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Neues Hallenbad: Investor zeigt sich gesprächsbereit

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Von: Peter von der Beck

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Hier, zwischen Aldi und Schulkomplex, könnte das neue Hallenbad entstehen. Links im Hintergrund steht das alte Bad, das sich im Kellergeschoss befindet. Darüber ist eine Mini-Turnhalle.
Hier, zwischen Aldi und Schulkomplex, könnte das neue Hallenbad entstehen. Links im Hintergrund steht das alte Bad, das sich im Kellergeschoss befindet. Darüber ist eine Mini-Turnhalle. © von der Beck, Peter

Es könnte so schön sein: Im Trainingsanzug und mit dem Handtuch über der Schulter die Mühlendorf-Straße überqueren, um mal eben zum Schwimmbad gehen und ein paar Runden zu drehen.

Auf dem Rückweg könnte man schnell etwas beim Bäcker fürs Frühstück besorgen. Die Realität in Neuenrade sieht aktuell aber anders aus.

Es gibt ein Hallenbad, aber das ist mehr nur so mittelgut. Es ist häufiger wegen Reparaturarbeiten geschlossen, die Öffnungszeiten halten sich daher in Grenzen, die übrige Zeit wird es gerne auch von Schulen und Vereinen genutzt. Da bleibt im Neuenrader Winter nicht viel für Senioren, die sich gerne fit halten möchten.

Wer mehr als schwimmen möchte, muss mobil sein

Wer etwas mehr als schwimmen möchte, muss schon mobil sein, nach Plettenberg ins Aquamagis oder runter nach Werdohl ins neue Ütterlingser Hallenbad fahren. Die FDP Neuenrade stellte deshalb einen offiziellen Antrag mit dem Ziel, ein neues Hallenbad in der Hönnestadt zu bauen. Die Verwaltung möge Gespräche mit dem Investor führen, dem das Aldi-Grundstück auf dem ehemaligen Sportplatz an der Niederheide gehört . Das ist die VR Südwestment. Geplant ist bislang, neben dem bereits eröffneten Aldi-Markt Mehrfamilienhäuser zu bauen. Aber: Die FDP bringt ein neues Hallenbad ins Spiel, das eben dort gebaut werden könnte. Zumal mit der geplanten Wohnbebauung noch nicht begonnen wurde.

Volksbank: Hallenbad bauen, aber nicht betreiben

Die VR Südwestment GmbH & Co KG wurde 2016 von der damaligen Volksbank im Märkischen Kreis (mittlerweile Volksbank in Südwestfalen) und der zum Neuenrader Unternehmen Echterhage Holding gehörenden Tochtergesellschaft VE Holding GmbH gegründet. Bei der Bilanzpressekonferenz der Volksbank in Südwestfalen bezog Vorstandssprecher Karl-Michael Dommes Stellung zum Hallenbad-Thema. Die Volksbank in Südwestfalen ist Mehrheitsgesellschafter bei VR Südwestment, die Grundstückeigentümer und Investor des Aldi-Komplexes ist. Das Hallenbad könnte so zumindest die Vorstellungen der FDP, dort gebaut werden, wo der Investor eine Wohnbebauung plant. „Da gibt es aber wohl bislang noch keine Entscheidung“, betonte Dommes und ergänzte: „Wenn die Politik ein Hallenbad haben möchte, dann können wir uns auch vorstellen, da ein Bad zu bauen und es dann der Kommune zu vermieten. Selber betreiben würden wir es sicher nicht, weil ich auf meine alten Tage nicht noch Schwimmmeister werden möchte“, sagte Dommes. Ansonsten würde dort aber auch gut eine Wohnbebauung hinpassen. Diese würde sehr gut zu der bereits erfolgten Bebauung Hintern Wall passen. Falls das Hallenbad nicht gewünscht sei, verfolge die Volksbank die Idee der Wohnbebauung in jedem Fall weiter. Ein Baustart noch in diesem Jahr sei unwahrscheinlich, „aber ich denke, dass wir bis Ende des Jahres eine genau Idee davon haben, was dort passieren wird“, sagte Dommes. 

