Wegen Corona-Schutzimpfung

 Patientin übt harsche Kritik am MVZ Neuenrade

Beate Schwartpaul-Hermes mit der Bescheinigung, die inzwischen mit einem Praxisstempel und einer Unterschrift versehen ist. Die Neuenraderin ist bei ihrem ersten Impf-Termin in Lüdenscheid abgewiesen worden.
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Beate Schwartpaul-Hermes mit der Bescheinigung, die inzwischen mit einem Praxisstempel und einer Unterschrift versehen ist. Die Neuenraderin ist bei ihrem ersten Impf-Termin in Lüdenscheid abgewiesen worden.

Den Tag, an dem sie ihre Corona-Schutzimpfung im Impfzentrum des Märkischen Kreises in Lüdenscheid erhalten sollte, hatte Beate Schwartpaul-Hermes lange herbeigesehnt. Am Ende lief für die Neuenraderin aber nichts wie geplant.

Neuenrade – Die 54-jährige Neuenraderin ist chronisch krank und war im vergangenen Pandemie-Jahr dementsprechend besorgt und vorsichtig. Doch eine Impfung gab es für Beate Schwartpaul-Hermes zum vereinbarten Termin dann doch nicht.

Die Neuenraderin ist immer noch wütend, wenn sie an ihren ersten Besuch im Impfzentrum denkt: „Die Security hat sich meine Unterlagen angeschaut. Dabei hat der Mann sofort bemerkt, dass die Bescheinigung meines Hausarztes, dass ich zu einer Risikogruppe gehöre und deshalb vorzeitig geimpft werden sollte, nicht gültig ist.“ Auf dem Schreiben fehlten der Praxisstempel und die Unterschrift ihres Hausarztes Michael Beringhoff.

Keine Impfung ohne Stempel

„Es hieß, man könne mich zwar einlassen, aber eine Impfung würde ich damit auf keinen Fall erhalten“, erinnert sich Beate Schwartpaul-Hermes. Da sie die Begründung der Impfzentrumsmitarbeiter nachvollziehen konnte, verzichtete sie auf ein Vorsprechen beim Impf-Arzt: „Eine solche Bescheinigung kann sich ja jeder selbst ausdrucken. Ohne Stempel und Unterschrift ist sie wertlos.“

Aufgebracht und enttäuscht versuchte die Neuenraderin noch während der Rückfahrt ihren Arzt im Medizinischen Versorgungszentrum Neuenrade (MVZN) telefonisch zu erreichen. „Ich weiß nicht, wie oft ich die Nummer gewählt habe. Aber natürlich hat sich niemand gemeldet, wie immer.“

Keine Entschuldigung von der Praxis

In Neuenrade angekommen wollte die 54-Jährige ihrem Ärger sofort Luft machen, ließ sich von ihrem Mann zum MVZN fahren – und war äußerst hartnäckig: „Ich habe so lange geklopft und auf die zugeklebte Klingel gedrückt, bis irgendwann doch jemand geöffnet hat.“

Lautstark habe sie sich dann bei der Arzthelferin beschwert und eigentlich eine Entschuldigung erwartet: „Die kam aber nicht.“ Stattdessen habe der Mediziner seine Mitarbeiterin lediglich angewiesen, die Bescheinigung mit einem Stempel zu versehen und zu unterschreiben.

Inzwischen hat Beate Schwartpaul-Hermes ihre erste Corona-Schutzimpfung erhalten. Online sei die Terminbuchung allerdings nicht möglich gewesen, „weil ich laut System ja schon einen Impf-Termin hatte“. Wieder habe sie viel Zeit mit Telefonieren verbringen müssen. „Ich war glücklich, als ich jemanden dran hatte, meine Situation erklären und einen neuen Termin vereinbaren konnte.“

MVZN telefonisch nicht erreichbar

Aus Sicht der 54-Jährigen, die sich im MVZN ohnehin nicht gut aufgehoben fühlt, ist die Bescheinigungspanne auch nur die Spitze des Eisbergs: Beate Schwartpaul-Hermes ärgert sich darüber, dass sie ihren Hausarzt nicht telefonisch erreichen könne: „An einem Morgen habe ich dort 17 Mal angerufen – ohne Erfolg. Jedes Mal lief nur der Anrufbeantworter. Dann hört man die Ansage, dass man es später noch einmal versuchen oder eine E-Mail schreiben soll. Was soll denn jemand machen, der dringend einen Arzt benötigt?“

Auch die Terminvergabe per E-Mail ist aus Sicht der Neuenraderin nicht praktikabel. „Ich habe schon mal eine E-Mail geschrieben. Dann kam die Terminmitteilung per Mail zurück, aber zum angegebenen Zeitpunkt hatte ich bereits eine andere Verpflichtung.“ Es müsse doch möglich sein, Termine am Telefon abzusprechen, moniert Beate Schwartpaul-Hermes. „Ansonsten ist man ja auch gezwungen, ständig seine Mails zu kontrollieren.“

Hohes Arbeitsaufkommen

Michael Beringhoff, medizinischer Leiter des MVZN, bedauert die Panne im Hinblick auf die Impf-Bescheinigung: „Das ist keine Frage, dieser Fehler ist hier bei uns passiert.“ Allerdings sei das Arbeitsaufkommen im MVZN, in dem neben Michael Beringhoff mittlerweile noch die Ärztinnen Renate Bojarzin-Kraus und Mohana Thayapararajah tätig sind, enorm hoch, gibt der Mediziner zu bedenken.

Das gelte im Übrigen auch für die Anzahl der Telefonate, die täglich angenommen werden müssten. „Wir könnten dafür theoretisch noch zwei weitere Mitarbeiterinnen beschäftigen“, stellt Beringhoff fest. Auch aus diesem Grund habe man sich dazu entschlossen, die Patienten um die Kontaktaufnahme per E-Mail zu bitten.

„Alternativ können sie uns auch eine Nachricht in den Briefkasten werfen und wir rufen dann zurück“, erklärt er. Insbesondere die E-Mail-Kontaktaufnahme werde von den Patienten auch sehr gut angenommen: „Eine Mitarbeiterin beantwortet neben ihrer Telefontätigkeit den ganzen Tag über E-Mails.“ Sollte ein echter Notfall vorliegen, gelte es für den betroffenen Patienten ohnehin, die Notrufnummer 112 zu wählen, unterstreicht Michael Beringhoff.

Hausarzt gewechselt

Dass im MVZN so verfahren werde, dass Patienten nur zum Termin ins Haus kommen sollen, hänge natürlich mit der Corona-Pandemie und dem Infektionsschutz zusammen. „Wir möchten die Kontakte auf das notwendige Minimum reduzieren. Bisher sind wir gut durch die Pandemie gekommen und haben noch keinen Infektionsfall in der Praxis gehabt. Das soll auch so bleiben“, erläutert der Leiter des MVZN.

Beate Schwartpaul-Hermes hat sich inzwischen einen anderen Hausarzt in einer Nachbarstadt gesucht. Sie stellt fest: „Diese Praxis ist telefonisch erreichbar, wenn ich Probleme habe. Terminabsprachen sind möglich. Und es gibt ein Telefon für Notfälle. Dort kann man anrufen, wenn es dringend ist, aber eben nicht so dringend, dass man einen Krankenwagen benötigt.“

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