Bürger stellen viele Fragen / Erklärungsbedarf / Bitte um Verständnis

Neues System in der Kritik

+
Systemumstellung: Nagelneue Mülltonnen werden derzeit verteilt.

Neuenrade - Die Umstellung des Neuenrader Müllsystems von Gewicht- auf Volumenbasis sorgt offenbar weiter für Verdruss in der Bevölkerung. 

Zum einen gibt es welche, die frustriert sind, weil sie das bisherige Gewichtssystems als höchst gerecht empfunden haben, zum anderen weil sie das neue System für undurchsichtig halten. Zumindest lässt sich das aus Äußerungen der Verwaltung, Leserreaktionen und nicht zuletzt durch ein vergleichsweise hohes Publikumsinteresse während der öffentlichen Verwaltungsratssitzung am Montag ablesen. 

Bürger misstrauisch

Höchst selten ist es dabei, dass sich einmal Bürger während einer Sitzung blicken lassen oder gar Fragen stellen. Das taten die Bürger und ließen dabei Misstrauen erkennen. 

Es wurden jedenfalls reichlich Fragen gestellt, die all das dokumentieren: So wurde nach dem Entsorgungspreis für die Müllverbrennungsanlage gefragt, zur Kompostierung / Teilkompostierung wurden Fragen gestellt, Sperrmüll und dessen Abrechnung war Thema. Auch die Mülltonnen, sprich Frage nach Austausch und Bezahlung wurden abgefragt. 

Vermutungen wurden geäußert, dass die Tonnen wegen eines angebrachten Strichcodes nach wie vor gewogen würden. Ärgernisse aus Sicht der Bürger, wie die Tatsache, dass Sperrmüll in Müllsäcken plötzlich nicht mehr mitgenommen wurde oder dass Mehrfachleerungen hintereinander bei großem Müllaufkommen nicht möglich seien, wurden ebenfalls artikuliert. 

Die Gewichtsobergrenze pro Tonne wurde genauso angesprochen wie das Fehlen abschließbarer Tonnen. Gut zu tun hatten daher Gerd Schumacher und Marcus Henninger, Stadtwerkevorstände, um hier Antworten zu geben. 

Waage an Fahrzeug wird abgebaut

Auch Salim Kuzu, CDU-Ratsherr und Fahrer des Entsorgungsfahrzeuges, musste ran. So erfuhren die Bürger, dass nicht die Stadt die Tonnen kaufe, sondern, dass die zu Lasten von Entsorger Remondis gehen, sie hörten zudem, dass der Strichcode an den Tonnen allein der Identifizierung der Tonne diene und, das die Waage am Fahrzeug im neuen Jahr abgebaut würde. 

Beantwortet wurde die Frage nach dem Abgabepreis an der Müllverbrennungsanlage („180 Euro pro Tonne“). Die Öffentlichkeit erfuhr, dass der Bürger nun eine eigene Schätzung über das Sperrmüll-Volumen abgeben müsse, die der Fahrer dann auch "Pi mal Daumen" und mit Hilfe der am Wagen angebrachten Einfüllvorrichtung abschätzen und bestätigen müsse. 

Zudem: Die Gewichtsobergrenze für den Müll, so hörten sie, sei ein technischer Wert, denn es müsse ja sichergestellt werden, dass die Mülltonne nicht aufplatze, wenn zum Beispiel ein Bürger die Tonne mit Bauschutt fülle... Und, dass nun keine mit Sperrmüll gefüllten blauen Säcke mehr mitgenommen würden, das sei schon einige Zeit vor dem Systemwechsel eingeführt worden. 

Zudem verwies die Stadtwerkespitze auf zahlreiche Pressemitteilungen, Flyer und Veröffentlichungen auf der Homepage der Stadtwerke, als Bürger von mangelhafter Kommunikation sprachen. Vorstand Marcus Henninger erläuterte noch einmal die Hintergründe (neue Gesetze/Vorschriten) die zum Systemwechsel geführt hätten. 

Letztlich warb man, einschließlich Bürgermeister Antonius Wiesemann, um Verständnis bei den Bürgern. Man könne ja auf keine Erfahrung mit dem Volumensystem zurückgreifen. Und man habe immer die Möglichkeit, nachzubessern – nicht nur im Rahmen der Erprobungsphase. 

Kritik an Sperrmüllentsorgung

Gleichwohl ernteten sie Kopfschütteln. Insbesondere die Sache mit dem Sperrmüll wurde als nicht rechtssicher empfunden. Eine Pauschale für die Entsorgung oder kostenfreies Abholen hätte mancher als besser empfunden, hieß es. Bei den Kommunal-Politikern wurde seitens der SPD vor allem eine adhoc nicht nachvollziehbare Aufbereitung der Berechnungen zu den Entsorgungskosten moniert, FWG aber auch FDP (Claudia Kaluza) monierten die künftige Praxis bei der Sperrmüllentsorgung. 

Und dieser Regelung mochte Heinz Friedriszik (FWG) gar nicht zustimmen. Zwar votierte er am Ende für die Entsorgungssatzung, auch weil die Gebühren erträglich seien, sein Protest gegen die Sperrmüll-Praxis wurde dennoch protokolliert. Auch sein Kollege Bernhard Peters fand die Sperrmüll-Entsorgungspraxis nicht nachvollziehbar. CDU-Ratsherr Uhlig verwies auf die Möglichkeit, das System nachzujustieren und machte noch die Anmerkung, „dass sich die SPD da nichts erkämpft habe“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare