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Neuer Standort und weitere Firmengründung: So sichert ein Bauunternehmen seine Zukunft

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Von: Peter von der Beck

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Die Firma Ossenberg Aufbereitung Straßen- und Tiefbau (AST) GmbH hat nun ihren Sitz in Küntrop an der Wasserburgstraße.
Die Firma Ossenberg Aufbereitung Straßen- und Tiefbau (AST) GmbH hat nun ihren Sitz in Küntrop an der Wasserburgstraße. © von der Beck, Peter

Die Firma Ossenberg Aufbereitung Straßen- und Tiefbau (AST) GmbH residiert seit 1. März im Küntroper Industriegebiet. Das bekannte Tiefbauunternehmen hat seinen Standort an der Welmecke verlassen und sitzt künftig an der Wasserburgstraße.

Dort hat der Tiefbauer seit Jahr und Tag im Hinterland ein Grundstück zum Aufbereiten von Böden, zuweilen sind die Schüttberge dort zu sehen. Jetzt hat Ossenberg AST Gebäude und Grundstück der dort einst ansässigen Firma Gerhardt gekauft, für seine Zwecke hergerichtet und ist mit den 65 Mitarbeitern umgezogen. Zuvor wurde die Haustechnik auf den modernsten Stand gebracht, inklusive Datensicherheit.

Wie Geschäftsführer Diplom-Ingenieur Thorsten Wollf erläuterte, gingen mit der Entscheidung zum Umzug dabei eine ganze Reihe anderer Überlegungen einher, die gleichzeitig zur Gründung einer neuen, unabhängigen Firma führten, mit der quasi ein weiteres Geschäftsfeld erschlossen wird. Für den Geschäftsführer der Ossenberg AST ist diese generelle Entscheidung mit Einbeziehung der Gesellschafter aber zuallererst ein Akt der Zukunftssicherung. „Büro und Hallen – das alles passt sehr gut.“ Und so sei eben im Rahmen des Überlegungsprozesses auch die Frage aufgekommen: „Was machen wir mit der Welmecke?“

Baustellensicherung für Private und die öffentliche Hand

Bereits zum 1. November wurde die HOH GmbH & Co. KG gegründet. Dabei geht es im Prinzip um Baustellensicherung für Private, aber auch für die öffentliche Hand in ganz Südwestfalen. Das Angebot reicht von Ampelanlagen über Schilder bis hin zu Absperrungen. In dieser dem Baugeschäft verwandten Sparte erhoffe man sich erfolgreiche Geschäfte. „Weil die Großen der Branche im Rheinland sitzen und von dort aus auch agieren und keine Niederlassungen hier vor Ort betreiben“, sagt Wolf. „Und von hier aus kann man den Markt sehr gut bedienen.“

Die HOH hat drei Angestellte, eine Lagerhalle für die Schilder und auch ein Büro. Ein Betriebsleiter managt das Unternehmen. Gesellschafter sind auch hier Mitglieder der Familien Hitzblech und Ossenberg.

In fünf Jahren um ein Drittel gewachsen

„Um Zukunftssicherung“ gehe es unter dem Strich, betonte Wolff noch einmal. In den vergangenen fünf Jahren sei man „um ein Drittel“ gewachsen und das sei nicht nur konjunkturbedingt. Zudem habe man nun eine Größe erreicht, die noch händelbar sei. Es gelte nun das Unternehmen weiter fit zu machen. Dabei sei man auch den Mitarbeitern verpflichtet, die als Angestellte zum Teil eine lange Familientradition in der Firma hätten. Es gebe viele einheimische Mitarbeiter. Und die müsse man auch pflegen. Das gelingt offenbar: „Wir haben wenig Fluktuation.“

In Neuenrade hat Ossenberg zuletzt unter anderem die Dahler Straße saniert, ist aber auch für die Arbeiten an der Bahnhofstraße zuständig. In Werdohl kümmerte sich das Unternehmen um den Bau des VDM-Kreisels.
In Neuenrade hat Ossenberg zuletzt unter anderem die Dahler Straße saniert, ist aber auch für die Arbeiten an der Bahnhofstraße zuständig. In Werdohl kümmerte sich das Unternehmen um den Bau des VDM-Kreisels. © von der Beck, Peter

Doch die Älteren würden nun in den Ruhestand gehen und man habe doch große Nachwuchssorgen. „Es gibt einfach immer weniger Bewerber.“ So sei es trotz Konjunktur in der Branche nicht gerade einfach, angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen wie Ukraine-Krieg und Coronapandemie. „Der einzige Vorteil daran ist, dass die Rahmenbedingungen für alle gleich schwierig sind.“ Täglich bekomme er jetzt E-Mails, bei der Lieferanten Preisteigerungen von 20 und 30 Prozent ankündigten – „von jetzt auf gleich“. Wenn er allein an den Dieselverbrauch auf den Baustellen denkt, so wird ihm schon anders. Bei zwölf bis 13 Baustellen und Gerät, das den ganzen Tag läuft, da komme schon ein gewaltiger Verbrauch zusammen. Hier mit alternativen Antriebstechniken gegenzusteuern, sei nicht möglich. Es gebe da momentan noch nichts Alltagstaugliches. „Das dauert noch ewig.“

Mehrkosten von 140.000 Euro

So muss er mit dem teurem Diesel umgehen: Wenn er den aktuellen Dieselpreis aufs Jahr hochrechnet, so sei er bei 140 000 Euro Mehrkosten – allein nur in diesem Bereich. „Und da spreche ich noch nicht von Asphalt oder auch Spielgeräten.“ Letztere werden mal eben 20 Prozent teurer. Auch was Reparaturen anbelangt, entstehen längere Ausfälle. So gibt es Unterbrechungen in der Lieferkette mit entsprechenden Auswirkungen. Da fällt ein Bagger aus, weil der Kabelbaum in der Ukraine hergestellt werde. Wolf sagt: „Vor einem halben Jahr hätte ich mir das alles niemals träumen lassen.“

Planen, Kalkulieren und Investieren wird schwierig. Auch was die Bestellung von Fahrzeugen anbelangt. So bekommt er vom Hersteller zu hören, dass man beispielsweise in 2022 leider keinen Radlader ausliefern könne. Am Ende sei man gezwungen das zu nehmen, was zufällig irgendwo im Werk stehe.

Gespräche nicht immer angenehm

Aber da sind dann auch die laufenden Verträge vor der schwierigen Kostensituation in der Branche. „Hier werden Gespräche geführt, hier muss Überzeugungsarbeit geleistet werden. Und das sind nicht immer angenehme Gespräche“, sagt Wolf. Da habe man dann eine einjährige Baustelle, bei der man plötzlich ein Plus an 30 Prozent Kosten habe, das werde problematisch. Doch er stoße bei der Kundschaft zumindest auf Verständnis. „Wir sind ja am Ende der Kette, wir müssen es weitergeben“, erklärt Wolf. Hier gelte es Lösungen zu finden.

Ossenberg AST gehört zu den viel beschäftigten Unternehmen in der Gegend: Der VDM-Kreisel in Werdohl oder die Bahnhofstraße in Neuenrade sind zwei der aktuellen Ossenberg-Projekte. Doch bei Ossenberg AST kann man auch spezielle Dinge – wie eine Kartbahn für Elektrokarts mit speziellem Gefälle und sehr engen Radien zu bauen bei der Firma Remo in Hemer-Deilinghofen und auch bei einem Privatier in Neuenrade.

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