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Beratung in Neuenrade: So geht Künstliche Intelligenz in kleinen Betrieben

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Von: Peter von der Beck

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MKL in Neuenrade ist ein Betrieb, bei dem der Weg zur Digitalisierung schon ein gutes Stück beschritten wurde.
MKL in Neuenrade ist ein Betrieb, bei dem der Weg zur Digitalisierung schon ein gutes Stück beschritten wurde. © von der Beck, Peter

Die Neuenraderin Sarah Spieker berät kleine und mittlere Unternehmen beim Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Neuenrade – Was bedeutet Digitalisierung? Statt wie früher von Mensch zu Mensch zu agieren, arbeitet der Mensch zunehmend mit der Software. Heimische Chefs müssen sich auf der Lieferantenplattform des Kunden in Saudi-Arabien in Chatprogrammen mit Bots unterhalten. Mitarbeiter kommunizieren über Kanäle wie WhatsApp, Skype, Teams oder Jitsi. Hinzu kommt die gute alte E-Mail und das Festnetztelefon gibts tatsächlich auch noch in den Betrieben.

Welche Technik zum Beispiel hinter Clouds und Datenbanken steckt und wie etwas ganz genau funktioniert, das wissen die Mitarbeiter als reine Anwender in der Regel nicht. Mit dieser Gemengelage aber müssen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) heutzutage umgehen können.

Gerade diese kleinen und mittleren Unternehmen sollen mit der digitalen Transformation nicht alleingelassen werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, unterstützt von seinem NRW-Pendant sowie von Gewerkschaften und Unternehmen, hat Strukturen geschaffen, mit deren Hilfe Klein- und Mittelbetriebe die digitale Transformation auch unter Einsatz von „menschenzentrierter künstlicher Intelligenz“ (KI) bewältigen sollen. Hierzulande soll sich das Zukunftszentrum KI NRW mit acht Partnern darum kümmern. Ziel ist die verbesserte Zukunftsfähigkeit der Unternehmen, der Erhalt und der Ausbau von Beschäftigung sowie die Förderung von Kompetenzen der Beschäftigten.

Die Neuenraderin Sarah Spieker ist eine der Ansprechpartnerinnen für dieses Projekt. KMU-Unternehmer, die die Digitalisierung in ihrem Unternehmen vorantreiben wollen, sind bei ihr an der richtigen Adresse. Spieker arbeitet bei der agentur mark mit Sitz in Hagen. Die Agentur hat wiederum Gewerkschaften, die Uni Siegen und die Fernuni Hagen mit im Boot, die ein unterstützendes Netzwerk bilden. Im Visier haben Frauen wie Sarah Spieker vor allem das produzierende Gewerbe in Südwestfalen und im angrenzenden Rheinland.

Die Neuenrader Ingenieurin Sarah Spieker kümmert sich um digitale Transformation und künstliche Intelligenz für kleinere und mittlere Betriebe des produzierenden Gewerbes. Sie hilft mit, die KI-Strategie der Bundesregierung umzusetzen.
Die Neuenrader Ingenieurin Sarah Spieker kümmert sich um digitale Transformation und künstliche Intelligenz für kleinere und mittlere Betriebe des produzierenden Gewerbes. Sie hilft mit, die KI-Strategie der Bundesregierung umzusetzen. © von der Beck, Peter

Berührungsängste seien unnötig, meint Spieker, es handele sich um ein niederschwelliges Angebot: „Wir holen die Unternehmen da ab, wo sie stehen.“ Sie verweist darauf, dass die Beratung kostenfrei ist. Die Neuenraderein betont: „Insbesondere die Fachkräfteunterstützung ist für uns wichtig hinsichtlich des digitalen Wandels.“ Klar registriere man auch Ängste. Doch die könne man in der Regel den Menschen nehmen. Als Instrumentarium habe sie die Inhouse-Schulung oder den Workshop. Dabei gehe es aber immer um Background-Infos und nicht etwa um konkrete Software-Schulung: „In Workshops erarbeiten wir gemeinsam, wo eine Firma hinwill.“

„Der Mensch ist eine gewinnbringende Ressource“, betont sie. Durch die Digitalisierung werde der Mensch von Routinen und nervenden Wiederholungsaufgaben befreit. Dadurch würden sich neue Möglichkeiten eröffnen. „Es gibt immer noch viel Arbeit, die nur ein Mensch machen kann“, sagt Spieker.

Die Ingenieurin betont, dass die Beratung je nach Unternehmen sehr individuell sei. Da gehe es zum Beispiel um Sicherheitsaspekte. Wenn bei der Kalibrierung von Maschinen immer noch auf die alte Excel-Liste zurückgegriffen werde, so stelle man die Frage, was denn passiere, wenn die Liste plötzlich zerschossen werde. Vor diesem Hintergrund sei eine Server-Speicherung der Kalibrierungsdaten sinnvoll. Das sei auch ein Aspekt der Digitalisierung.

Spieker verweist auf Assistenzsysteme bei Fahrzeugen – die würden ja auch akzeptiert. Spieker betont immer wieder, wie wichtig es sei, dabei die Mitarbeiter mitzunehmen und zu schauen, ob das überhaupt in deren Arbeitsalltag passe. Mitarbeiter könnten am besten beurteilen, ob Digitalisierung hilfreich sei. Spieker gibt noch ein Beispiel: Beschäftigte in der Produktion hätten oft einen enormen Zeitaufwand beim Suchen von Werkzeugen – hier könnten Arbeitsabläufe durch digitale Technologie besser gemacht werden und Wege sparen. Der Monitor könne die Schmierzettel mit kryptischen Anweisungen ersetzen. Sarah Spieker betont immer wieder, dass es auch viele Prozesse gebe, bei denen Digitalisierung keinen Sinn mache. In der Produktion sei es zuweilen sinnlos, Tablets zu verteilen, wenn die Mitarbeiter ständig Handschuhe tragen müssten.

Auch das viel beschworene papierlose Büro könne Unsinn sein, wenn nicht alle Mitarbeiter damit zurecht kämen. „Ich hab mich dran gewöhnt, ich speichere viel. Aber es gibt eben viele bei uns, die brauchen Aktenordner im Schrank und das ist auch völlig in Ordnung so“, sagt Ingenieurin Sarah Spieker.

Bei all den Herausforderungen in diesen Zeiten gelte es wettbewerbsfähig zu bleiben. „KMU müssen mitziehen können. Dinge verändern sich – darauf müssen sie reagieren.“ Spieker wird nicht müde zu betonen: Es gehe um menschenzentrierte Digitalisierung und künstliche Intelligenz.

Es bleibt der Blick auf einen Betrieb, der schon ziemlich weit den Weg zur Digitalisierung beschritten hat und darauf weiter vorangeht. Dabei geht es zum Beispiel um Projekte wie die „mannlose Fertigung“ in einem Bereich der Neuenrader Firma MLK. Für Juniorchef Denny Kunsleben ist dabei der Einsatz von künstlicher Intelligenz ein Mittel, um vorhandene Arbeitsplätze zu sichern. Und er ist ziemlich sicher, dass auch bei so einem System der Mensch immer noch genug zu tun haben wird.

Kontakt

Sarah Spieker ist telefonisch unter Rufnummer 02331/4 88 78 41 oder per E-Mail unter spieker@agenturmark.de zu erreichen.

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