob Küche oder Service – das sei ein Unterschied. Gänzlich will er nicht aufhören, für die Einarbeitung eines Nachfolgers stehe er zur Verfügung – und auch sonst will er noch für eine gewisse Zeit weitermachen. 

Seltener Anblick: Das Ehepaar Groke sitzt in Ruhe auf dem Kaisergarten-Sofa.

Dass Gastronomen und insbesondere Köche eine spezielle Spezies sind, deutet Engelbert Groke mit seinem Statement an: „Diesen Beruf muss man leben und lieben.“ Denn, selbstständiger Gastronom bedeute in der Regel wenig Freizeit. Groke berichtet auf Nachfrage von einer Sieben-Tage-Woche mit einem täglichen Pensum von zehn bis zwölf Stunden – auch für seine Frau. Dabei muss die Kalkulation stimmen: Grundsteuer, Pacht, Löhne und Lohnnebenkosten, Verbräuche – da kommt einiges zusammen. „Mein Steuerberater sagt, dass ich am besten nur die beiden letzten Monate des Jahres arbeite.“ Da hole er die maue Zeit wieder heraus. 

Vier Angestellte und 20 Aushilfen

Klare Sache, dass das Ehepaar so gut wie nie krank war. Gut zu tun habe ein Gastronom mit dem Kaisergarten und für den Hotelbetrieb müsste eigentlich ein Hotelmanager ran, erläuterte Groke. Natürlich arbeitet das Ehepaar Groke nicht alleine. Die Grokes betreiben ihr Gastro-Geschäft mit vier festen Angestellten und 20 Aushilfen. Es ist eine eingearbeitete Mannschaft. Auszubildende Melina Gaentzsch gehört genauso dazu wie Servicekraft Magdalena Lux und Koch Alexander Bucher. Sie alle hoffen auf einen nahtlosen Übergang. 

Gut zu tun hat die Kaisergarten-Mannschaft: Da ist das Veranstaltungsgeschäft mit den garantierten Kulturevents der Stadt und das Drumherum-Geschäft. Da sind große Firmenfeiern, Versammlungen großer und kleiner Vereine, aber auch Familienfeiern und das À-la-carte-Geschäft. Auch das Außer-Haus-Geschäft funktioniert. Flexibilität beweist Groke, bei Großveranstaltungen ruft er Personaldienstleister an („Ohne geht es nicht“). Auch eigene Events veranstaltete Groke schon. „Aber da müssen wir schon 100 Leute reinholen, damit es sich rechnet. Je höherwertig der Künstler, umso teurer wird es. Viel Aufwand ist für Werbung nötig.“ 

Fast 180 Online-Bewertungen

Von außerhalb hört man viel Gutes über Groke und sein Team. Fast 180 Online-Bewertungen mit guten Kritiken gibt es. Auch bei der Kaisergarten GmbH ist man voll des Lobes. „Er ist ein Guter“, sagt Marcus Henninger. 

Groke selbst verweist darauf, dass es in dem À-la-carte-Geschäft auch durchaus mal Kritik gebe. Doch unter dem Strich überwiege Lob bei Weitem. Gut läuft es also mit dem Restaurantbetrieb – kein Wunder, hat Groke doch viel Erfahrung bei renommierten Adressen gesammelt. Die Lehre absolvierte er in Menden und Dortmund, arbeitete anschließend im Steigenberger-Hotel in Düsseldorf und in der Schweiz. Lange hat Groke in Davos und Gstaad gekocht. 

"Krüstchen gehen immer"

In Neuenrade kennt er sein Publikum mittlerweile genau, weiß was gut läuft: „Krüstchen gehen immer, egal in welcher Variante. Dazu Schweinemedaillons und Kalbfleischgerichte. Spargelgerichte würden auch gut verkauft. Eher rückläufig sei das Geschäft bei Volksfesten wie Schützenfest oder dem Gertrüdchen. „Gertrüdchenteller – das wird weniger“. Was Groke nun mittelfristig machen wird, weiß er noch nicht. „Ich habe keinen konkreten Plan, ich lasse das auf mich zukommen.“ Sicher ist: Das Ehepaar Groke will auch mal Urlaub machen.

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