„Nicht einschüchtern lassen“

Neuenrader blicken auf das Jahr 2016 zurück

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Die Verkäuferin Kunigunde Köper freut sich über das ehrenamtliche Engagement bei der Flüchtlingshilfe.

Neuenrade - Der Jahreswechsel bietet turnusmäßig die Gelegenheit, das vergangenen Jahr Revue passieren zu lassen und gleichzeitig einen Blick ins nächste Jahr zu richten. Was hat die Neuenrader in 2016 bewegt, was erwarten sie von 2017? 

Einige haben ihre Hoffnungen, Wünsche und, nach dem Berliner Terroranschlag, auch vereinzelt Ängste geäußert. Es ist keine repräsentative Umfrage, gleichwohl wird sie im Kern das wiedergeben, was viele denken und bewegt hat – auch wenn schlimme und unfassbare Dinge in weiter Entfernung von Neuenrade passiert sind.

Nähe zum Bürger wichtig 

Für den 58-jährigen Polizeihauptkommissar Manfred Lopatenko sei das vergangene Jahr sehr arbeitsreich gewesen. Seit mehr als acht Jahren ist der Neuenrader im benachbarten Balve als Bezirksbeamter im Einsatz. Die Nähe zum Bürger sei für ihn sehr wichtig. Nur so könne Vertrauen aufgebaut und gefördert werden, betont er. 

Vielen ist er auch unter seinem Spitznamen „Lopa“ bekannt. Die Abkürzung seines Familiennamens habe ihn „ein Leben lang begleitet“. Früher war er Flügelspieler beim Fußballclub Rot-Weiß-Lüdenscheid und spielte mit dem Traditionsverein sogar in der 2. Bundesliga. 

Seine Liebe zum Sport hat nicht nachgelassen: Für den Deutschen Fußballbund ist er in der Region als Stützpunkttrainer tätig, seine Schützlinge sind die B 17- und die U 16-Teams. Mit denen sei der Schutzpolizist ebenso zufrieden, wie mit den Bürgern. Seine Empfehlung an die Einwohner der Stadt um Verbrechen zu verhindern: Aufmerksam verdächtige Personen beobachten und dann der Polizei melden. 

Im kommenden Jahr wird Manfred Lopatenko die Balver Dienststelle verlassen und nach Iserlohn wechseln. Bei der dort ansässigen Polizei ist er dann für die Bereiche Verwaltung und Sport zuständig. Der beruflichen Veränderung blickt er gelassen entgegen: „Mal schauen, wie das funktioniert.“ 

Von Stammkunden "Ebi" gerufen

Der Gastwirt Eberhard Steinmeier zapft seit vielen Jahren in der Gaststätte Zur Linde das Bier für seine Gäste.

So etwas wie der altersmäßige Senior unter den städtischen Gastronomen ist Eberhard Steinmeier. Seit dreißig Jahren steht der 65-Jährige in der Gaststätte Zur Linde hinter dem Tresen. „Ebi“ wird er liebevoll von vielen Stammkunden gerufen. 

Das Jahr 2016 beurteilt Eberhard Steinmeier keineswegs negativ. Trotzdem bleibt im persönlichen Rückblick nicht unerwähnt, dass das Rauchverbot in Gaststätten für ihn etwas weniger Gäste zur Folge hatte. 

Abschwächend fügt er hinzu, dass er dank seiner Stammgäste und den Vereinen trotzdem zufrieden auf das Jahr blicken kann. Für das kommende Jahr wünscht er sich ein friedvolles Miteinander. Er hoffe, dass an „unseren Werten festgehalten wird.“ Beruflich könne es wie bisher weitergehen. Gegen eine „leichte Steigerung“ habe er natürlich trotzdem nichts einzuwenden. 

Der 48-jährige Thorsten Großhaus ist Betreiber der Tankstelle Tank & Wasch. Rückblickend sagt er: „Ich bin mit dem Jahr zufrieden. Unsere Kunden sind uns treu geblieben und auch neue sind hinzu gekommen. Für das Jahr 2017 wünsche ich der Familie, meinen Freunden und Bekannten und natürlich allen Kunden vorrangig Gesundheit und das es für uns alle in Neuenrade so gut weiter läuft.“ Natürlich hoffe er, dass es friedlich bleibe. Er stellt klar: „Ich lasse mich nicht einschüchtern.“ 

Ein gutes Jahr 

Astrid Prior ist Fleischereifachverkäuferin in der Metzgerei Graf. Die 48-Jährige resümiert: „Das Jahr 2016 ist bei uns gut gelaufen. Wir sind zufrieden.“ Mit ihrer Arbeit bei der Metzgerei Graf sei sie glücklich. Seit acht Jahren arbeitet sie dort und kenne inzwischen die meisten Kunden. „Da wird immer ein freundliches Wort gewechselt“, erzählt sie und freut sich. 

Auch persönlich habe sie einen Grund zur Freude gehabt: „Unsere Tochter hat geheiratet.“ Für 2017 wünscht sie sich, dass es weiterhin so wie im letzten Jahr läuft, dass es uns allen gut geht, wir gesund und munter bleiben und friedlich miteinander leben.“ 

Auch der 61-jährige Karl-Ludwig Michels, Busunternehmer, blickt auf das Jahr zurück. Er sagt: „Das Jahr ist für meine Frau und mich bestens gelaufen.“ Besonders stolz sei er darauf, dass ihr Sohn Louis in diesem Monat geboren wurde. „Mutter und Kind sind wohlauf, dass ist für mich ganz wichtig.“ 

Keine Grund zum Klagen

Auch beruflich gäbe es keinen Grund zum Klagen. Die Auslastung der Busse sei zufriedenstellend. Für das kommende Jahr hoffe er, dass alles so gut bleibt, das wir gesund bleiben und das sich das Unternehmen weiterhin gut entwickele. Außerdem wünsche er allen Menschen im kommenden Jahr ein friedliches Miteinander. 

Er betont: „Wir dürfen uns nach dem menschenverachtenden und brutalen Terroranschlag nicht aus der Bahn bringen oder einschüchtern lassen.“ Kommunalpolitisch glaube er, dass die neue Abfallgebührenordnung noch einige Diskussionen nach sich ziehen werde. 

Die 66-jährige Kunigunde Köper ist Verkäuferin und ein vertrautes Gesicht in Küntrop und der Umgebung. Im Jahr 2016 habe sie „gute und weniger gute Momente“ erlebt. Positiv hat sie die Flüchtlingshilfe im Stadtgebiet erlebt. 

Als „ganz besonderes Erlebnis“ bezeichnet sie das Zusammentreffen mit den Flüchtlingskindern, die „strahlend auf mich zugelaufen kamen.“ Traurig und nachdenklich stimmen sie die bundesweiten negativen Ereignisse, die bei vielen Menschen zum Umdenken und nicht zum Miteinander führen könnten. 

Für 2017 hat sie als Chorsängerin den Wunsch, dass der traditionelle Kirchenchor Cäcilia Werdohl-Neuenrade trotz „fehlender Sängerinnen und Sänger“ weiterhin existiert. „Weil die Musik uns allen viel bringt und vom Herrgott mitgegeben wurde“, betont sie. Außerdem wünscht sie sich dass das Jahr 2017 generell gut läuft. Dabei vertraut sie auch auf ihren Glauben.

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