Burgschulverbund: Hier funktioniert Inklusion

Ein gutes Team: Linda Ehrwerth, Dorothée Berken und Timo. - Fotos: von der Beck

Affeln/Neuenrade - Es geht um Chancengleichheit, um den Versuch, Nachteile auszugleichen. Dass das gut funktionieren kann, beweisen Timo und Linda Ehrwerth (Sonderpädagogin) und seine Klassenlehrerin Dorothée Berken. Timo ist sehbehindert, er besucht die Dependance der Burgschule in Altenaffeln.

Die Burgschule wird im Rahmen der Inklusion zur Schwerpunktschule Sehen im Märkischen Kreis. Durch Timos Schulbesuch und den daraus resultierenden Einsatz von Fachkraft Linda Ehrwerth wurden für diese sicher nicht leichte Aufgabe gute Grundlagen gelegt.

Es wurde eine Menge erarbeitet im Umgang mit Schülern, die eine eingeschränkte Sehfähigkeit haben. Dazu gehörte technisches Equipment, aber eben auch engagierte Lehrkräfte, der Umgang mit Krankenkassen, das Wissen um Ansprüche und Anträge, eine enge Kooperation mit der Stadtverwaltung und nicht zuletzt die auseinandersetzung mit Timos Klassenkameraden. Dabei ging es dann um schlichte sachliche Erklärungen. So fragten die Kinder nach, warum sie nicht so einen tollen Schreibtisch oder so ein computergesteuertes Lesegerät bekommen würden. Die sachliche Erklärung, dass Timo eben nicht so gut sehen kann und das technische Gerät benötigt, um diesen Nachteil auszugleichen, hat dabei genauso zum Verständnis der Kinder geführt wie der Einsatz von Simulationsbrillen. Da konnten die Kinder am eigenen Leib erfahren, was sehbehindert bedeutet und warum ein technischer Nachteils-Ausgleich nötig ist. Timo sei gut integriert, sagen die Lehrerinnen.

Timo benötigt einen schrägen Schreibtisch zu Rückenentlastung, eine Antirutschmatte, Farbstifte mit Schwarz-weiß-Symbolen für Farbe, ein Lesegerät, das die Schrift an der Tafel vergrößert und auch im Nahbereich eingesetzt werden kann, eine besondere Tastatur, spezielle Lampen sowie einen speziellen Bürostuhl. Bei der Beschaffung ist die Stadt Neuenrade zuständig. Monika Arens kümmert sich und war froh, in Linda Ehrwerth eine Fachkraft zu finden, die entsprechende Erfahrung hat. Ehrwerth konnte die Anträge bei den Krankenkassen mit dem nötigen Fachwissen unterfüttern, zudem konnte sie mit einem Neuenrader Optiker Gespräche führen.

Doch reicht die Technik allein nicht aus. Die Sonderpädagogin mit Schwerpunkt Sehen kümmerte sich bislang vier Stunden pro Woche um Timo, mal allein, mal im Rahmen des Klassenunterrichts oder in Kleingruppen. Aufgrund der Sehbehinderung benötige Timo eben mehr Zeit, um das selbe Klassenziel zu erreichen, sagt Ehrwerth.

Doch auch der Einsatz der Klassenlehrerin ist gefordert. Bei der Konzeption des Unterichts berücksichtigt Dorothée Berken die Sehbehinderung Timos. Unterrichtsvorlagen werden entsprechend gestaltet. Inklusion funktioniert hier offenbar – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Sonderpädagogin Linde Ehrwerth wird nun versetzt, neues Fachpersonal aus Olpe wird im neuen Schuljahr zur Schwerpunktschule Sehen beordert, zu der der Schulverbund Burgschule ernannt wurde. Eine Erleichterung sicher auch für Eltern von Sehbehinderten Grundschülern im Märkischen Kreis. Die Fahrt zur Spezialschule in Olpe entfällt.

- Von Peter von der Beck

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