Neuer Schwung für Neuenrades Gastronomie

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Gemeinsam wollen die Neuenrader Wirte für ein attraktives Gastro-Angebot stehen.

Neuenrade - Die besten Jahre der Kneipenkultur sind vorbei. Das merken die Neuenrader Wirte deutlich. Doch sie wollen sich nicht geschlagen geben.

Wilhelm Dickehage erzählt von „glorreichen Zeiten der Jahre 1970 bis 2000“. 38 Mitglieder zählte der Wirteverein in seinen besten Jahren. Wahrscheinlich ist, dass der Verein 1917 gegründet wurde. So vermutet es der Ehrenvorsitzende, einst langjähriger Eigentümer der familiär geführten Gaststätte „Zur Post“. 

Wirte gegen Promi-Elf

Darauf lässt ein Plakat von 1977 schließen, das er aufbewahrt hat. Darauf kündigt der Wirteverein zu seinem 60-jährigen Bestehen im September 1977 ein Fußballspiel gegen die Promi-Elf des WDR an. Gekickt wurde zugunsten des „Fördervereins für das geistig behinderte Kind“ in Lüdenscheid. Dickehage schwärmt noch heute von diesem Freundschaftsspiel. Rund 3000 Fußballfreunde zog es damals zur Niederheide, die Leute wollten sehen, wie sich „ihr Wirt“ fußballerisch schlägt.

Tatort-Kommissar auf dem Platz

Immerhin waren es bekannte Namen, die der WDR auflaufen ließ: Sprinter Manfred Germar war ebenso dabei wie Karikaturist Pit Flick oder Radsportler Rudi Altig. Auch Tatort-Kommissar Hans-Jörg Felmy schlüpfte damals für den guten Zweck ins Trikot. Dickehage erzählt heute noch voller Stolz, dass er „gut gegen Berni Klodt gespielt“ hat. Die Neuenrader Wirteelf musste sich dennoch geschlagen geben: 1:5 verlor sie. Das Gute am Spiel: 5400 D-Mark wurden dem Förderverein im Anschluss überwiesen.  

Gebietsreform bringt Mitglieder

Es waren die guten, großen Zeiten des Vereins – und der Lokale. Die Betriebe engagierten sich gemeinsam, über Jahre hinweg gab es nicht nur Versammlungen, sondern auch eine „Wein- und Bockbier-Woche“ mit Einbecker Urbock. Denn nach der Gebietsreform 1975 war es mit dem Wirteverein aufwärts gegangen. Als die umliegenden Dörfer Neuenrade angegliedert wurden, stieg die Zahl der Mitglieder im Verein auf 38. Und es war eine Zeit, in der die Menschen das kühle Blonde und das Gespräch an der Theke nach Feierabend schätzten und diese Tradition gerne und ausgiebig pflegte.

Zahl der Betriebe sinkt

Nachdenklich und traurig ist der Gastronom und Ehrenvorsitzende darüber, dass es heute nur noch insgesamt 25 gastronomische Betriebe in Neuenrade gibt. 

Dieser Rückgang hat sich auch auf das Vereinsleben ausgewirkt. Mitglieder und Aktivitäten sind zurückgegangen. Die Kneipe als Treffpunkt zum Feierabend ist nicht mehr der Anziehungspunkt, der er einmal war und der von Gästen und Wirten gleichermaßen geschätzt wurde. 

Weniger Kneipen, mehr Restaurants

Zwar gibt es weniger Kneipen, dafür aber mehr Restaurants. Das Angebot an Speisen und Getränken ist auch durch ausländische Gastwirte vielfältiger geworden. 

Nun hatte der Wirteverein seine Mitglieder ins Hotel „Wilhelmshöhe“ eingeladen. 13 Wirte kamen. Das Ziel: Sie wollen öffentlich wieder mehr „gastronomisches Leben“ zeigen und den Verein samt Aktivitäten wiederbeleben. 

Mehr Werbung

So formulierten die Mitglieder einige Wünsche: zum Beispiel projektbezogene Stammtisch-Runden. An Unterstützung durch das Stadtmarketing Neuenrade soll es nicht mangeln, signalisierte Stadtmarketing-Geschäftsführerin Sandra Horny. Es wurde darüber gesprochen, Neuenrade noch intensiver zu bewerben – mit den Wanderwegen wie dem Höhenflugweg und dem Rothaarsteig oder einer besseren Vermarktung des Gertrüdchens und Schützenfestes. 

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