Eltern sind dankbar für das Angebot

Notbetreuung: Risiken minimieren

Wenige Kinder in der Kita
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Notbetreuung in den Kindertageseinrichtungen: Auch in Neuenrade und Werdohl besuchen coronabedingt nur wenige Mädchen und Jungen die Kitas.

Die Notbetreuung in den Kindertageseinrichtungen in Neuenrade und Werdohl läuft reibungslos.

„Die Absprache mit den Eltern klappt wirklich sehr gut.“ In diesem Punkt sind Kim Schwabbauer, die Leiterin der städtischen Kindertageseinrichtung in Affeln, und Nina Kersting-Dunker, Geschäftsführerin der Villa mittendrin gGmbH, einer Meinung. Viele Mütter und Väter seien dankbar, dass sie die Notbetreuung in den Kindergärten in Anspruch nehmen dürften. Auch, wenn der Gesetzgeber die maximale Betreuungszeit auf 35 Stunden begrenzt habe.

Eltern sind nicht in der Beweispflicht

In der Villa mittendrin und der Dependance, der Villa am Wald, würden momentan weniger als 30 Kinder betreut; normalerweise sind es 95 Mädchen und Jungen. „Die Eltern müssen keinen Beweis antreten, dass sie auf die Betreuung angewiesen sind. Das ist vom Gesetzgeber so gewollt. Und es geht uns auch nichts an, warum sich jemand überlastet fühlt. Die Gründe können völlig unterschiedlich sein“, stellt Nina Kersting-Dunker fest.

Sie lobt die Kooperationsbereitschaft der Erziehungsberechtigten, die es ermögliche, die Zahl der Betreuenden in der Kita so gering wie möglich zu halten. So könne das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus minimiert werden. Dennoch weiß Kersting-Dunker auch um Ängste im Betreuungsteam: „Allerdings sind diese stark von der persönlichen Situation abhängig. Kollegen die vorerkrankt sind oder auch zuhause ältere Angehörige pflegen, sind natürlich besonders vorsichtig.“

Ängste im Betreuungsteam

In diesen Fällen werde aber keine Mitarbeiter zur Präsenz in der Kita gezwungen, unterstreicht auch Kim Schwabbauer: „Der Träger nimmt Ängste sehr ernst und reagiert darauf.“ So sei es durchaus möglich, Erzieherinnen ins Homeoffice zu schicken. „Dann sind sie nicht in der direkten Betreuungsarbeit tätig, sondern erledigen andere Aufgaben, zum Beispiel im Bereich der Dokumentation.“

Allerdings habe es in der Affelner Kita bisher noch keinen Corona-Fall gegeben. „Wir, und natürlich auch die Eltern, halten sich an alle Regeln. Aber natürlich haben wir auch Glück gehabt“, stellt Kim Schwabbauer fest. In der Kita an der Freiheit werden während des Lockdowns etwa 20 Kinder betreut, regulär wären es 67. Wie auch in anderen Einrichtungen sind sie in Kleingruppen aufgeteilt. Großen Wert lege man allerdings nach wie vor auf einen relativ normalen Umgang mit den Kindern. Das Umarmen, wenn beispielsweise ein Kind getröstet werden müsse, gehöre einfach dazu.

Kita-Mitarbeiter reagieren flexibel

In der Kita Sausebraus würden zurzeit etwa 35 Prozent der insgesamt 79 Kinder betreut, berichtet Leiterin Heike Richter-Oltmanns. „Was die Betreuungszeiten angeht sind wir sehr flexibel“, erklärt auch sie, was ihre Kolleginnen Schwabbauer und Kersting-Dunker bereits ausgeführt hatten. Auch an der Uhlandstraße würden einige Kinder an allen Wochentagen, andere nur an ausgewählten Tagen betreut. Mit Blick auf das Ansteckungsrisiko für die Mitarbeiter weiß Richter-Oltmanns: „Auch bei uns gibt es Ängste im Team. Das ist ganz verständlich.“

Dass sich die Erzieherinnen Tag für Tag einem besonderen Risiko aussetzen, weil sie keine Masken bei ihrer Arbeit tragen können, ist auch Kirsten von der Crone sehr bewusst: „Sie verdienen dafür auf jeden Fall unsere Anerkennung“, sagt die Werdohler Jugendamtsleiterin. In Werdohl sei im Verlauf der Pandemie allerdings noch keine Erzieherin einer städtischen Einrichtung durch das Coronavirus erkrankt.

„Ganz schlechte Zeit für Kinder“

In den neun Kitas im Stadtgebiet würden zurzeit etwa 141 Kinder betreut, das entspricht etwa einem Fünftel der Plätze, die insgesamt zur Verfügung stehen. Mit dieser Zahl sei sie keineswegs unglücklich, erklärt die Jugendamtsleiterin: „Sie beweist, dass die Eltern wirklich sehr bemüht sind.“

Allerdings müsse man generell feststellen, „dass diese Zeit eine ganz schlechte für Kinder ist“. Von der Crone: „Aus pädagogischer Sicht ist die lange Schließung der Kitas fast nicht vertretbar.“

AOK-Analyse: Erzieher erkranken häufiger an Covid-19

Beschäftigte, die in der Betreuung und Erziehung von Kindern tätig sind, seien von März bis Oktober des vergangenen Jahres am stärksten von Krankschreibungen im Zusammenhang mit Covid-19 betroffen gewesen. Das zeige eine Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten der AOK-Mitglieder durch das Wissenschaftliche Institut der AOK, wie die Krankenkasse jüngst mitteilte. 2 672 je 100 000 Beschäftigte fehlten demnach in der Berufsgruppe krankheitsbedingt im Zusammenhang mit Covid-19 am Arbeitsplatz. Damit liege der Wert 2,2-fach über dem Durchschnittswert von 1 183 Betroffenen je 100 000 AOK-versicherte Beschäftigte.

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