Spielhallen in Neuenrade: Die bunte Versuchung

+
Zwölf solcher Geldspielgeräte stehen im „Casino Vegas“ an der Neuenrader Bahnhofstraße. ▪

NEUENRADE ▪ Matthias Fildhaut wirft ein Zwei-Euro-Stück in den Automaten und wählt auf dem Bildschirm das Spiel „Eye of Horus“. Verschiedene ägyptische Gottheiten und Symbole erscheinen in Reihen nebeneinander. Die Bilder sind unterschiedlich viel wert – zwischen 40 und 500 Euro liegen daher die Gewinnchancen, je nachdem, welche Symbole der Computer in dieser Runde auswählt.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass das Symbol für den Hauptgewinn kommt, ist geringer als bei anderen Symbolen“, sagt Matthias Fildhaut. Gemeinsam mit seiner Schwester betreibt der Mendener nicht nur die Spielhalle „Casino Vegas“ an der Neuenrader Bahnhofstraße, sondern auch an sechs weiteren Standorten über Iserlohn und Unna bis hinauf ins Münsterland.

„Die Kunden können hier ihre Freizeit verbringen“, sagt Matthias Fildhaut. „Der Hauptgrund für die Besuche ist sicher das Geldspiel. Die Gewinnchance bietet einen Reiz.“ Doch Einsätze von einem bis zwei Euro und die damit verbundenen möglichen Gewinne seien selten, erklärt der Spielhallenbetreiber. „Laut einer Statistik der Gerätehersteller setzen nur ein bis zwei Prozent der Spieler einen oder zwei Euro ein. In Deutschland liegen die häufigsten Einsätze bei 20 bis 30 Cent.“

Dennoch kommen im Laufe eines Jahres große Summen zusammen: 750 000 Euro haben die Neuenrader im Jahr 2011 in die Geldspielautomaten der drei Spielhallen geworfen, schätzt Kämmerer Gerhard Schumacher. Zwar gebe es keine offiziellen Zahlen von Seiten der Spielhallenbetreiber, die Summe lasse sich aber anhand der Vergnügungssteuer rekonstruieren, die die Stadt eingenommen hat.

110 000 Euro Vergnügungssteuer sind im Jahr 2011 in die Stadtkasse geflossen. Der größte Anteil daran – etwa 100 000 Euro – kommt von den drei Spielhallen an der Bahnhofstraße, der Ersten Straße und der Werdohler Straße.

Nicht alle Geräte in den Spielhallen sind Geldspielautomaten, die den Kunden einen Gewinn versprechen. Doch der Anteil der Unterhaltungsgeräte, in die der Spielhallenbesucher Geld einwirft, um am Bildschirm Karten zu spielen oder Puzzles zu lösen, ist gering. „Ich gehe davon aus, dass 90 Prozent des Steueraufkommens aus Geldspielgeräten kommen“, sagt Gerhard Schumacher.

Der Besuch im „Casino Vegas“ bestätigt Schumachers Vermutung: Zwei Unterhaltungsgeräte stehen im Eingangsbereich der Spielhalle, zwölf Geldspielgeräte im Hauptraum. Damit erreicht das „Vegas“ die gesetzliche Höchstanzahl an Geldspielgeräten. Neben der Anzahl kontrolliert das Ordnungsamt auch regelmäßig, ob die Automaten richtig aufgestellt sind. Maximal zwei Geräte dürfen nebeneinander stehen, zu den übrigen muss es einen Sichtschutz geben, damit Spieler nicht an vielen Automaten gleichzeitig spielen können.

„Wir haben in Neuenrade wenig Ärger mit den Spielhallen“, sagt Sabine Rogoli vom Ordnungsamt, die für die Genehmigung der Spielhallen verantwortlich ist. Einen Einfluss hat sie nicht darauf, ob und wieviele Hallen es in der Stadt gibt: „Wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, müssen wir die Genehmigung erteilen“, erklärt sie.

Dass in Zukunft noch mehr Spielhallen in Neuenrade eröffnen, halten Schumacher und Rogoli allerdings für ausgeschlossen. „Der Glücksspiel-Änderungsstaatsvertrag sieht einen Mindestabstand von 250 Metern Luftlinie zwischen den einzelnen Hallen vor“, sagt Sabine Rogoli. Da die drei Neuenrader Spielhallen über die ganze Stadt verteilt seien, gebe es eigentlich keine Fläche, die sich für eine weitere Einrichtung eignen würde.

Alle gesetzlichen Regelungen zu den Spielhallen sollen die Spielsucht soweit wie möglich eindämmen. So verordnet jedes Geldspielgerät dem Spieler nach 60 Minuten eine „Zwangspause“ von fünf Minuten, in denen er kein neues Spiel beginnen kann. Zwar könnte er diese Pause umgehen, indem er sich einfach an den nächsten Automaten setzt. „Der Kunde geht aber nicht unbedingt zum nächsten Gerät weiter“, erklärt Matthias Fildhaut. „Er rechnet sich höhere Gewinnchancen an dem Gerät aus, in das er schon eine Stunde lang Geld eingeworfen hat. Das ist aber nur Psychologie: Gewinne und Nieten kommen nicht regelmäßig, sonst könnten die Kunden das Gerät ja berechnen.“

Jeder Spielhallenbetreiber ist verpflichtet, Info-Material über Spielsucht auszulegen. Die Mitarbeiter des „Casino Vegas“ werden außerdem an einer Fortbildung zu diesem Thema teilnehmen, um potenziell Süchtige schneller zu erkennen, sagt Matthias Fildhaut: „Man sollte dann auf den Kunden zugehen und ihm zeigen, wo er Hilfe bekommen könnte, wenn er welche in Anspruch nehmen möchte.“

Von acht Uhr morgens bis ein Uhr nachts hat das „Vegas“ jeden Tag geöffnet. Der Hauptbetrieb sei natürlich in den Abendstunden, sagt der Betreiber. Aber auch morgens sei viel los: „Das sind zum Beispiel Schichtarbeiter.“ Insgesamt sei die Kundschaft bunt gemischt, so Fildhaut. „Ärzte, Lehrer, Facharbeiter und auch Arbeitslose: Es gibt keine Schicht, die stärker vertreten ist.“ Etwa 80 Prozent der Besucher seien Männer. „Früher war das noch extremer“, erinnert sich der Betreiber. Seit 2006 neue Geräte auf den Markt kamen, könne man aber eine gewisse Trendwende beobachten. „Die Grafiken einiger Spiele sind jetzt für Frauen interessanter gestaltet, es gibt andere Farben und Motive als früher.“ ▪ Constanze Raidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare