Allgemeine Überraschung zum Abschneiden der AfD

Familie Baldauf im Wahllokal „Jugendzentrum“. Die Familie hatte sich kurz zuvor noch einmal über die Wahlprogramme der Parteien informiert, bevor man gemeinsam zur Wahl schritt. - Foto: von der Beck

Neuenrade -  Für Claudia Kaluza war es ein bitterer Abschluss eines an sich schönen Tages. Hatte sie zuvor noch Firmung gefeiert, endete der Bundestagswahltag für die FDP-Fraktionschefin und FDP-Parteivorsitzende Neuenrades mit einer Niederlage. Bis zum Schluss hatte sie für ihre FDP gekämpft. Indes – nicht nur auf Bundes- sondern auch auf Ortsebene wurden die Liberalen gar von der AfD geschlagen. Das erschütterte die Liberale. Kaluza gratulierte aber der CDU zu deren grandiosem Ergebnis. Das konnte sie auch in ihrer Familie tun, denn ihre Tochter gehört zur CDU.

Hochzufrieden angesichts der CDU-Ergebnisse war jedenfalls der Vorsitzende der Neuenrader Ortsunion, Torsten Schneider. Der kommentierte das Wahlergebnis als „gutes Ergebnis“ und zeigte sich auch überrascht vom Abschneiden der AfD. Das SPD-Ergebnis hatte er „so erwartet“.

Enttäuscht zeigt sich der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Thomas Wette angesichts der Ergebnisse. Er hatte mit wenigstens 30 bis 32 Prozent auf Bundesebene gerechnet. Bis zum Schluss hatte auch er für seine Partei gekämpft. Das Neuenrader Ergebnis von 31,7 Prozent hätte er auch gerne auf Bundesebene gesehen.

Der Sprecher der Neuenrader Bündisgrünen, Ulrich Naumann, führt das nicht so tolle Abschneiden seiner Partei auf Bundesebene auf Fehler im Wahlkampf zurück. Zudem habe er das Gefühl, dass man bei den Spitzen der Bündisgrünen in gewisser Weise schon die Bodenhaftung verloren habe. „Die wissen nicht mehr, was unten los ist“, vermutet Naumann.

Die Wähler indes schienen sich zumindest im Beritt des Wahlbezirks „Jugendzentrum“ schon lange vorher festgelegt zu haben. Nein, man sei nicht unsicher in der Entscheidung gewesen, hieß es meist. Das Altbewährte wähle man, hieß es. Und: „Beim Bock getan wird man doch sowieso“. Positiv bemerkt wurde, dass man allenthalben dazu appelliert hatte, doch wählen zu gehen. So habe man auch jüngere Menschen erreicht. In der Tat lag die Wahlbeteiligung bei knapp 75 Prozent – ein gutes Ergebnis.

Und auch gab es kein bestimmtes Wahlkampfthema, das die Entscheidung beeinflusst hätte, hieß es nahezu unisono. Da sehe man einfach das Gesamtpaket. Eine junge Frau erklärte daher, dass sie im Gegensatz zu 2009 nun komplett anders gewählt habe.

Nach Schließung der Wahllokale dauerte es eine gute halbe Stunde bis sich der Ratsaal denn füllte. Dann aber wurde es recht voll, in den Reihen der CDU wurde dann schon die eine oder andere Flasche Bier aufgemacht. Still wurde es, als im Fernsehen bedröppelte FDP-Granden das historisch schlechte Ergebnis kommentierten und als ein AfD-Mann das gute, aus dem Stand erzielte Ergebnis seiner Partei kommentierte.

Überhaupt die AfD: Zumindest seitens der lokalen CDU konnte gestern niemand diese politische Kraft einordnen. Die AfD holte bei den Zweitstimmen aus dem Stand 4,35 Prozent – die FDP erreichte nur 4,31 Prozent. Sagenhaft sind auch die Verluste der Liberalen in Neuenrade, die mit mehr als 9 Prozent massiv Federn lassen musste. Satte Gewinne gab es auch hier für die CDU (plus 5,24) und SPD (plus 4,52 Prozent) gleichermaßen. Grüne und Linke mussten letztlich hierzulande erheblich Federn lassen. Unter ferner liefen rangierten übrigens die Piraten.

Dass Politik auch spannend sein kann, konnte man gestern Abend dann noch im Ratsaal erleben: Höchst interessiert verfolgten die Neuenrader Parteipolitiker das dramatische Duell zwischen Christel Voßbeck-Kaiser (CDU) und Dagmar Freitag, das am Ende die Iserlohner SPD-Abgeordnete mit wenigen Stimmen für sich entschied. Als das Duell zu Ende war, lichteten sich auch die Reihen im Ratssaal, ein spannender Wahlabend ging zu Ende.

- Von Peter von der Beck

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