Norman Gadomski und sein Team „Free Motion“ lieben den natürlichen Sport

Parkour: Mehr als nur ein Sport – vielmehr eine Philosophie

Der Salto: „Spektakulär, aber es gibt mental anspruchsvollere Herausforderungen“, sagt Norman Gadomski.

NEUENRADE - Parkour. Die Kunst, sich katzenartig durch seine Umwelt zu bewegen und Hindernisse zu überwinden, ist weit mehr als nur der Sport an sich. Für viele Traceure, so nennt man die Athleten, ist Parkour eine Art Lebenseinstellung. „Disziplin, Zielstrebigkeit und Trainingsfleiß sind elementare Bestandteile“, sagt Norman Gadomski, der die Sportart seit 2007 ausübt – meistens zusammen mit seinem Team Free Motion, zu dem seine Frau Marina sowie die beiden Freunde Luca Schlagner und Samuel „Sammy“ Koch gehören.

Von Markus Jentzsch

Ein Video weckte Normans Interesse am Parkour. „Erst habe ich das nur halbherzig zum Spaß gemacht. Später wurde mehr daraus“, sagt der 20-jährige Affelner, wenn er sich an die Anfänge erinnert. Als eher unbeweglich und mit dem einen oder anderen Kilogramm zu viel auf den Rippen stieg er ein. Heute trainiert er mindestens drei mal pro Woche, nicht selten werden fünf Einheiten daraus. Gesunde Ernährung, ein Gespür, was dem eigenen Körper gut tut, beziehungsweise ihm schadet, und eine realistische Einschätzung der Risiken bilden die Basis. „Viele haben ein völlig falsches Bild von Parkour. Die ersten Fragen lauten meistens: Kannst du einen Rückwärtssalto, springt du auch von Dach zu Dach und du musst bestimmt schnell vor der Polizei weglaufen“, gibt Gadomski Fragen wieder, die häufig an Parkour-Athleten gestellt werden. „Alles Quatsch. Was die Risiken angeht, stelle ich mir immer die Frage: Was bringt es mir, was kann es mir nehmen, wenn es nicht klappt?“, erklärt er und fügt hinzu, dass Parkour nicht davon lebt, von einem Hochhaus zum anderen zu springen. „Ich kann einen ganzen Tag lang an einer Bürgersteigkante trainieren“, versucht der Affelner zu verdeutlichen, dass Parkour keine Sporthalle mit Weichbodenmatten, aber auch keine Hochhäuser benötigt, um einen Sportler weiterzubringen. Eigene Ideen umzusetzen, eigene Bewegungen zu trainieren, sei ihm wichtig. Natürlich gebe es auch so etwas wie Vorbilder, Norman Gadomski bezeichnet die Top-Athleten aber eher als inspirierende Personen. „Jeder muss seinen eigenen Weg finden“, betont er.

Kleinere Blessuren gehören dazu, sagt Norman, Parkour sei aber nicht so gefährlich wie Handball oder andere Mannschaftssportarten, wo viele Faktoren zu Verletzungen führen können. „Wir checken die Location ganz genau und schätzen die Risiken ab. Ich möchte den Sport ja schließlich noch lange betreiben.“

Seit 2007 gehört Parkour zum Leben von Norman Gadomski und seinem Team. „Es ist viel mehr als nur der Sport. Wenn ich kaputt von der Arbeit komme, gehe ich trotzdem trainieren, egal ob es regnet oder ich eigentlich keinen Bock habe. Nach 15 Minuten bin ich dann wieder voll da und am Ende falle ich glücklich und zufrieden ins Bett“, beschreibt der Traceur einen tyischen Tagesablauf. Schön sei auch, dass der Sport Grenzen überschreitet. Wenn die Free-Motion-Gang mit anderen zum Beispiel in Dortmund oder Hagen trainiert, interessiert keine Religion, keine Hautfarbe, keine politische Gesinnung – „Wir haben Spaß an der Bewegung. Manchmal kenne ich die anderen nicht mal beim Namen. Trotzdem sind wir Gleichgesinnte“, bringt Norman Gadomski Parkour auf den Punkt.

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