Für Jürgen Echterhage, nicht nur Chef der Echterhage-Gruppe, sondern auch Gesellschafter bei VR Südwestment, ist ganz klar, dass Neuenrade in Sachen Hallenbad ein Defizit hat, ein Manko. Für die medizinische Versorgung und den Einkauf sei ja alles recht gut, doch wenn es um das sportliche Freizeitangebot für Senioren geht, da habe Neuenrade echt Nachholbedarf.

Gesellschafter befürwortet Hallenbad-Neubau

Für den erfolgreichen Neuenrader Unternehmer ist ein vorzeigbares Hallenbad sogar „ein Standortfaktor“. Er befürwortet ganz klar einen Neubau auch stadtzentral zwischen Hönnequell-Schule und Aldi. So wäre es für die Schüler der Neuenrader Schulen – beispielsweise im Rahmen der Schwimmausbildung – kein Problem, mal eben ins Hallenbad zu gehen. Gleiches gelte für die Vereine. Echterhages Argumentation erscheint auch für die Rentnergeneration schlüssig: Was das Angebot für Ältere anbelange, so habe Neuenrade hier einen Vorsprung, viele Städte würden jetzt nachziehen. Und es werde immer mehr Ältere geben, derzeit gehe die Babyboomergeneration in den Ruhestand und das sei ganz klar ein wachsender Markt mit Menschen und ihren Ansprüchen.

„Sicherlich können wir aus Neuenrade nicht Bad Sassendorf machen...,“ räumt Echterhage von sich aus ein. Aber mit einem ordentlichen Bad komme man dem sicher schon näher, lässt er durchblicken und verweist auf die Reparaturen und Ausfallzeiten des derzeitigen Bades. Ein neues Hallenbad – Echterhage hält es langfristig für den Standort Neuenrade für wichtig. Es gelte eben auch Prioritäten zu setzen für die Stadt.

Zahlen in Werdohl besorgt

Südwestment-Geschäftsführer Volker Schwarz hat sich tatsächlich mit dem Thema Hallenbad-Neubau beschäftigt und sich Zahlen in Werdohl besorgt, um eine ungefähre Vorstellung von den Kosten und einer eventuellen Miete zu haben. Schwarz betont, dass allein das Betreiben so eines Objektes für eine Stadtverwaltung ein Zuschussgeschäft sei. Nicht jedes Bad sei vergleichbar, es gebe unterschiedliche Rahmenbedingungen. Zudem müsse man bei so einem Hallenbad-Neubau nach seinen Erkundigungen aktuell mit erheblichen Preissteigerungen rechnen. Auf die Hallenbad-Baukosten aus Werdohl müsse man wohl noch einmal 25 Prozent dazurechnen. Letztlich komme es auch darauf an, welches Konstrukt von einer Stadt gewählt werde. Ob das dann über eine All-Inclusive-Lösung oder über eine zu gründende Gesellschaft funktioniert – es sei nicht einfach und am Ende eine politische Entscheidung.

Das alte Hallenbad ist wegen Reparaturarbeiten immer wieder mal geschlossen.
Das alte Hallenbad ist wegen Reparaturarbeiten immer wieder mal geschlossen. © Witt, Carla

Klar positioniert haben sich bisher die Bündnisgrünen. Zumindest noch im Oktober lehnten sie einen Hallenbadneubau ab. Man will dort lieber Wohnbebauung sehen. Die FWG ist für einen Neubau, die SPD will die Gespräche von Stadtverwaltung und Investor abwarten. Seitens der CDU, welche die größte Fraktion stellt, gab es seinerzeit Bedenken, aber keine Ablehnung.

Geteiltes Stimmungsbild bei Schwimmbadnutzern

Geteilt ist das Stimmungsbild bei den Schwimmbadnutzern, wie eine nicht-repräsentative Umfrage bei Freibadgästen im Spätsommer ergab: Viele finden ein Hallenbad gut, wollen aber familienfreundliche Preise und wenigstens eine kleine Attraktion. Es gab auch Stimmen, die einen „interkommunalen Ansatz“ befürworten. Also: Zwei Gemeinden teilen sich ein Bad.

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