Neuenrader Jugendliche für eine Woche im Friedenseinsatz

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Die jährliche Pflege der Inschriften auf den Grabsteinen auf dem Soldatenfriedhof Ysselsteyn ist mittlerweile eine Aufgabe, die ausschließlich den Jugendlichen aus Neuenrade vorbehalten ist.

Neuenrade/Ysselsteyn - Auch nach 32 Jahren hat der besondere Geist des großen Soldatenfriedhofs in Ysselsteyn in den Niederlanden wenig von seiner Wirkkraft auf viele Jugendlichen aus Neuenrade verloren.

Arbeit für den Frieden ist die Idee, die über der Ferienfreizeit der Stadt Neuenrade steht. Pflege der Gräber, Reinigen und Ausmalen der Grabsteine oder das Treffen mit einem Zeitzeugen. In diesem Jahr erzählte der 77-jährige Miel Andriessen, wie aufgrund mutiger Liebe einer fremden niederländischen Familie sein Leben gerettet wurde, während seine Eltern in Auschwitz ums Leben kamen. 

Auf dem Friedhof frischten die Neuenrader Jugendlichen die Inschriften von beinahe 150 Grabkreuzen auf. „Diese Aufgabe ist inzwischen ausschließlich unserer Gruppe vorbehalten“ berichteten die Betreuer Sabine Protzer und Frederik Sip. Auch wurden mehr als 1800 Kreuze gereinigt und somit vom Moosbefall befreit. 

Viele Einzelschicksale

Durch die Beschäftigung mit einem der vielen Einzelschicksale bekam eines der mehr als 32 000 Kreuze ein Gesicht. Hans Meinhof war bis vor einem Jahr noch als „unbekannter Soldat“ auf dem Friedhof beigesetzt. Durch intensive Recherchen und eine DNA-Probe seines noch lebenden Bruders konnte er nach mehr als 70 Jahren identifiziert werden und hat nun seit November vergangenen Jahres seinen Namen auf seinem Grabstein stehen. Diese emotionale Beschäftigung mit dem zentralen Thema „Frieden“ wurde wie immer verknüpft mit besonderen Freizeitaktivitäten und fand am Abend sehr häufig einen Abschluss am Lagerfeuer. 

Eine Delegation aus Neuenrade um Antonius Wiesemann (hinten, 3. von links) und Marco Voge (hinten, Mitte) besuchte die Jugendlichen in den Niederlanden.

„Der Besuchstag einer Delegation aus Neuenrade am Mittwoch zeigte die Anerkennung und Wertschätzung der Kommunalpolitk für den Einsatz der Jugendlichen“, sagte Protzer. Die Gruppe um Bürgermeister Antonius Wiesemann wurde in diesem Jahr unter anderem begleitet vom heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Marco Voge. 

Blumen niedergelegt

„Erst die finanzielle Unterstützung durch den Rotary-Club Altena-Werdohl-Plettenberg macht diese Fahrt immer wieder möglich und auch die Spenden von der CDU-Frauenunion, der Jungen Union und der SPD ermöglichten zusätzliche Unternehmungen in der Woche“, dankte Protzer den Sponsoren. 

Am letzten Abend vor Ort nahm die Gruppe mit dem Niederlegen von Blumen gemeinsam Abschied vom Friedhof und ließ die Woche mit einem Grillabend ausklingen. 

Schon Anmeldungen für 2020

„Schon erste Anmeldungen für das nächste Jahr machen deutlich, dass das besondere Konzept dieser städtischen Ferienfreizeit die jungen Menschen erreicht“, sagte Protzer abschließend.

Die Deutsche Kriegsgräberstätte Ysselsteyn liegt in der niederländischen Stadt Venray (Provinz Limburg), etwa 20 Kilometer hinter der deutsch-niederländischen Grenze. Ysselsteyn ist in den Niederlanden der größte Soldatenfriedhof und der einzige Friedhof für deutsche Soldaten. Dort sind 31 598 gefallene Soldaten, hauptsächlich aus dem Zweiten Weltkrieg, bestattet.

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