Affelner Landarzt

Praxis-Schließung: Viele Patienten sind unsicher

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Die Arztpraxis in Affeln schließt Ende September endgültig ihre Türen.

Affeln - Ab Oktober müssen sich viele Affelner einen anderen Arzt suchen: Die Filiale der Landarztpraxis Beringhoff wird geschlossen. Die Patienten sind unsicher, zeigen aber auch Verständnis.

Patienten scheint es genügend zu geben an diesem Vormittag. Das Wartezimmer ist zeitweilig voll besetzt. Erfahren haben es alle, die hier sitzen oder stehen – entweder aus der Zeitung, vom Arzt selbst oder durch Bekannte.

„Gerade für ältere Menschen ist das schlimm“, sagt Harald Levermann, dessen Eltern beide jenseits der 80 sind. „Uns wird nichts anderes übrig bleiben als nach Neuenrade zu fahren.“ Um die Notfallversorgung steht es aus seiner Sicht nicht wesentlich besser. „Das Krankenhaus in Balve zu schließen, war das Schlimmste, was man machen konnte.“

Die Ärzte sind schon im Rentenalter

Doch nicht nur die Patienten, auch die Ärzte werden älter: Dr. Ludger Schulte und Hannelore Berg, die hier noch praktizieren, sind beide im Rentenalter. „Ich kann verstehen, dass sie jetzt in Ruhestand gehen wollen. Schade ist es trotzdem“, sagt Gerhard Kühn. So wie viele der Patienten, schätzt er die kurzen Wartezeiten in der Landarztpraxis.

Seit mittlerweile 35 Jahren kommt das Ehepaar Danne in die Praxis. „Die verdammten Krankenkassen“, versucht Alois Danne seinen Ärger in Worte zu fassen. Er und seine Frau werden künftig wohl regelmäßig dem Balver Gesundheits-Campus einen Besuch abstatten.

Viele sehen die Politik in der Pflicht

Dass auch Ärzte ihren Ruhestand genießen möchten, nimmt ihnen hier niemand übel. Dass die Politik schon längst habe gegensteuern müssen, da sind sich aber alle einig. „Schon vor 20 Jahren hätte man Ärzte unterstützen müssen, die sich hier niederlassen wollen“, findet Alois Danne.

Mittlerweile ist es leerer geworden, die Sprechstunde neigt sich ihrem Ende zu. Früher war in dem Gebäude die Sparkasse. Auch sie hat dem Dorf vor Jahren den Rücken gekehrt. Anders als beim Arzt, lassen sich viele Bankgeschäfte mittlerweile von zu Hause erledigen.

„Vor 25 Jahren habe ich noch geholfen, die Räume umzubauen“, erinnert sich Harald Levermann. So wie er, haben viele eine persönliche Beziehung zu ihrem Arzt. „Es ist einfach traurig“, findet Gerhard Kühn.

Michael Beringhoff macht aber vielen etwas Mut: „Eine Mitarbeiterin macht Hausbesuche bei immobilen Patienten. Das wird ein zusätzliches Angebot von uns sein.“

Keine Praxis mehr in Affeln

Mit Ablauf des Septembers schließt die Landarztpraxis in Affeln ihre Türen. Als Grund werden Nachwuchsprobleme genannt: Zu wenige junge Ärzte möchten sich in ländlichen Gegenden wie Neuenrade niederlassen. Die Rezeptsammelstelle und der Medikamenten-Bringdienst bleiben in Affeln erhalten, genauso wie die Praxis von Michael Beringhoff in Neuenrade.

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