Norbert Blüm redet in Neuenrade über Europa und die Welt

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Dr. Norbert Blüm war Gastredner beim 10. Sparkassen-Forum, das am Mittwochabend in Neuenrade im Hotel Kaisergarten stattfand. 

Neuenrade - Wenn mit Dr. Norbert Blüm der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Soziales bei einer Veranstaltung zu Gast ist, dann darf natürlich sein wohl bekanntester Spruch – „Die Rente ist sicher!“ – nicht fehlen.

Allerdings fiel das Zitat im Rahmen des 10. Sparkassen-Forums mit dem Thema „Europa in Aufruhr – wie geht es weiter mit Europa und der Welt?“ in leicht abgewandelter Form. 

Nachdem Kai Hagen als Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Sparkassen im Märkischen Kreis den prominenten Gast und knapp 400 Gäste am Mittwochabend im voll besetzten Saal des Hotels Kaisergarten in Neuenrade begrüßt hatte, sagte der überzeugte Sozialpolitiker, dass die Altersbezüge zumindest sichererer seien als Europa. Damit war das Thema des Abends gesetzt: „Ich lade Sie zu einem gemeinsamen Nachdenken ein“, so Blüm. 

Dabei schlug er in den folgenden 60 Minuten einen großen Bogen, der vom Ende des 2. Weltkriegs bis in die Gegenwart reichte. Wann habe es das in der deutschen Geschichte zuvor schon einmal gegeben: 73 Jahre Frieden? Im gleichen Zeitraum davor habe es allein dreimal einen bewaffneten Konflikt gegeben. Immer sei es um die Größe einer Nation und um Grenzen gegangen. „Soll es dorthin wieder zurückgehen?“, fragte Blüm nachdrücklich. 

Mittlerweile „von Freunden umgeben“ 

An die Stelle von Krieg, Hunger und Kälte sei die Freiheitsidee eines vereinten Europas getreten. „Deshalb gehöre ich zu den aufklärerischen Optimisten.“ Ob dies denn alles eine schlichte Romantik für die Volkshochschule sei, schob der CDU-Politiker hinterher – und reichte die Antwort gleich mit einer weiteren rhetorischen Frage nach: „Was hat denn die größten Veränderungen hervorgebracht – etwa Kanonen und Raketen? Nein: Ideen!“ Mit dem Ergebnis, dass wir heute von Freunden umgeben seien. 

Rund 400 Menschen waren in den großen Kaisergarten-Saal gekommen, um sich die Rede von Dr. Norbert Blüm zum Thema Europa anzuhören.

An dieser Stelle ging Blüm kurz auf die Ursprünge des europäischen Gedankens ein. Dass die Gründerväter der Europäischen Union die Bereiche Kohle und Stahl, und damit das Rückgrat der Rüstungsindustrie, in einer Montanunion zusammengefasst hätten, könne gar nicht hoch genug angerechnet werden. Auch die Agrarunion habe den nationalistischen Gedanken einer „Blut und Boden“-Politik in eine gelebte Utopie verwandelt. Derzeit sei auch wieder die Idee einer europäischen Verteidigung aktuell. „Damit schließen sich die Armeen, die einst gegeneinander marschierten, zusammen.“ 

Globale Unordnung als Problem 

Auch die aktuellen Flüchtlingsströme thematisierte der Ex-Minister im Kabinett von Helmut Kohl. Diese seien das Ergebnis einer globalen Unordnung, Ausbeutung und Unterdrückung. „Auch wir sind dafür mitverantwortlich.“ Doch eine globale Unordnung könne nur durch Europa und nicht durch ein einzelnes Land gelöst werden. „Wenn 500 Millionen Europäer auf einer Insel des Wohlstandes in einem Weltmeer des Elends nicht in der Lage sind, fünf Millionen Flüchtlinge aufzunehmen, dann schließt den Laden wegen moralischer Insolvenz“, meinte Blüm. 

Auch wenn sich einige Länder abzuschotten versuchten: „Keine Mauer in der Weltgeschichte hat jemals gehalten, sei es nun die chinesische Mauer, der Limes oder der eiserne Vorhang.“ Aus diesem Grund bräuchte es einen globalen Migrationspakt, in dem festgeschrieben stehe, dass die Flüchtlinge anständig behandelt werden. 

Zusammenfassend plädierte Blüm dafür, dass keine Frage von weltweiter Bedeutung im Alleingang gelöst werden könne. „Wir sind die gemeinsame Besatzung einer Weltraumfähre, die Leck geschlagen ist. Und wenn das Klima umschlägt, dann gehen wir zusammen unter.“ Dies gelte sowohl für Umweltfragen, als auch für eine entfesselte Finanzwelt. 

Heimat und Region statt Nation 

Die Lösung machte Blüm in einer veränderten und damit auch stärkeren europäischen Ordnung aus. Die Nation verliere an Bedeutung; stattdessen gehe es um die Heimat und die Region, in der die Menschen leben würden.

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