Neuenrader Bürgerpreis geht diesmal nach Affeln

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Theo und Maria Dickopf waren als regelmäßige Besucher des Empfangs am Tag der Deutschen Einheit vollkommen überrascht, von Bürgermeister Wiesemann mit dem Bürgerpreis des Jahres 2019 der Stadt Neuenrade ausgezeichnet zu werden.

Neuenrade - Theo Dickopf schüttelte energisch mit dem Kopf. Dann trat er bei der Feierstunde anlässlich des Tags der Deutschen Einheit im Hotel Kaisergarten ans Mikro und verkündete: „Ich komme seit Jahrzehnten zu dieser Veranstaltung. Aber wenn ich das heute gewusst hätte...“ Er schüttelte sein Haupt abermals und ließ den Satz unvollendet. Die Besucher im vollen Saal lachten.

Dickopf und seine Frau Maria hatten gerade den Bürgerpreis der Stadt Neuenrade aus den Händen von Bürgermeister Antonius Wiesemann erhalten. Während Maria Dickopf sich – nach wie vor ungläubig dreinblickend – ins Goldene Buch der Stadt eintrug, fuhr ihr Gatte am Mikrofon fort: Seine Leistungen seien doch gerade einmal im Rahmen dessen, „was man von einem ordentlichen Bürger erwarten darf“, wiegelte er ab. Resignierend zuckte der aber mit den Schultern und schloss mit den Worten: „Tja, jetzt müssen wir wohl damit leben.“

Dann unterzeichnete auch er im Goldenen Buch. Stadtoberhaupt Antonius Wiesemann hatte bei seiner Laudatio auf das Ehepaar Dickopf ausgeführt, dass die beiden sich „seit vielen Jahren in unterschiedlichen Bereichen in Neuenrade engagieren“.

Einsatz über übliches Maß hinaus

Die Affelner seien tätig in der Kirchengemeinde, bei der Feuerwehr, im Zuge des Dorfjubiläums, in der Flüchtlingshilfe sowie bei der Versorgung Pflegebedürftiger. Der Erste Bürger der Stadt unterstrich: „Sie setzen sich weit über das übliche Maß hinaus ein.“

Neuenrader Bürgerpreis für Eheleute Dickopf

Eine halbe Stunde zuvor, als Wiesemann die Festrede anlässlich der 30. Jahrestages des Mauerfalls in Berlin hielt, hatte er die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg gelobt und sich von der Neuenrader Jugend gewünscht, sie möge ihre Stimme erheben. Der Bürgermeister sagte: „Wir sind dann vielleicht überrascht von Ihrer Sicht der Dinge. Aber davon können wir nur profitieren.“

Einheit noch unvollendet

Wiesemann erinnerte an den „dramatischen Herbst 1989“ mit seinen „brutal niedergeknüppelten Protesten“ in Ostdeutschland. Mit der folgenden Maueröffnung „hatte keiner gerechnet“, zeigte er sich auch drei Jahrzehnte später sichtlich bewegt. „Aber was uns damals wie ein Geschenk der Geschichte vorkam, ist heute schon verblasst“, führte er aus.

Die Deutsche Einheit sei noch unvollendet und bedürfe weiterhin täglichen Einsatzes. Um nun Protestwahlen zu vermeiden, sei bei politischen Einschätzung mehr denn je „Maß und Mitte“ gefragt.

Bürgermeister Antonius Wiesemann bedankte sich auch bei den Ehrenamtlern Werner Fuderholz, Heribert Rath und Gabriele Cremer-Schulte (von links).

Zu feiern sei in diesem Jahr die 35-jährige Städtepartnerschaft Neuenrades mit dem 170 Kilometer entfernten niederländischen Dinxperlo. Die einstige Stadt ist unterdessen zu Aalten eingemeindet. Wiesemann begrüßte dessen Bürgermeister Anton Stapelkamp.

Klingenthals Bürgermeister sorgt für Lacher

Thomas Hennig, Bürgermeister der Partnerstadt Klingenthal, wandte sich persönlich mit einem Grußwort an die Neuenrader. Es sei sein 24. Besuch im Sauerland, stellte er fest. Die Städtepartnerschaft zwischen Klingenthal und Neuenrade lebe „nicht nur bei den Großkopferten, sondern auch bei den kleinen, einfachen Leuten“. Was einzig noch fehlte, sei ein Neuenrade-Klingenthal-Baby, sagte das Oberhaupt der Stadt mit knapp 9000 Einwohnern, was zu kräftigem Gelächter im Festsaal führte.

Geschenke für drei Neuenrader

Im Rahmen des Festaktes hatte Antonius Wiesemann noch drei weitere Bürger Neuenrades mit Präsenten geehrt. Gabriele Cremer-Schulte sei stets zur Stelle, wenn irgendwo in Neuenrade ihre Hilfe benötigt werde. Werner Fuderholz und Heribert Rath seien Schiedsleute und „die Idealbesetzung für diesen Posten“.

Die aktuellen Schützen-Regenten inklusive der Kinderkönigspaare trugen sich ins Goldene Buch der Stadt ein und präsentierten sich dem Publikum.

Die Veranstaltung wurde musikalisch flankiert von der Werdohler Sängerin Viviane Heyn sowie dem Musikverein Affeln, der die Besucher abermals mit seiner herausragenden Qualität fesselte.

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