Gedenktafel ziert die Friedenseiche

+
Ortsvorsteher Ludger Stracke schritt zur Tat und befestigte die aus Metall bestehende Gedenktafel an der 100-jährigen Friedenseiche oberhalb des Flugplatzes Küntrop.

Küntrop - Der offene Arbeitskreis Küntrop hat jetzt dafür gesorgt, dass an der Friedenseiche eine Gedenktafel angebracht wird. 

Seit einem Jahrhundert steht die Friedenseiche oberhalb des Flugplatzes Küntrop. Aber vielen Hönnestädtern waren genauere Einzelheiten nicht bekannt, wann und aus welchem Grund der Baum an diesem Standort gepflanzt wurde. Der Offene Arbeitskreis Küntrop (OAK) hat sich jetzt der Sache angenommen – und eine Gedenktafel aus Metall mit den Worten „100 Jahre Friedenseiche 1919 - 2019“ an dem Eichenstamm befestigt. 

Mit einigen Worten brachte Ortsvorsteher Ludger Stracke am Wochenende etwas mehr Wissen in die recherchierte Vergangenheit. Von seinem Vater Klemens und seiner Schwiegermutter Marianne sei er auf die Friedenseiche angesprochen worden. Auch beim Schützenfest hätten die Küntroper wissen wollen, was es mit diesem besonderen Baum auf sich habe. Die Suche nach den Antworten auf diese Fragen habe zwar nicht zur endgültigen Klarheit geführt, aber vermutlich sei die Eiche aus Anlass des Friedensvertrages von Versailles im Juni 1919 gepflanzt worden. 

Der Vertrag war kurz zuvor bei der Pariser Friedenskonferenz unterzeichnet worden und beendete den Ersten Weltkrieg auf völkerrechtlicher Ebene. „Tatsächlich steht dieser Baum hier an Ort und Stelle friedlich und unbescholten seit 100 Jahren“ sagte Stracke und fügte hinzu, dass mit dem Anbringen der Gedenktafel „auch die heutigen Teilnehmer zu Botschaftern des Friedens in Küntrop werden“. 

Stracke erinnerte an den November 1918, als die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs mit dem Waffenstillstand von Compiègne beendet wurden. Erst die Pariser Friedenskonferenz im Schloss von Versailles führte allerdings auch formell zum Frieden. Ergebnis: Ein Friedensvertrag, in dem Deutschland die alleinige Verantwortung zugewiesen wurde und Gebietsabtretungen, Abrüstungen und Reparationszahlungen an die Siegermächte zur Folge hatte. Im Juni 1919 hatte Deutschland unter Protest im Spiegelsaal von Versailles den Vertrag unterzeichnet. 

Küntrops Ortsvorsteher ging mit seiner Rede auch nicht vorbei „an nationalsozialistischen Gesinnungen, die heute in ganz Europa wieder auf den Vormarsch sind“. Es gelte jede Gelegenheit zu nutzen, das friedliche Miteinander in demokratischen Strukturen hervorzuheben und vor gefährlichen Ideologien zu warnen. Mit Blick auf die Veranstaltung der „Bürgerinitiative Großmoscheebau verhindern“ mit Pegida-Aktivist Michael Stürzenberger auf dem Platz der Burgschule sagte Stracke: „Gerade in Neuenrade erscheint mir dies derzeit besonders angebracht.“ Die Gedenktafel an der Friedenseiche sei daher als „Zeichen der Friedensbemühungen“ zu werten. 

Ein Dankeschön gab es für Stefan Zutz, der das Schild über seine Firma Metallfisters gefertigt und gespendet hatte, nachdem die Grund- und Bodeneigentümer Norbert und Brigitte Stork ihre Einwilligung gegeben hatten. Der Offene Arbeitskreis, der die Aktion im Rahmen einer Wanderung mit etwa 40 Küntropern durchführte, war unter Leitung von Wanderführer Eckhard Ross zunächst zur Friedenseiche und danach zur scherzhaft bezeichneten Bushaltestelle im „Wolle“ marschiert. Das Anbringen der Gedenktafel wurde von allen Teilnehmen mit zustimmenden Worten begrüßt. 

Angeregt wurde auch, die zugewucherte Aussichtsplattform auf dem Kohlberg/Großer Attig (wir berichteten) zur weiteren Nutzung im Bereich der Friedenseiche aufzustellen – sofern dazu rechtliche Fragen geklärt werden könnten und das Einverständnis der Eigentümer vorliege. Von der Friedenseiche aus ist der Blick über einen Großteil von Neuenrade, aber auch über den Flugplatz Küntrop und teilweise die Ortschaft möglich. Spontan erklärte sich im Gespräch mit Ortsvorsteher Ludger Stracke ein Küntroper bereit, die Aussichtsplattform „kostenlos hier aufzubauen“, falls dies rechtlich möglich sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare