Neuenrader Schützen ehren den Mann der Kommandos

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Oliver Krönke kommandierte am Freitag erstmalig den Zapfenstreich im Stadtpark, zu der Zeit noch mit zwei Sternen auf der Schulter.

Neuenrade - Nur dem Sprecher der Fahnenabteilung der Neuenrader Schützengesellschaft (NSG) war es gegönnt, drei Sterne auf den Schulterklappen tragen zu dürfen – bislang.

Denn laut Statuten der Fahnenabteilung besteht die Möglichkeit, einen dritten Stern auch anderen Mitgliedern zu verleihen. Von dieser besonderen Auszeichnung wurde jedoch über viele Jahre nie Gebrauch gemacht – bis zum Schützenfest-Sonntag. Der erste und bislang einzige Neuenrader, dem diese Ehre vor drei Tagen zuteil wurde, ist Oliver Krönke. 

Die Herren der Fahnenabteilung staunten nicht schlecht, als sie wenige Tage vor dem Schützenfest eine elfseitige Abhandlung in die Hand gedrückt bekamen: „Uniform- und Anzugsordnung“ stand in fetten Buchstaben darauf. Oliver Krönke hatte seit vielen Monaten daran gearbeitet und das Werk nun vollendet. Er weiß um die Bedeutung der förmlichen Korrektheit und vermittelt dies seit zwei Jahren auch an die Jugend im Rahmen der Formalausbildung im Kaisergarten. „So weiß jeder, was die einzelnen Kommandos zu bedeuten haben und wie sie auszuführen sind“, erklärte Domenic Troilo, Presseoffizier der NSG. 

Ehemaliger Panzergrenadier

Der Schützennachwuchs kommt aus den Reihen der Gewehrsektion, der Gruppenführer und auch Offiziere und Fahnenträger nehmen gerne teil. Krönke wurde als damaliger Panzergrenadier von Hamburg in eine Kaserne nach Osnabrück versetzt, anschließend war er für die Bundeswehr auch kurzzeitig in Kanada im Einsatz. „Diese Karriere gibt ihm das notwendige Ansehen in der Neuenrader Truppe, als Ausbilder für die Schützen anerkannt zu werden“, sagte Troilo. 

Seit einigen Jahren kommandiert Krönke für die Fahnenabteilung die Andacht und Totenehrung als feierliche Festeröffnung im Stadtpark unter den 1000-jährigen Eichen. Der Zapfenstreich war immer dem Oberst vorbehalten, doch in diesem Jahr gab es die nächste Neuerung: Da die Stimme des Vereinsvorsitzenden Björn Sip erkältungsbedingt am Freitagabend schwer angeschlagen war, fragte er Krönke, ob dieser die Zeremonie kommandieren wolle. Presseoffizier Troilo war schon vorher klar: „Wer Krönke kennt, der weiß, dass es für ihn zum Pflichtbewusstsein gehört, solche Aufgaben wie selbstverständlich anzunehmen.“ 

Krönke reichen 20 Minuten

Oberst Sip sagte im Nachgang beeindruckt: „Jeder Oberst hat mehrere Monate Zeit, sich auf seinen ersten Zapfenstreich vorzubereiten, unser Oliver hatte nur 20 Minuten.“ Dass der Zapfenstreich dennoch sehr gut lief, hat vermutlich genetische Gründe: Sein Urgroßvater väterlicherseits, Jakob Krönke, begründete mit dem Musikverein Neuenrade eine wichtige Institution, die auch heute noch zentraler Teil des kulturellen Lebens in der Hönnestadt ist. Der 1891 geborene Musiker ist aber nicht der einzige, der diese Gene weitergegeben hat. Sein zweiter Urgroßvater Wilhelm Gerdes (geboren 1900) trommelte den Zapfenstreich in Evingsen ein. 

Als Letzter in der Reihe kam Vater Veit-Henning Krönke, der dafür gesorgt hat, dass sein Sohn das „grün-weiße Schützenwesen sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen hat“, wie er berichtet. Er selbst ist im Sommer 1964 in die NSG eingetreten und wurde 1976 König, als der kleine Oliver noch nicht in der Grundschule war und stolz mit dem Säbel in der Kutsche saß. 1979 wurde Veit-Henning Krönke Fahnenträger und trug die Uniform bis 1992. Das war das Jahr, in dem Sprössling Oliver – als einer der jüngsten Uniformträger überhaupt – zu den Fahnenträgern gestoßen ist und im Nachgang für viele Jahre die Scheibe im Festzug präsentierte. Seine Schulterstücke für die Uniform erhielt er von seinem Vater und hat sie bis Sonntag getragen. 

Jagd als zweite große Leidenschaft

Da Krönke unter der Woche arbeitsbedingt nach Hessen pendelt, kommt die Jagd als seine zweite große Leidenschaft gerade zeitlich etwas zu kurz. Als Soldat hätte er das Leben in der Hönnestadt wohnortbedingt jedoch nicht mehr genießen können, weshalb er sich gegen die Offizierslaufbahn beim Militär entschied. So geht er dem Schützenwesen als seiner Passion nach und macht das in vollen Zügen, wofür er Rückendeckung von seiner Lebensgefährtin Barbara Besser bekommt. 

Die Krönkes sind eng verknüpft mit der Neuenrader Tradition und im Rahmen dieses Traditionsbewusstseins kündigte Oliver Krönke bereits im Zelt an: „Die Schulterklappen von Papa erweitere ich nicht um einen Stern, ich trage lieber neue Schulterstücke, lasse die alten in der Vitrine.“ 

Domenic Troilo findet: „Es ist schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass er einer einfachen Schulterklappe die gleiche Würde geben kann, wie einer erhabenen kulturellen Zeremonie wie der Totenehrung oder dem Zapfenstreich, wenn er uns kommandiert. Er genießt den Respekt von jedem in unserem Verein.“

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