Planfeststellung im Sommer oder Herbst 2022

Ortsumgehung für Neuenrade: Gelbbauchunke macht die Trasse frei

In Küntrop würde ein Kreisverkehr mit einem Abzweig für die Umgehung südlich von Neuenrade angelegt. Lastwagen, die hauptsächlich die Firmen im Industriegebietskomplex Küntrop/Garbeck beliefern, müssten dann nicht mehr durch die Innenstadt fahren.
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In Küntrop würde ein Kreisverkehr mit einem Abzweig für die Umgehung südlich von Neuenrade angelegt. Lastwagen, die hauptsächlich die Firmen im Industriegebietskomplex Küntrop/Garbeck beliefern, müssten dann nicht mehr durch die Innenstadt fahren.

Die Realisierung der Ortsumgehung B 229n rückt näher. „Es gibt im Bereich des geplanten Trassenverlaufs keine schützenswerten Tiere. Auch keine Gelbbauchunken, der Gutachter hat alles untersucht und keine Tiere gefunden.“

Auch andere planungsrelevante Arten würden dort nicht vorkommen. „Die Umweltverträglichkeitsprüfung ist für uns damit abgehakt. Die Ergebnisse der Untersuchung werden weitergeleitet und fließen in die Unterlagen ein“, sagte Andreas Berg, Sprecher des Landesbetriebs Straßen.NRW, auf Nachfrage.

Die Gelbbauchunke hatte die Planungen zuletzt massiv verzögert. Denn ein Exemplar der überaus seltenen Reptilienart war im Bereich der geplanten Umgehungsstraße gefunden worden. Weil die Gelbbauchunke eine planungsrelevante Art ist und nicht gefährdet werden darf, leierte Straßen.NRW die erforderlichen Untersuchungen an. Amphibien-Experten hatten sich über den Fund des Tieres extrem gewundert, weil die Region um Neuenrade nicht zum Verbreitungsgebiet dieser Art gehört. Die Unken-Population war letztlich wohl zu klein, um sich zu halten. Gerüchte, die Unke sei ausgesetzt worden, um die Straße zu verhindern, die in Neuenrade nach dem Fund schnell aufgekommen waren, ließen sich im Nachgang weder bestätigen noch dementieren, sagte Berg.

Straßen.NRW will nun Tempo machen

Diplom-Ingenieur Kevin Lass, zuständiger Projektleiter in der Planungsabteilung der Landesbehörde, ist nun davon überzeugt, dass der Aufstellungsbeschluss für das Planfeststellungsverfahren voraussichtlich im Sommer oder Herbst nächsten Jahres erfolgen kann. Bis dahin seien wohl alle Unterlagen auf dem aktuellen Stand. Jetzt gelte es noch den Lärmschutz nach den gerade erst heraus gekommenen neuen Richtlinien zu bearbeiten. „Die neuen Grenzwerte sind schärfer“, betonte Lass. Er habe extra gewartet, damit die Unterlagen besonders aktuell seien. Dabei gehe es um den Lärmschutz für die geplante Trasse. Es würden aber auch Aussagen darüber getroffen, um wie viel geringer die Emissionen an der Hauptstraße wohl würden.

Viele der Planungsunterlagen müssten aufgearbeitet werden, weil sich Rahmenbedingungen und Grenzwerte geändert hätten sowie Untersuchungen und Gutachten nötig würden, die bei der ursprünglichen Planung noch gar keine Rolle gespielt hätten. Lass nannte als Beispiel die neue Wasserrahmenrichtlinie. Nun sei die Aktualisierung der Unterlagen ziemlich weit gediehen. Der Plan enthalte 20 bis 25 Teilunterlagen. Allein der textliche Erläuterungsbericht umfasse schon jetzt 100 Seiten.

Anwohner können Bedenken vortragen

Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens gibt es für Anwohner die Gelegenheit, Anregungen und Bedenken vorzutragen. Gegebenenfalls sind wohl Anhörungstermine oder auch Gerichtsverfahren möglich.

In Küntrop würde ein Kreisverkehr mit einem Abzweig für die Umgehung südlich von Neuenrade angelegt. Lastwagen, die hauptsächlich die Firmen im Industriegebietskomplex Küntrop/Garbeck beliefern, müssten dann nicht mehr durch die Innenstadt fahren.

Als nächster Schritt im Anschluss folgt der Planfeststellungsbeschluss. „Mit dem Planfeststellungsbeschluss haben wir Baurecht, können die Aufträge ausschreiben und in die Ausführungsplanung gehen“, erläuterte Lass. Nach dem Zuschlag an den Straßenbauer geht es an die Terminierung.

Das Projekt wird deutlich teurer

Mit der Modernisierung der Planungen ändern sich auch gewisse andere Parameter, zum Beispiel die Finanzen. Lagen die Kosten in den ursprünglichen Planungen noch bei 20 Millionen Euro, so kann diese Kostenschätzung nicht mehr eingehalten werden. „Die Baukosten sind insgesamt gestiegen“, sagte Lass. Er kalkuliert bei der Entwicklung des Baupreisindexes „mit einem Faktor von 1,7“. Letztlich rechnet der Projektleiter mit einem Volumen von rund 30 Millionen Euro.

Nachdem es in Sachen Ortsumgehung, die den Lkw-Verkehr aus der Innenstadt verbannen soll, lange ruhig war, schreiten die Planungen nun also voran. Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hatte 2018 „die politische Bremse gelöst“, nachdem die Pläne 2011 wohl auf Druck der Grünen zunächst auf Eis gelegt worden waren. Auch die Grünen in Neuenrade sind gegen diese Ortsumgehung, die CDU hingegen befürwortet diese. Eine sicher nicht spannungsfreie Kombination, denn Grüne und CDU kooperieren seit den Kommunalwahlen 2020 bei der politischen Arbeit.

Interessengemeinschaft will Trasse verhindern

Die Umgehungsstraße hat weitere Gegner: So gibt es die Interessengemeinschaft B 229n, die gegen die eng an die Wohnbebauung angelegte Trassenführung ist. Man fürchtet die Emissionen, die Zerstörung der Natur, die Kosten, man vermisst eine Anbindung der Umgehungsstraße an die Neuenrader Innenstadt.

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