Ministerin will Rechtschreibeunterricht stärken

An Neuenrader Schulen: Das sind die Wege zum Schreiben ohne Fehler

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Schreiben nach Gehör: Diese Methode soll künftig auf die erste Klasse begrenzt werden. Danach soll die Rechtschreibung wieder im Vordergrund stehen.

Neuenrade - „Muta und Fata sint lip.“ Wenn Erstklässler einen solchen Satz schreiben, geht den meisten Eltern einerseits das Herz auf. Doch andererseits raufen sie sich angesichts der katastrophalen Rechtschreibung auch die Haare.

Ganz unbegründet sind die Bedenken dieser Erziehungsberechtigten nicht: Längst nicht alle Kinder sind am Ende der vierten Klasse orthografisch fit. Fast jedes vierte Kind in NRW ist beim Schulwechsel nicht in der Lage, grundlegende Rechtschreibregeln anzuwenden. Das soll sich ändern: Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will den Rechtschreibunterricht an den Grundschulen stärken. 

Arwed Riemenschneider, der Leiter der Gemeinschaftsgrundschule Neuenrade, hat nichts dagegen, dass die Landesregierung die Methode „Lesen durch Schreiben“ – auch bekannt als „Schreiben nach Gehör“ – auf die erste Klasse begrenzen will. „Wir haben das ohnehin im Unterricht nicht so praktiziert, wie es allgemein oft dargestellt wird.“ Erstklässler dürften schon so schreiben, wie sie es für richtig halten, „weil sie so schneller das Lesen lernen“. Riemenschneider: „Aber das ist lediglich der Anfang. Im Laufe der Grundschulzeit entwickelt man mit den Kindern gemeinsam die Rechtschreibung.“ So würden Nomen beispielsweise bereits ab der zweiten Klasse groß geschrieben. Und dass Pluralformen gebildet würden, um herauszufinden, ob ein Wort mit „d“ oder „t“ endet, gehöre ohnehin zum Schulalltag. 

Riemenschneider sieht Neuerungen gelassen entgegen

Deshalb sieht der Schulleiter den Neuerungen gelassen entgegen: „Wir werden uns die neuen Richtlinien des Schulministeriums in aller Ruhe anschauen und überlegen, wo wir im Unterricht noch etwas ergänzen können“, stellt er fest. 

Klaus Giljohann, Geschäftsführer der Freien Waldorfschule in Neuenrade, sieht die an seiner Schule praktizierten Lernmethoden durch die Aussagen der Ministerin bestätigt. „Wir haben an der Waldorfschule ohnehin ein ganz anderes Konzept. Bei uns wird zunächst viel geschrieben und erst danach kommt das Lesen“, erklärt Giljohann das Motto „erst machen, dann darüber nachdenken, warum es so ist.“ 

Schreibübungen wichtig für die Motorik

Schreibübungen seien wichtig, insbesondere für die Motorik. „Aber bei uns wird von Anfang an richtig geschrieben“, stellt der Geschäftsführer der Waldorfschule fest. Und da Erstklässler anfangs noch wenig lesen könnten, werde in der ersten Klasse eben mehr gerechnet als in staatlichen Schulen. „Bis zum vierten Schuljahr wird das dann aber wieder ausgeglichen“, erklärt Giljohann. 

Gebauers Überlegung, einen verbindlichen Grundwortschatz mit so genannten Nachdenk- und Merkwörtern einzuführen, kann der Geschäftsführer der Waldorfschule grundsätzlich nachvollziehen. Allerdings stellt er fest: „533 Wörter sind eine Minimalanforderung. Damit kann man gerade einmal Einkaufen gehen. Für eine ordentliche Kommunikation reicht das nicht.“ 

In Hamburg liege der Grundwortschatz beispielsweise bei mehr als 780 Wörtern. Waldorfschüler seien in der vierten Klasse sprachlich sehr gut gerüstet. „Allerdings haben wir es auch leichter als andere Schulen“, stellt Giljohann fest: „In der Neuenrader Waldorfschule werden zwar Schüler aus insgesamt 27 Nationen unterrichtet, aber unterm Strich gibt es in jeder Klasse jeweils nur wenige Schüler, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben.“

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