„Mein Joint gibt mir meine Zufriedenheit“

NEUENRADE -  Die von der Polizei sichergestellten Utensilien berichteten von einem professionellen Vorgehen: Transformatoren und LED-Leuchten, Kabeltrommeln und Düngemittel, ein Luftfeuchtigkeitsmesser und ein Gerät zum Abtrennen und Zerkleinern von Pflanzenteilen. Mit all dem hatte ein 34-jähriger Neuenrader 74 Cannabispflänzchen so weit gebracht, dass er von den ältesten die erste Marihuana-Ernte einfahren konnte: 23,6 Gramm reinen Cannabis-Wirkstoff.

Diesen Wert wies die pharmazeutische Analyse der sichergestellten ersten Ernte nach. Ende November hatte die Polizei einen Tipp bekommen, dass der junge Mann den Starkstromanschluss in seinem Keller nicht nur für Haushaltsgeräte verwendete und war an einer Neuenrader Adresse am Tannenweg fündig geworden.

Gestern musste sich der 34-Jährige vor einem Schöffengericht des Amtsgericht Altena wegen unerlaubten Besitzes und Anbaus von Betäubungsmitteln verantworten. Einen weiteren Tatvorwurf wies der 34-Jährige zurück: „Der Anbau lässt sich nicht leugnen. Ich wollte aber nie Handel treiben und habe das auch nie getan.“ Als Grund für die Plantage nannte er ein anderes Ziel: Durch den Ersatzstoff Methadon habe er seine Heroinabhängigkeit in den Griff bekommen. Methadon mildere aber nur die körperlichen Entzugssymptome, nicht die psychischen. In dieser Lage helfe ihm das Haschisch: „Mein Joint gibt mir meine Zufriedenheit.“

Das Strafgesetzbuch ließ es allerdings nicht zu, dass der Angeklagte diese private Form der Therapie weiterführte. Richter Dirk Reckschmidt wies darauf hin, dass der Anbau von Betäubungsmitteln in solchen Mengen schon in die Kategorie „Verbrechen“ gehört. Da der Angeklagte das Handeltreiben bestritt, musste ein Polizeibeamter als Zeuge aussagen, der bei der Kellerdurchsuchung dabei gewesen war: Und so wurde im Gerichtssaal fachkundig über Setzlinge, Mutterpflanzen und Wuchsphasen, die richtige Beleuchtung, frisch gepflückte Blüten und Pflanzengrößen zwischen zehn und 50 Zentimetern gesprochen.

Für ein Handeltreiben sah das Gericht keine ausreichenden Anhaltspunkte. In Bezug auf den Anbau war der 34-Jährige allerdings kein unbeschriebenes Blatt: Eine Bewährungsstrafe hatte Richter Dirk Reckschmidt dem Angeklagten kurz vor dem Fund der Beamten endgültig erlassen. Darüber war er ungehalten: „Sie haben vermutlich während der gesamten Bewährungszeit die Pflanzen im Keller gezogen.“ Und der Angeklagte hatte dabei offenbar „mehr Glück als Verstand gehabt, dass die Beamten nicht drei/vier Monate früher bei Ihnen waren.“ Eine weitere Chance gab es dennoch für den Süchtigen: Im Gegenzug für eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren musste er sich mit einer stationären Drogentherapie einverstanden erklären.

Von Thomas Krumm

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