Moscheebau: Fragen und Antworten

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Hamit Yilmaz, Vorsitzender des türkisch-islamischen Kulturzentrums

Neuenrade - Der geplante Moscheeneubau in Neuenrade gehört weiter zu den beherrschenden Themen in der Hönnestadt.

Die Gründung der Bürgerinitiative gegen den Moscheeneubau, der Auftritt des Islamgegners Michael Stürzenberger, aber auch das Fest im Stadtpark für ein Miteinander der Kulturen hat für Diskussionsstoff gesorgt. Themen wie die Finanzierung oder auch die angebliche Überdimensionierung der geplanten Moschee sind Reibungspunkte. Hamit Yilmaz, Vorsitzender der Gemeinde gibt Auskunft. Hier ein erster Teil. 

Warum will die türkisch-Islamische Gemeinde eine neue Moschee?

 Die Gemeinschaft ist in den vergangen Jahren kontinuierlich gewachsen und zu groß für die ehemalige Tankstelle an der Bahnhofstraße geworden. Die Gemeinschaft muss sich bei Zusammenkünften aufteilen. Aktuell müssen vier Gebäude nebeneinander genutzt werden. Feierlichkeiten und Zusammenkünfte müssen auf drei Tage verteilt werden, weil nicht genug Platz ist. Die muslimischen Neuenrader wollen alle zusammen ihre Kultur und Religion leben. Zudem sucht die Gemeinde seit 15 Jahren nach einem Platz für eine ordentlichen Gotteshaus.

 Ist die geplante Moschee mit Platz für 500 Menschen überdimensioniert und was geschieht dort? 

Allein 240 Kinder sind aktuell an der Moschee angemeldet. Sie lernen den Koran zu lesen, erlernen die Rituale des islamischen Glaubens. Addiert man die Eltern hinzu, kommt man schon auf 720 Personen. Insgesamt gibt es in Neuenrade wohl 1200 Muslime. Zudem soll es auch eine Art Gemeindezentrum werden. Daher die Schulungs- oder Klassenräume, außerdem wird es eine Großküche geben, wo Kochkurse abgehalten werden können und ein nicht gewerbliches Restaurant, hinzu kommen ordentliche Sanitäranlagen, Gebetsraum und mehr. Das Gebäude sei ein Kompromiss. Der Gebäude-Stil komme sowohl den konservativen Mitgliedern der Gemeinde entgegen, enthalte auch europäische Elemente und wurde mit Politik und Verwaltung abgestimmt. Es gibt Minarette, die in Richtung Industriestraße zeigen, die Rückseite des Gebäudes zeigt zum Schöntaler Weg, ist eher unauffällig.

Wie wird die Moschee finanziert? 

Konten bei der Volksbank dokumenieren das: Yilmaz gewährt Einblick in ein gut gefülltes Sparkonto für das Moscheeprojekt, hinzu komme ein Spendenkonto, auf das laufend Geld eingehe, zudem gebe es Solidaritätsspenden aus anderen Gemeinden sowie Aufrufe in den sozialen Netzwerken und Crowdfunding-Aktionen. Auch schaue man sich Aktionen anderer Moscheegemeinden an. So hofft Yilmaz, dass man über ein Youtube-Aktion mit Hilfe eines prominenten Buchautors Geld einsammelt. Sozusagen eine Art Spendengala. Zudem gibt es einen Verkaufserlös, die Stadt hat den alten Moschee-Komplex an der Bahnhofstraße erworben. Hinzu kommt beim Bau des neuen Moscheekomplexes die Eigenleistung der Mitglieder. Es gibt Fliesenleger, Elektriker und andere Handwerker. Inzwischen sei genug Geld vorhanden, um anfangen zu können, es wird mehrere Abschnitte, je nach Geldmitteln, geben. Zudem gibt es die Mitgliedschaft beim Moscheebau-Unterstützungsverein. Das wäre die letzte Option, um fehlende Baumittel als Kredit zu bekommen. Grundsätzlich sehe sich die Neuenrader Gemeinschaft in der Lage, alles allein zu finanzieren. Insgesamt rechnen die Verantwortlichen des türkisch-islamischen Kulturzentrums mit 1,5 Millionen Euro bis 2 Millionen Euro.

 Welche Rolle spielt die Emug noch? 

Der Moscheebauunterstützungsverein Emug ist Bauherr und wird im Grundbuch eingetragen. Die Neuenrader Gemeinschaft pachtet das Objekt. Es sei vertraglich so geregelt, dass sie „für immer und ewig“ die Rechte an der Nutzung haben.

 Was hat die Aktion der Bürgerinitiative und der Auftritt Michael Stürzenbergers bei der Gemeinschaft bewirkt? 

Hamit Yilmaz: „Ich habe allen geraten, nicht dorthin zu gehen, um eine Eskalation zu vermeiden. Das war ein Scheißgefühl. Aber nach der Aktion hatten wir viel Zuspruch und Unterstützung von vielen Neuenradern. Das hat alle hier gefreut. Außerdem habe ich mich, auch als ich soviel Rückendeckung von der Stadt bekommen habe, erstmals als Moslem hier aufgehoben gefühlt.“

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