Kamera und Stift immer dabei

Öffentlichkeitsarbeit der Neuenrader Feuerwehr im Fokus

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Nils Kohlhage ist bei der Feuerwehr zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Zu seiner Ausrüstung gehört auch die grüne Weste, auf der in großen Buchstaben „Einsatzdokumentation“ zu lesen ist.

Neuenrade - Das Blaulicht leuchtet auf, das Martinshorn ertönt – wenn die Retter der städtischen Feuerwehr zu ihren Einsätzen ausrücken sorgt das für Aufmerksamkeit. Und dann kommt es auch zu Spekulationen. Immer mehr Feuerwehren entscheiden sich deshalb für eine aktive Öffentlichkeitsarbeit.

„Die digitale Welt gewinnt an Bedeutung“, betont Nils Kohlhage, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der heimischen Feuerwehr. 

Im Jahr 2011 sei erstmals die Idee entstanden, den Online-Auftritt zu erneuern und die Medienarbeit professioneller zu gestalten. „Bis dahin gab es fast keine umfassenden Berichte von den Einsätzen und unserer Arbeit“, erinnert sich Nils Kohlhage. 

Früher Spekulationen im Internet

Dabei sei diese Arbeit wichtig. Bei früheren Einsätzen wäre es oft vorgekommen, dass bereits beim Ertönen des Martinshornes wilde Spekulationen im Netz entstanden seien. „Da wurde aus einer Ölspur schnell mal ein großer Unfall und aus einer qualmenden Mülltonne ein Wohnungsbrand.“ 

In Erinnerung ist ihm vor allem ein First-Responder-Einsatz geblieben. „Damals wurde ein Mädchen auf einem Spielplatz ohnmächtig und musste ärztlich versorgt werden. Im Internet entstand allerdings die Fassung, dass die Leiche eines Kindes gefunden worden sei.“ 

Solche Falschmeldungen seien vor allem für die Angehörigen eine Qual. „Jeder sollte sich einmal selbst überlegen, ob solche Spekulationen etwas im Netz verloren haben“, gibt Kohlhage zu Bedenken. 

Diesen Einsatz am Schlader Weg in Küntrop dokumentierte Nils Kohlhage am 9. Januar 2015 mit seiner Kamera.

Um seine Idee einer besseren Informationspolitik schnellstmöglich umzusetzen, habe er damals bei der Führungsebene der Feuer angefragt. Anschließend sei der Plan auch der Stadt vorgestellt und schließlich von allen Beteiligten abgesegnet worden. 

Im Jahr 2012 wurden die ersten Veränderungen eingeleitet. Erst wurden vermehrt Zeitungsartikel geteilt. Irgendwann fing Nils Kohlhage dann an, selber Fotos zu schießen und Berichte zu schreiben. 

Dabei hätten sich die Verantwortlichen der Feuerwehr eine Art Medienstrategie überlegt. „Wir wollen alles professionell und distanziert darstellen und produzieren. Wir treten ja als Behörde auf.“ Regelmäßig wird etwas auf der Internetseite und der Facebookseite eingestellt. 

Presse-Equipment

Die Presse- und Medienarbeit sei vom Leiter der Truppe damals an Nils Kohlhage delegiert worden. Unterstützt wird Kohlhage bei seiner Arbeit auch von Hendrik Raffael. Dieser macht ebenfalls Fotos. 

Nils Kohlhage führt bei den Einsätzen ein Equipment bei sich. Neben Stift, Papier und Kamera hat er auch eine Weste und ein Namensschild, die ihn als Zuständigen für die Öffentlichkeitsarbeit ausweisen. 

„In erster Linie bin ich aber ein normales Mitglied der Feuerwehr.“ Die Prioritäten sind klar gesetzt: Menschenleben retten und hohe Sachwerte schützen geht vor. Erst danach wird die Kamera ausgepackt, um ein paar Fotos zu schießen. 

„Wenn ich allerdings nach einer halben Stunde unter Atemschutz aus einem brennenden Haus komme, dann brauche ich natürlich erstmal eine Pause“, erklärt Kohlhage schmunzelnd. 

Zuhause angekommen folgt dann die eigentliche Medienarbeit. Fotos einspeisen, Texte verfassen und ins Internet hochladen. „Klar das ist manchmal ein ganz schöner Aufwand.“ Oftmals müsse er auch noch mit dem zuständigen Einsatzleiter telefonieren, um Informationen zu sammeln. 

Dass sich die Arbeit lohne, merke er oft an den positiven Rückmeldungen. „Wir erhalten für die Medienarbeit viel Lob“, berichtet er. Auch die Spekulationen im Internet seien zurückgegangen. Immer öfter verweisen Nutzer nun auf den Internetauftritt der Feuerwehr. „Der Weg den wir gehen, ist der Richtige. Besonders Facebook hat ein riesiges Potenzial für uns“, betont er. 

Große Reichweite

Auch die Reichweite, die die Artikel der städtischen Feuerwehr erzielen, sei beeindruckend. „Da können wir mit den anderen Feuerwehren aus dem Kreis durchaus mithalten“, sagt Nils Kohlhage. 

Natürlich würden auch mal Fehler passieren. „Daraus lernen wir dann.“ Sein Rat an öffentliche Einrichtungen, Behörden und andere Institutionen: „Die Möglichkeiten des Internets entdecken und abwägen, ob man diese nutzen soll.“

Manche Kommentare seien beispielsweise unter der Gürtellinie. Rassismus, Beleidigungen – das gehe gar nicht, bekräftigt er. „Da wirken wir auch aktiv entgegen und löschen Kommentare. Die Nutzer erhalten anschließend von uns eine Nachricht, warum ihr Posting entfernt wurde.“ 

Dass dies aber lediglich Ausnahmen seien, freue ihn. „Ich bin gerne Feuerwehrmann in dieser Stadt. Die Öffentlichkeitsarbeit macht mir viel Spaß.“

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