Neuenrader Hans Dickel leitet seit 55 Jahren Laientheater „Das Kleine Studio“

Hans Dickel lebt für das Theaterspielen.

NEUENRADE ▪ Hans Dickel ist ein Mensch, den seine Spontanität ausmacht, seine Kreativität und vor allen Dingen seine hingebungsvolle Liebe zum Theater. Seit nunmehr 55 Jahren hatte er die Leitung des Laientheaterensembles „Das Kleine Studio“ inne. Dieses wird jedoch in diesem Jahr seine letzte Aufführung auf die Bühne bringen.

„Das Theaterspielen ist mein Leben“, zog der 77-jährige eine Bilanz. „Ohne das wäre mein Leben viel ärmer. Ich habe so viele wunderschöne Erfahrungen gemacht.“ Natürlich hätte es auch mal Ärger gegeben, ob mit Aufführungssälen oder den Mitspielern. „In meiner Begeisterung und Leidenschaft habe ich sehr viel verlangt und bin dabei vielleicht manchmal übers Ziel hinaus geschossen“, gab der langjährige Spielleiter zu. Trotzdem sei die Freude überwiegend. „Theaterspielen ist ein Stück von mir. Ich kann gar nicht anders.“

Mit 22 Jahren begann Dickel seine Karriere beim Kleinen Studio. Die Wurzeln reichen jedoch noch viel weiter in seine Vergangenheit: Bereits im zarten Alter von zehn Jahren überzeugte er sein gleichaltriges Publikum mit einer Aufführung im Kasperltheater. Die Puppen und die Bühne hatte das Kind selbst hergestellt; der Schauplatz war der Dickelsche Garten. „Das war der Anfang“, ließ Dickel im Gespräch seine Kindheit Revue passieren. „Da gehört Leidenschaft zu“, ist sich der Schauspieler sicher.

Drei Jahre später wurde ein weiterer Grundstein für die Theaterkarriere des Wittgensteiners gelegt: Der erste Auftritt vor einem richtigen Publikum. Das Schultheater gab in Bad Laasphe Rotkäppchen zum Besten – mit Hans Dickel in der Rolle des Wolfs. Im Anschluss an das Stück erntete der 13-jährige seine erste Kritik von einem fremden Kurbesucher: „Junge, das hast du ganz prima gemacht.“ Das sei ein einmaliges Erlebnis gewesen, „ich war erstaunt“, freute sich der damals schon ehrgeizige Mime.

Auch während seiner Studentenzeit in Dortmund blieb Dickel dem Theater treu. Seine erste Rolle in der studentischen Schauspielgruppe war der Wärter einer Anstalt für Geistesgestörte in Thornton Wilders Stück „Schlafwagen Pegasus“. Sogar an seinen ersten Satz kann Hans Dickel sich noch erinnern: „Ich wollt ich hätt ein Radio hier.“ Sein Erinnerungsvermögen ist ohnehin bemerkenswert: Nachdem sich das Gespenst von Canterville drei Tage vor der großen Aufführung den Arm brach, übernahm kurzerhand Spielleiter Hans Dickel die Hauptrolle. Das war 1958. Auch an die beiden Aufführungen Hugo von Hoffmansthals „Der Tor und der Tod“ hat der ambitionierte Akteur eine „einmalige Erinnerung“. Einmal als Tor und das andere Mal als Tod auf der Bühne, sei er in diesen Rollen völlig aufgegangen. „Ich war wie in Trance wenn ich das spielte; bei den Proben wie versenkt.“ So verwundert es nicht, dass er auch des Nachts die komplizierten Verse im Schlaf rezitierte und damit seine Nachbarn weckte.

40 Jahre lang war Hans Dickel Lehrer für Deutsch, Geschichte, evangelische Religion und Kunst an der Neuenrader Hauptschule – seit dem 1. April 1957. In dieser Zeit hatte er immer eine Theater-AG an der Hand; konnte sogar einige Schüler für das Kleine Studio akquirieren.

„Weil wir es irgendwie nicht lassen können“, wie Hans Dickel augenzwinkernd zugibt, werde die Gruppe weiterhin privat in Kontakt bleiben. Auch kleinste Auftritte vor kleinem Publikum schließt der Theaterliebhaber nicht aus. Trotzdem gehört das Kleine Studio nun endgültig der Vergangenheit an – und mit ihm ein großartiger Spielleiter und Schauspieler, der Neuenrade in den knapp 60 letzten Jahren um viele kulturelle Facetten bereicherte. ▪ Annette Kemper

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