Ein Praktikum auf dem Lehrbauernhof

Die Praktikanten mussten die Tiere – darunter 200 Hühner – täglich versorgen.

Neuenrade -  Für die meisten ist es sicher eher ungewöhnlich, für Waldorfschüler gehört es zum normalen Lehrplan – das Landwirtschaftspraktikum. Dabei gehe es darum, dass die Schülerinnen und Schüler den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur erlernen und eigenständig einen Aufgabenbereich übernehmen, der zudem ein pflichtbewusstes Tun erfordere, schreibt die Waldorfschule.

Das Pflichtbewusstsein komme von selbst, denn Tiere und reife Feldfrüchte warten nicht.

Diese Erfahrungen machten jetzt die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse der Freien Waldorfschule Neuenrade, die ein einwöchigen Praktikum auf dem Schulbauernhof Hardegsen bei Göttingen absolvierten. Begleitet wurden sie von einem Schulmitarbeiter und der Mutter einer Schülerin.

Der Tag begann um 6.15 Uhr und dann mussten erst einmal der Stalldienst gemacht und die Tiere versorgt werden. Da hatten die Teilnehmer gut zu tun: 200 Hühner, 40 Enten, zwölf Kaninchen, 16 Schweine, 25 Schafe, drei Ziegen, drei Bienenvölker, zwei Katzen und sieben Rinder. Das eigene Frühstück musste warten.

Das bereiteten die Mitschülerinnen und Mitschüler in der Bauernhofküche vor. Und zwar aus Produkten, die auch auf dem Hof angebaut und verarbeitet werden. Und auch um diese Produkte musste sich eine Gruppe kümmern.

Die Schülerinnen und Schüler waren aufgeteilt in Kleingruppen, die nach einer Einarbeitung durch Hofmitarbeiter selbständig und eigenverantwortlich die Arbeiten übernehmen mussten. „Neben diesen landwirtschaftlichen Arbeiten gab es aber auch spannende Workshops, zum Beispiel „Natürlich schön“, in dem nach einer kurzen Einleitung Kosmetik selbst hergestellt wurde. Oder es gab Naturschutzprojekte, in denen Vogelhäuser gebaut wurden. Und auch Schafswolle wurde gesponnen,“ heißt es in der Mitteilung. Abends hatten die Praktikanten dann die nötige Bettschwere, zurück zur Unterkunft ging es dann mit dem Planwagen. Selbst ein Feiertag in der Woche war nicht frei – auch dann müssen die Tiere versorgt, die Pflanzen gehegt werden. Am Ende zogen alle trotz anfänglicher Skepsis eine positive Bilanz und das Bewusstsein Tier und Natur gegenüber, „ist bei allen enorm gestiegen“.

„Es ist eben doch etwas anderes, wenn man selbst für Pflege und Verarbeitung der eigenen Ernährung verantwortlich ist, als alles anonym im Supermarkt zu kaufen. Es hat Spaß gemacht, gekräftigt und frisch motiviert“, heißt es von der Schule.

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